Nachrichten zum Terror und zum israelisch-palästinensischen Konflikt (25. – 31. Juli 2018)

Heftige Auseinandersetzungen während der IDF-Operationen im Dorf Kobar (Webseite von QUDSN, 27. Juli 2018)

Heftige Auseinandersetzungen während der IDF-Operationen im Dorf Kobar (Webseite von QUDSN, 27. Juli 2018)

Konfrontationen auf dem Tempelberg. Palästinenser mit Feuerwerkskörpern (Facebook-Seite von Schehab, 28. Juli 2018)

Konfrontationen auf dem Tempelberg. Palästinenser mit Feuerwerkskörpern (Facebook-Seite von Schehab, 28. Juli 2018)

Der Aussichtsposten, der angegriffen wurde (Twitter-Account von PALINFO, 26. Juli 2018)

Der Aussichtsposten, der angegriffen wurde (Twitter-Account von PALINFO, 26. Juli 2018)

Ismail Haniyya, Khalil al-Hayya und andere hochrangige Hamas-Mitglieder bei der Beerdigung der drei Mitglieder des militärischen Arms (Twitter-Account des militärischen Arms der Hamas, 26. Juli 2018)

Ismail Haniyya, Khalil al-Hayya und andere hochrangige Hamas-Mitglieder bei der Beerdigung der drei Mitglieder des militärischen Arms (Twitter-Account des militärischen Arms der Hamas, 26. Juli 2018)

Ismail Haniyya, Khalil al-Hayya und andere hochrangige Hamas-Mitglieder bei der Beerdigung der drei Mitglieder des militärischen Arms (Twitter-Account des militärischen Arms der Hamas, 26. Juli 2018)

Ismail Haniyya, Khalil al-Hayya und andere hochrangige Hamas-Mitglieder bei der Beerdigung der drei Mitglieder des militärischen Arms (Twitter-Account des militärischen Arms der Hamas, 26. Juli 2018)

Der symbolische Friedhof der Kinder-Märtyrer und im Hintergrund Fotos des US-Präsidenten und des israelischen Premierministers mit der englischen Beschriftung

Der symbolische Friedhof der Kinder-Märtyrer und im Hintergrund Fotos des US-Präsidenten und des israelischen Premierministers mit der englischen Beschriftung "Killer" (Facebook-Seite der Safa Nachrichtenagentur, 27. Juli 2018)

Das Boot al-Awda auf hoher See, kurz bevor es von der israelische Marine angehalten wurde (Facebook-Seite von

Das Boot al-Awda auf hoher See, kurz bevor es von der israelische Marine angehalten wurde (Facebook-Seite von "Ship to Gaza Sweden", 29. Juli 2018)

  • Im Mittelpunkt der Ereignisse der vergangenen Woche stand ein Messerangriff in der Siedlung Adam in der Nähe von Ramallah. Dabei wurde ein Bewohner der Siedlung getötet und zwei weitere wurden verletzt. Der Terrorist stammt aus dem Dorf Kobar (nordwestlich von Ramallah), aus dem auch der Mörder der Salomon-Familie in der Siedlung Halamisch (Attentat vom Juli 2017) stammt. Während Operationen, die von den israelischen Sicherheitskräften im Dorf Kobar ausgeführt wurden, brachen Unruhen aus, bei denen Steine und Molotow-Cocktails auf die israelischen Kräfte geworfen wurden.
  • Im Gazastreifen wurde in der vergangen Woche erneut Scharfschützenfeuer auf eine Einheit der IDF eröffnet, wobei ein IDF-Offizier mittelschwer verletzt wurde. Als Reaktion darauf feuerten Panzer der IDF auf Hamas-Stellungen und töteten drei Mitglieder der Qassam-Brigaden. Etwas später wurden neun Raketen bzw. Mörsergranaten auf Israel abgefeuert. Beide Seiten, sowohl die IDF als auch die Hamas, enthielten sich weitestgehend bei diesen Ereignissen und verhinderten somit eine weitere Eskalationsrunde.
  • Am Freitag, dem 27. Juli, nahmen 7.000 Teilnehmer an den Aktivitäten der “Prozession der großen Rückkehr” teil. Dabei wurden gewalttätige Aktionen durchgeführt, darunter das Werfen einer Rohrbombe, Molotow-Cocktails und einer Granate auf IDF-Truppen. Die Anzahl der Branddrachen, die pro Tag zwischen 2 und 15 Brände verursachten, erhöhte sich während der vergangenen Woche nach einem vorübergehenden Rückgang der Vorfälle.
  • Vor diesem Hintergrund wurden während dieser Woche die Bemühungen fortgesetzt, eine Vereinbarung zu erreichen, die den Waffenstillstand stabilisieren und eine Verschlechterung der Situation verhindern soll. Nikolaj Mladenow, UN-Sonderbeauftragter für den Nahen Osten, nahm an den Vereinbarungen teil. Gleichzeitig führten ägyptische Beamte und Vertreter der Hamas gemeinsame Gespräche. Auf der Tagesordnung steht eine Reihe zusammenhängender Fragen, darunter die Stabilisierung des Waffenstillstands für eine lange Zeit, die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage sowie die Lockerung der Belagerung des Gaza-Streifens und die Förderung der innerpalästinensischen Versöhnung. Zu diesem Zeitpunkt gibt es bei diesen Kontakten noch keinen richtigen Durchbruch.
Angriff in der Siedlung Adam
  • Am 26. Juli 2018 wurde in der Siedlung Adam (in der Nähe von Ramallah) ein Messer-Angriff ausgeführt. Dabei wurde eine Person getötet und zwei weitere Personen wurden verletzt. Um 20:50 Uhr sprang ein junger Palästinenser mit einem Messer bewaffnet über den Zaun der Siedlung, überquerte einen Spielplatz und erreichte eine der Straßen in der Siedlung. Dort begegnete er zwei Bewohnern, auf die er einzustechen begann. Einer dieser Bewohner wurde dabei schwer verletzt und starb später in einem Krankenhaus. Der andere Bewohner wurde mittelschwer verletzt. Der Terrorist schritt dann weiter in Richtung eines dritten Mannes und versuchte, auch ihn zu erstechen. Dieser wurde zwar leicht verletzt, schoss jedoch auf den Terroristen und tötete ihn auf der Stelle. Eine große Anzahl von Sicherheitskräften erreichte den Tatort und aufgrund des Verdachts, dass sich weitere Terroristen im Gebiet aufhalten, wurde eine großräumige Durchsuchung der gesamten Siedlung unternommen.

Die Szene des Angriffs in der Siedlung Adam (Website von QUDSN, 26. Juli 2018)
Die Szene des Angriffs in der Siedlung Adam (Website von QUDSN, 26. Juli 2018)

  • Der Angriff wurde von Muhammad Tariq Dar Jusuf (17) aus dem Dorf Kobar (nordwestlich von Ramallah) verübt. Dabei handelt es sich um das Dorf, aus dem auch der Mörder der Familie Salomon am 21. Juli 2017 die Siedlung Halamisch erreichte, wo er bei einem Terroranschlag drei Familienmitglieder tötete. Etwa eine Stunde vor dem Angriff veröffentlichte Muhammad Tariq Dar Jusuf sein Testament auf seiner Facebook-Seite. Darin kritisierte er die Palästinensische Autonomiebehörde, nannte ihre leitenden Beamten “Verräter und Feiglinge, die das Blut der Märtyrer verkaufen”, da sie seinen Angaben nach den “Widerstand” erdrosseln und nichts weiteres tun, während das palästinensische Volk im Gazastreifen und in Jerusalem den Kampf weiterführt (Facebook-Seite von QUDSN, 26. Juli 2018).
Das Testament des Terroristen, das er etwa eine Stunde vor dem Angriff auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte (Facebook-Seite von QUDSN, 26. Juli 2018).     Muhammad Tariq Dar Jusuf, der Angreifer, der später getötet wurde  (Facebook Seite der Safa Nachrichtenagentur, 26. Juli 2018)
Links: Das Testament des Terroristen, das er etwa eine Stunde vor dem Angriff auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte (Facebook-Seite von QUDSN, 26. Juli 2018). Rechts: Muhammad Tariq Dar Jusuf, der Angreifer, der später getötet wurde  (Facebook Seite der Safa Nachrichtenagentur, 26. Juli 2018)
  • Nach dem Angriff operierten israelische Sicherheitskräfte im Dorf Kobar, aus dem der Terrorist stammte. Kräfte blockierten die Einfahrten und führten Durchsuchungen durch. Im Rahmen dieser Aktion wurden Anstiftungsmaterial und Gelder, die für terroristische Aktivitäten vorgesehen waren, gefunden und beschlagnahmt. Im Laufe der Operationen brachen im Dorf Unruhen aus, an denen etwa 150 Palästinenser beteiligt waren. Dabei wurden Autoreifen verbrannt und Steine, Molotow-Cocktails sowie Farbflaschen auf die Sicherheitskräfte geworfen. Die Streitkräfte reagierten auf die Demonstrationen mit Aufstandsbekämpfungsmaßnahmen. In der Nacht gingen die Sicherheitskräfte weiteren Tätigkeiten im Dorf nach, bei denen sie zudem Familienmitglieder des Terroristen befragten und ihre Arbeitserlaubnisse in Israel konfiszierten. Vier Palästinenser wurden von den Streitkräften zur weiteren Befragung geführt (IDF-Sprecher, 27. Juli 2018).
Heftige Auseinandersetzungen während der IDF-Operationen im Dorf Kobar (Webseite von QUDSN, 27. Juli 2018)    Heftige Auseinandersetzungen während der IDF-Operationen im Dorf Kobar (Webseite von QUDSN, 27. Juli 2018)
Heftige Auseinandersetzungen während der IDF-Operationen im Dorf Kobar (Webseite von QUDSN, 27. Juli 2018)
  • Bis heute hat die Palästinensische Autonomiebehörde keine Meldung bezüglich des Angriffs in der Siedlung Adam veröffentlicht. Die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa (die direkt dem Amt von Mahmud Abbas untersteht) veröffentlichte auf ihrer Website einen informativen Bericht über den Vorfall basierend auf israelische Quellen und Angaben über den Getöteten (Wafa Nachrichtenagentur, 26. Juli 2018). Die Hamas und andere Organisationen lobten den Angriff:
  • Fawzi Barhum, ein Sprecher im Namen der Hamas, lobte Mohammed Tariq Dar Jusef und sagte, dass die Hamas diese “kühne Aktion” begrüße. Er betonte, dass die Jerusalemer Intifada sich weiterhin allen Mitteln zu bedienen gedenkt und in allen Wegen kämpfen wird. Seinen Worten zufolge sei die Westbank dazu bereit, das Blut der Märtyrer zu rächen und Israel abzuschrecken (Webseite der Hamas, 27. Juli 2018).
  • Husam Badran, Mitglied des Politbüros der Hamas und Amtsleiter für internationale Beziehungen, forderte das palästinensische Volk dazu auf, weiterhin “heldenhafte Taten” zu unternehmen, um Israels Aggression zu stoppen und an einer Volks-Intifada, die in der al-Aqsa Moschee und in allen palästinensischen Gebieten stattfinden soll, teilzunehmen (Twitter-Account von Schabakat al-Quds, 26. Juli 2018).
  • Abd al-Latif al-Kanua, ein weiterer Sprecher im Namen der Hamas, lobte den Angriff in der Siedlung Adam und sagte, dies sei eine “natürliche Reaktion” den Verbrechen Israels in der Westbank, in Jerusalem und im Gazastreifen. Seinen Worten zufolge sendet diese Aktion eine Botschaft an Israel, wonach die Versuche, die Willenskraft des palästinensischen Volks zu brechen und den “Widerstand” zu zerstören, scheitern werden. Er fügte hinzu, dass das palästinensische Volk weiterhin an den Aktivitäten der “Prozession der großen Rückkehr” teilnehmen wird und dass der “Widerstand” für alle Möglichkeiten offen ist, sei es im friedlichen oder im bewaffneten Kampf (al-Aqsa TV, 27. Juli 2018).
Bedeutende Angriffe in Judäa, Samaria und Jerusalem im vergangenen Jahr[1]

Bedeutende Angriffe in Judäa, Samaria und Jerusalem im vergangenen Jahr 

Konfrontationen auf dem Tempelberg
  •   Am Freitag, dem 27. Juli 2018, brachen nach dem zentralen Gebet Unruhen auf dem Tempelberg aus, an denen Dutzende Palästinenser, die zum Beten auf den Tempelberg gekommen waren, teilnahmen. Während der Unruhen wurden Steine und Knallkörper auf die israelischen Sicherheitskräfte gerichtet. Die Sicherheitskräfte betraten das Gelände und evakuierten die Gläubigen. Einige Palästinenser verbarrikadierten sich in der al-Aqsa Moschee und wurden ein paar Stunden später von hineintretenden Polizisten evakuiert. Bei den Konfrontationen wurden vier Angehörige der Sicherheitskräfte leicht verletzt und 24 Randalierer festgenommen. Im Anschluss an die Ereignisse schloss die Polizei für mehrere Stunden einige der Tore, die zur Tempelanlage führen, einschließlich des Löwentors der Altstadt (israelische Medien, 27. Juli 2018). Die Ursache des Aufstandes war wohl der Jahrestag der Installation der Metalldetektoren auf dem Tempelberg, den die Palästinenser zu markieren versuchten.[2]
  • Diese Ereignisse führten zu einer Welle aufgebrachter Reaktionen von der palästinensischen Seite:
    • In einer Rede während eines Treffens des Exekutivkomitees der PLO sagte Mahmud Abbas, dass Israels Vorgehen gegen die al-Aqsa Moschee untragbar seien und dass es einen ernsthaften Protest geben müsse, um diese aufzuhalten (Wafa Nachrichtenagentur, 28. Juli 2018).
    • Das palästinensische Außenministerium veröffentlichte eine Mitteilung, die das israelische “Verbrechen” verurteilte, und forderte die Bewohner Ost-Jerusalems auf, sich zu erheben und die al-Aqsa Moschee zu verteidigen (Wafa Nachrichtenagentur, 27. Juli 2018).
    • Fawzi Barhum, ein Sprecher im Namen der Hamas, sagte, dass der “Einbruch” der israelischen Sicherheitskräfte in die al-Aqsa Moschee den Rassismus Israels und die Ungeheuerlichkeit der Ungerechtigkeit widerspiegelt, die es gegen das palästinensische Volk führt. Er rief die Bewohner Jerusalems, der Westbank und alle anderen Palästinenser dazu auf, sich mit aller Macht gegen Israel aufzulehnen, um seine nationale Pflicht zu erfüllen und um das palästinensische Land und die heiligen Stätten zu schützen (Webseite der Hamas, 27. Juli 2018).
    • Izzat al-Rischk, Mitglied des Politbüros der Hamas, sagte, dass der “brutale Angriff” der IDF auf die Betenden in der al-Aqsa Moschee ein systematischer Staatsterrorismus und ein hoffnungsloser Versuch sei, Fakten vor Ort zu etablieren (Twitter-Account von Izzat al-Rischk, 27. Juli 2018).
Andere Ereignisse vor Ort
  • Am 30. Juli 2018 nahmen die israelischen Sicherheitskräfte zwanzig gesuchte Personen in Judäa und Samaria unter dem Verdacht der Beteiligung an terroristischen Aktivitäten fest. Unter den Festgenommenen befinden sich fünf Hamas-Aktivisten aus Qalqiliya und vier Palästinenser, die der Anstiftung im Rahmen ihrer Aktivitäten im TV-Kanal al-Quds der Hamas (der im September 2017 als terroristische Organisation erklärt und verboten wurde) verdächtigt werden. Die Sicherheitskräfte agierten auch gegen eine Studentenzelle der Hamas an der Hebroner Universität. Im Rahmen der Operation wurden Propagandamaterial, “technologische Mittel” zur Übertragung bzw. Ausstrahlung und Fahrzeuge beschlagnahmt. Während der Aktivität der Kräfte entwickelten sich Störungen, die die Sicherheitskräfte mit Aufstandsbekämpfungsmaßnahmen zerstreuten (IDF Sprecher, 30. Juli 2018).
  • Am Abend des 30. Juli 2018 agierten israelische Sicherheitskräfte im Flüchtlingslager Deheische (südwestlich von Bethlehem), um dort Terrorverdächtige zu verhaften. Während der Operation kam es zu ernsthaften Unruhen und Palästinenser warfen Steine und Molotow-Cocktails auf die Truppen. Ein Kämpfer der Grenzpolizei erlitt dabei leichte Verletzungen (ynet Nachrichtenagentur, 31. Juli 2018).
Scharfschützenfeuer auf IDF-Truppen und Reaktion der IDF
  • Am 25. Juli 2018 wurde eine IDF-Truppe aufgefordert, eine Demonstration in der Nähe des Kibbuz Kissufim im südlichen Gazastreifen (in der Nähe der Stelle, an der ein IDF-Soldat in der vergangenen Woche von einem palästinensischen Scharfschützen getötet wurde) zu zerstreuen. Während der Operation schoss ein Scharfschütze auf eine IDF-Truppe, was zur mittelschwerer Verletzung eines IDF-Offiziers führte. Laut Sicherheitskräften war dies offenbar derselbe Scharfschütze, der für den Tod des Soldaten in der vergangenen Woche verantwortlich gewesen war. Als Reaktion darauf griffen Panzer der IDF sieben militärische Stellungen der Hamas an der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen an (IDF-Sprecher, 25. Juli 2018).
  • Nach Angaben der Hamas wurde eine Position, die einer Schulwache im östlichen Gazastreifen gehört, beschädigt (Webseite des militärischen Arms der Hamas). Nach Angaben des Ministeriums für Gesundheit in Gaza-Stadt wurden bei dem Angriff drei Palästinenser, Mitglieder des militärischen Arms der Hamas, getötet. Ein weiterer Aktivist erlitt schwere Verletzungen (Twitter-Account von Aschraf al-Kidra, 25. Juli 2018). Einer der Getöteten, Mohammad al-‘Are’ir, war Mitglied der “Tunnel-Einheit” des militärischen Arms der Hamas und wurde vor sechs Jahren im Laufe seiner Tätigkeit verletzt (Website des militärischer Arms der Hamas, 28. Juli 2018).

Die drei Mitglieder des militärischen Arms der Hamas, die beim Angriff der IDF getötet wurden v. l. n. r.: Muhammad al-'Are'ir, 'Abada Farawna und Ahmed al-Basus (Twitter-Account des Hamas militärischen Arm, 28. Juli 2018)
Die drei Mitglieder des militärischen Arms der Hamas, die beim Angriff der IDF getötet wurden
v. l. n. r.: Muhammad
al-‘Are’ir, ‘Abada Farawna und Ahmed al-Basus
(Twitter-Account des Hamas militärischen Arm, 28. Juli 2018)

  • Infolgedessen veröffentlichten die Kassam-Brigaden eine Mitteilung, wonach sie die Angriffe der IDF nicht stillschweigend hinnehmen werden und dass Israel dafür teuer bezahlen wird. Der militärische Arm der Hamas rief alle Organisationen dazu auf, sich zu vereinen und ihre Alarmbereitschaft auf die höchste Stufe zu setzen (Webseite der Kassam-Brigaden, 26. Juli 2018). Im Laufe der Nacht wurden neun Raketen bzw. Mörsergranaten auf Israel abgefeuert. Das “Iron Dome”-System hat eines der Geschosse abgefangen. Es gab keine Verluste und kein Schaden wurde angerichtet.

Ein Plakat des militärischen Arms der Hamas, auf dem verkündet wird, dass die Israelis einen hohen Preis für "ihre Verbrechen" zahlen werden (Website des militärischen Arms der Hamas, 26. Juli 2018)
Ein Plakat des militärischen Arms der Hamas, auf dem verkündet wird, dass die Israelis einen hohen Preis für “ihre Verbrechen” zahlen werden (Website des militärischen Arms der Hamas, 26. Juli 2018)

  • Fawzi Barhum, ein Sprecher im Namen der Hamas, sagte, dass die israelische Eskalation gegen den Gazastreifen und der absichtliche Kampf gegen die Aktivisten des “Widerstands” Israels Absichten zu töten offenbaren und zudem bestätigen, dass die israelische Führung von “Verbrechern” zusammengesetzt sei. Er betonte, dass der “Widerstand” seine Pflicht, das palästinensische Volk zu beschützen und auf jegliche Aggression zu reagieren, nicht aufgeben werde (Twitter-Account von Fawzi Barhum, 25. Juli 2018). Bei der Beerdigung der drei getöteten Aktivisten des militärischen Arms der Organisation wiederholte Fathi Hamad, Mitglied des Politbüros der Hamas, die von der Hamas formulierte Gleichung, wonach “Beschuss mit Beschuss und Blut mit Blut erwidert werden wird”. Er drohte, dass die Hamas den Abzug betätigen und ihn nicht loslassen werde (al-Aqsa TV, 26. Juli 2018).
Weitere Veranstaltungen
  • In den Abendstunden des 28. Juli 2018 wurde aus dem nördlichen Gazastreifen eine IDF-Einheit angeschossen. Es gab keine Verluste. Als Reaktion darauf griff die IDF mit unbemannten Flugzeugen Beobachtungsposten der Hamas im nördlichen Gazastreifen an. In der Nacht desselben Tages meldeten palästinensische Quellen den Angriff eines unbemannten Flugzeugs auf eine Gruppe von Palästinensern im nördlichen Gazastreifen in der Nähe des Sicherheitszauns.
  • In den Nachmittagsstunden des 27. Juli 2018 griff ein unbemanntes Flugzeug der IDF eine Gruppe, die im nördlichen Gazastreifen brennende Ballons steigen ließ, an (IDF-Sprecher, 27. Juli 2018). Bei dem Angriff wurden keine Verluste gemeldet.
  • Am 24. Juli 2018 griffen unbemannte Flugzeuge der IDF eine Zelle an, die aus dem nördlichen Gazastreifen brennende Ballons in Richtung Israel steigen ließen. Die Ballons verursachten einen Brand in der Nähe von Nahal Oz. Drei Palästinenser wurden verletzt.
Die “Prozession der großen Rückkehr” am Freitag, dem 27. Juli 2018
  • Die letzte Freitagsprozession am 27. Juli 2018 stand unter dem Motto “Unsere Kinder – Die Märtyrer”. An der Prozession, die am Nachmittag begann, nahmen etwa 7.000 Demonstranten teil, die sich an mehreren Stellen entlang des Grenzzauns konzentrierten. Unter den Demonstranten wurden auch solche gesichtet, die ein Plakat schwenkten, auf dem das Foto des Terroristen, der am Vortag den Angriff in der Siedlung Adam verübt hatte, zu sehen war. Die Demonstranten bauten zudem eine Präsentation eines symbolischen Friedhofs mit den Namen aller Kinder, die während der “Prozession der großen Rückkehr” im Verlauf der letzten Monate getötet wurden, auf.
Der symbolische Friedhof der Kinder-Märtyrer und im Hintergrund Fotos des US-Präsidenten und des israelischen Premierministers mit der englischen Beschriftung "Killer" (Facebook-Seite der Safa Nachrichtenagentur, 27. Juli 2018).     Ein Plakat des Täters von der Siedlung Adam wird im Verlauf der Ereignisse der "Prozession der großen Rückkehr" im Osten von Dschabalija geschwenkt (Facebook-Seite des "obersten nationalen Koordinationskomitees der Prozession der großen Rückkehr und der Durchbrechung der Belagerung", 28. Juli 2018)
Links: Der symbolische Friedhof der Kinder-Märtyrer und im Hintergrund Fotos des US-Präsidenten und des israelischen Premierministers mit der englischen Beschriftung “Killer” (Facebook-Seite der Safa Nachrichtenagentur, 27. Juli 2018). Rechts: Ein Plakat des Täters von der Siedlung Adam wird im Verlauf der Ereignisse der “Prozession der großen Rückkehr” im Osten von Dschabalija geschwenkt (Facebook-Seite des “obersten nationalen Koordinationskomitees der Prozession der großen Rückkehr und der Durchbrechung der Belagerung”, 28. Juli 2018)
  • Während der Prozession, die gewaltsam ausgerichtet war, warfen die Demonstranten Steine und verbrannten Autoreifen. Zudem wurden in Richtung der IDF-Truppen Rohrbomben, Molotow-Cocktails sowie eine Granate, die noch auf dem Gebiet des Gazastreifens niederfiel, geworfen (ynet Nachrichtenagentur, 27. Juli 2018). Während der Demonstration identifizierten IDF-Truppen eine Reihe von Verdächtigen, die sich dem Zaun näherten und ihn sabotierten. Danach kehrten sie wieder in den Gazastreifen zurück (IDF Sprecher, 27. Juli 2018).
  • Aschraf al-Kidra, der Sprecher des Ministeriums für Gesundheit in Gaza-Stadt, gab bekannt, dass bei den Ereignissen der “Prozession der großen Rückkehr” des letzten Freitags zwei Palästinenser getötet und 246 auf verschiedene Arten verletzt wurden. 139 der Verletzten wurden in Krankenhäuser evakuiert (Facebook-Seite des Sprechers des Gesundheitsministeriums in Gaza-Stadt, 27. Juli 2018). Am 28. Juli 2018 gab der Sprecher des Ministeriums für Gesundheit bekannt, dass einer der Verletzten seinen Wunden erlegen sei (Facebook-Seite des Sprechers des Gesundheitsministeriums in Gaza-Stadt, 28. Juli 2018). Unter den Verletzten befand sich die Tochter von Ayman Nufal, einem Kommandeur des militärischen Arms der Hamas, die während ihrer Teilnahme an einer Prozession im Osten von Gaza-Stadt schwer verletzt wurde (Twitter-Account von PLDF, 27. Juli 2018).
Raketen- und Mörsergranatenfeuer
  • Im Verlauf der Nacht vom 25. auf den 26. Juli 2018 wurden neun Raketen- bzw. Mörsergranaten aus dem Gazastreifen in Richtung Israel abgeschossen. Das “Iron Dome”-System hat eines der Geschosse abgefangen. Es gab keine Verluste und kein Schaden wurde angerichtet.
Der Beschuss mit Raketen- und Mörsergranaten im Verlauf der jüngsten Eskalationsrunden[3]

Der Beschuss mit Raketen- und Mörsergranaten im Verlauf der jüngsten Eskalationsrunden
* Die Zahlen für die Monate Mai, Juni und Juli 2018 stellen eine Mindestanzahl von Raketen und Mörsergranaten dar. Zu diesem Zeitpunkt können wir nicht zwischen Raketen- und Mörsergranatenfeuer unterscheiden.

Der Beschuss mit Raketen- und Mörsergranaten im vergangenen Jahr

Der Beschuss mit Raketen- und Mörsergranaten im vergangenen Jahr

Raketeneinschläge in Israel im Jahresdurchschnitt

Raketeneinschläge in Israel im Jahresdurchschnitt
* Die ungefähre Zahl der Raketen und Mörsergranaten, die während der drei Runden der Eskalation abgefeuert wurden.

“Der Terror der Brandstiftungen”
  • Nach einem vorübergehenden Rückgang des “Terrors der Brandstiftungen” wurde das Steigenlassen von brennenden Ballons erneuert. Infolgedessen wurden rund um den Gazastreifen mehrere Brände verursacht. Nach Angaben des Sprechers der israelischen Feuerwehr- und Rettungsdienste behandelten die Feuerwehrleute im Verlauf der vergangenen Woche zwischen 2 und 15 Brände pro Tag. Am Abend des 30. Juli wurde die Polizei in ein Wohnviertel in Be’er Scheva alarmiert, wo mehrere zusammengeschnürte Ballons mit einem verdächtigen Objekt gefunden wurden. Die Polizei stellte fest, dass es sich um mehrere Heliumballons mit einer bereits erloschenen Brandvorrichtung handelte (Sprecher der Negev-Bezirkspolizei, 30. Juli 2018). Laut Polizeiangaben stammten die Ballons aus dem Gazastreifen.
  • Gemäß den Daten der Feuerwehr- und Rettungsdienste vom 30. Juli 2018 wurden bisher etwa 1.200 Brände infolge von Branddrachen und brennenden Ballons verursacht. Bis heute wurde eine Fläche von mehr als 30.000 Dunam, darunter etwa 12.000 Dunam von Naturreservaten, zerstört. [4]
Zwei Mitglieder der Volksfront getötet
  • Der Sprecher des Ministeriums für Gesundheit in Gaza-Stadt gab bekannt, dass in der Nacht vom 28. auf den 29. Juli 2018 zwei junge Männer durch einen israelischen Angriff im Osten von Dschabalija getötet wurden (Facebook-Seite des Sprechers des Gesundheitsministeriums in Gaza-Stadt, 29. Juli 2018). Die palästinensischen Medien berichteten, dass sie bei einem Raketenangriff eines unbemannten israelischen Flugzeugs auf eine Gruppe von Palästinensern in der Nähe des Friedhofs östlich von Dschabalija während des Versuchs, brennende Ballons in Richtung Israel steigen zu lassen, getötet wurden (Dunia al-Watan, 29. Juli 2018; Qudsnet, 29. Juli 2018). Eine andere Version lieferten Berichte von Augenzeugen, wonach die beiden bei der Explosion einer selbstgebauten Rakete, die sie aus dem Osten von Dschabalija abzufeuern planten, getötet wurden (AFP, 29. Juli 2018). Die Demokratische Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) und ihr militärischer Arm veröffentlichten eine Traueranzeige, wonach die beiden im Zuge der Erfüllung ihrer “Pflicht zu kämpfen” getötet wurden (Website der PFLP, 29. Juli 2018).
 Die Beerdigung der Beiden in Dschabalija unter Beteiligung von Aktivisten der Demokratischen Volksfront zur Befreiung Palästinas (Webseite der PFLP, 29. Juli 2018).   Ayman al-Nadschar (rechts) und Muhannad Hamuda, die getöteten Aktivisten der Volksfront zur Befreiung Palästinas (Facebook-Seite der PFLP, 29. Juli 2018)
Links: Die Beerdigung der Beiden in Dschabalija unter Beteiligung von Aktivisten der Demokratischen Volksfront zur Befreiung Palästinas (Webseite der PFLP, 29. Juli 2018). Rechts: Ayman al-Nadschar (rechts) und Muhannad Hamuda, die getöteten Aktivisten der Volksfront zur Befreiung Palästinas (Facebook-Seite der PFLP, 29. Juli 2018)
Versuche, Vereinbarungen für einen Waffenstillstand zu erreichen
  • Nikolaj Mladenow, UN-Sonderbeauftragter für den Nahen Osten, bemüht sich weiterhin um die Stabilisierung des Waffenstillstands im Gazastreifen, um die Eskalierung der Lage zu verhindern. In diesem Zusammenhang nahm er an einer Reihe von Treffen mit hochrangigen Persönlichkeiten der Hamas, angeführt von Ismail Haniyya, Chef des Politbüros der Hamas, teil. Dabei diskutierten die Parteien die Bedingungen zur Schaffung einer Entspannung und Initiativen zur Verbesserung der dortigen humanitären Lage im Gazastreifen, die Mladenow in den letzten Wochen zu fördern versucht. Zur gleichen Zeit führte Ismail Haniyya ein Telefongespräch mit Abbas Kamel, Chef des allgemeinen ägyptischen Geheimdienstes, der sich in den Vereinigten Staaten aufhielt, und diskutierte mit ihm die neuesten Entwicklungen im Gazastreifen (Dunia al-Watan, 26. Juli 2018).
  • Nach palästinensischen Quellen bemüht sich Mladenow auf zwei Ebenen: den Waffenstillstand für eine lange Zeit zu stabilisieren und gleichzeitig die von den Ägyptern geführten Gespräche zur innerpalästinensischen Versöhnung zu unterstützen. In Bezug auf den Waffenstillstand bot Mladenow Zugeständnisse an, wie die Erweiterung des zulässigen Fischfanggebiets, die Eröffnung der Grenzübergänge und die Förderung von Projekten im Gazastreifen. Aus Gaza-Stadt stammen Berichte, wonach die Führung der Hamas mit Mladenows Vorschlägen nicht zufrieden waren, da sie ihrer Meinung nach unzureichend seien (Artikel von Gal Berger im israelischen TV-Kanal Kan11, 29. Juli 2018).
  • Im Rahmen der Förderung der Verhandlungen durch den UN-Sonderbeauftragten, reiste eine Delegation von führenden Mitgliedern der Hamas unter Leitung von Khalil al-Hayya, stellvertretender Vorsitzender des Politbüros der Hamas, und Rawhi Muschtaha, Mitglied des Politbüros der Hamas, zu einer weiteren Gesprächsrunde nach Ägypten (Dunia al-Watan; Filastin al-Yawm 30. Juli 2018). Die Mitglieder der Delegation werden mit den Ägyptern die Fortschritte der Wirtschaftsinitiativen im Gazastreifen, die Auszahlung der Gehälter der Beamten und die Bewegungsfreiheit auf hoher See besprechen. Gleichzeitig werden sie wohl auch die Förderung der innerpalästinensischen Versöhnung diskutieren.
Die humanitäre Lage
  • Die Elektrizitätsgesellschaft in Gaza-Stadt gab nach der Aufhebung einer Störung und Erneuerung in einigen Stromleitungen den neuen Zeitplan für die Stromversorgung bekannt. Laut der Ankündigung wird die Stromversorgung ab jetzt in einem Zyklus von vier Stunden Stromversorgung und 16 Stunden Pause angeboten (Alresala.net, 26. Juli 2018).
Umfangreiche Kürzungen beim UNRWA angesichts der schwierigen finanziellen Lage des Hilfswerks
  • Bei seiner Rede während der Eröffnungssitzung des UN-Sicherheitsrats sagte Nikolaj Mladenow, dass das UNRWA-Hilfswerk für die Flüchtlinge im Gazastreifen mindestens 217 Mio. US-Dollar für die Fortsetzung seiner Operationen im kommenden Jahr benötigt (Webseite der Vereinten Nationen, 24. Juli 2018). Das UNRWA kündigte tiefe Einschnitte quer durch seine Reihen an. Der Einschnitt ist Teil eines Rettungsprogramms, das zwecks des Versuchs entwickelt wurde, das finanzielle Defizit zu überwinden, das durch die Kürzung der US-Förderung in Höhe von 300 Mio. US-Dollar im vergangenen Jahr verursacht wurde. In diesem Zusammenhang wurde eine Reihe von Schritten verkündet (Website des UNRWA; Schehab Nachrichtenagentur, 25. Juli 2018):
    • Die Kürzung bei sozialen Programmen: In den Flüchtlingslagern werden nur noch 1.000 Personen berechtigt sein, Lebensmittelmarken zu empfangen.
    • Die Einstellung von Renten: Etwa 7.000 Palästinenser werden keine Rente mehr erhalten.
    • Die Kürzung der Aktivitäten der Kliniken im Gazastreifen.
    • Entlassungen von Mitarbeitern: In diesem Rahmen verkündete der Vertreter der Union der UNRWA-Beschäftigten im Gazastreifen die Absicht, die Arbeit von etwa 1.000 Mitarbeitern im Gazastreifen einzustellen. Von ihnen sollen 125 entlassen werden, während der Rest (anscheinend diejenigen, die im Rahmen des Projekts “Cash for Work” arbeiten) bis Ende des Jahres Teilzeit arbeiten würden.
    • Ausbildung: Laut Jamie McGoldrick, UN-Koordinator für humanitäre Angelegenheiten in den palästinensischen Gebieten, wird das neue Schuljahr in den Einrichtungen des UNRWA im Gazastreifen aufgrund finanzieller Schwierigkeiten offenbar nicht wie erwartet Ende August beginnen.
    • In Folge der Entscheidung des Hilfswerks fanden in Judäa, Samaria und im Gazastreifen Protest- und Solidaritätskundgebungen mit den entlassenen Mitarbeitern statt. Die Union der UNRWA-Beschäftigten kündigte den Beginn eines Kampfes und den Beginn eines unbefristeten Streiks von 13.000 Beschäftigten des Hilfswerks und deren Familien an. Zudem verkündete die Union die Schließung aller UNRWA-Hauptstellen im Gazastreifen(Filastin al-Yawm, 25. Juli 2018). Atef Abu Saif, Sprecher der Fatah-Bewegung, sagte, dass die Entscheidung des UNRWA, die Mitarbeiter zu entlassen, Teil eines größeren Plans zur “Beseitigung” des Flüchtlingsproblems sei, welches zu einem wirtschaftlichen Niedergang im Gazastreifen führen wird (Dunia al-Watan, 26. Juli 2018).

Die Beschäftigten des Hilfswerks UNRWA im Gazastreifen protestieren gegen die Organisation wegen der vorgesehenen Maßnahmen, einschließlich der Entlassung von Arbeitern aufgrund des Haushaltsdefizits (Youtube-Kanal von Paltoday, 29. Juli 2018)
Die Beschäftigten des Hilfswerks UNRWA im Gazastreifen protestieren gegen die Organisation wegen der vorgesehenen Maßnahmen, einschließlich der Entlassung von Arbeitern aufgrund des Haushaltsdefizits (Youtube-Kanal von Paltoday, 29. Juli 2018)

Türkische Zivilhilfe für den Gazastreifen
  • TIKA, die türkische Agentur für Entwicklung und Zusammenarbeit, errichtet derweil im Gazastreifen mit einem Aufwand von 62 Mio. US-Dollar das türkisch-palästinensische Freundschaftskrankenhaus. Das Krankenhaus wird Ende 2018 in Betrieb treten und voraussichtlich das größte Krankenhaus im Gazastreifen sein. Zur gleichen Zeit führt die Agentur ein Wohnprojekt im Gazastreifen durch, das 320 Wohnungen umfassen soll (Anadolu Nachrichtenagentur, 27. Juli 2018). 
Einberufung des Exekutivkomitees der PLO
  • Das Exekutivkomitee der PLO trat am 28. Juli 2018 unter dem Vorsitz von Mahmud Abbas zusammen. In der Schlusserklärung seiner Sitzung verurteilte das Exekutivkomitee die Entscheidung des US-Kongresses, die Unterstützung für die Palästinensische Autonomiebehörde zu stornieren, bis diese die Auszahlung der Gehälter und Renten an die Familien der Märtyrer, der Gefangenen und der Verletzten stoppt. Zudem wurde auch Israels Entscheidung verurteilt, die Gehälter und Renten der Familien der palästinensischen Märtyrer, der Gefangenen und der Verletzten mit den Steuerrückzahlungen an die PA zu verrechnen. Es wurde betont, dass die PA auch weiterhin alle erforderlichen Verbindlichkeiten gegenüber den Familien von Märtyrern, Gefangenen und Verletzten erfüllen wird (Wafa Nachrichtenagentur, 28. Juli 2018).

Mahmud Abbas leitet die Sitzung des Exekutivkomitee der PLO (Wafa Nachrichtenagentur, 28. Juli 2018)
Mahmud Abbas leitet die Sitzung des Exekutivkomitee der PLO
(Wafa Nachrichtenagentur, 28. Juli 2018)

Eine voraussichtliche Rede von Mahmud Abbas bei der kommenden UN-Generalversammlung
  • Laut Saeb Erekat, Generalsekretär des Exekutivkomitees der PLO, beabsichtigt Mahmud Abbas, eine “historische und schicksalhafte” Rede auf der Jahrestagung der UN-Generalversammlung im September 2018 zu halten. Seinen Worten zufolge wird sich die Rede mit der Definition der Kontakte zu Israel auf politischer, wirtschaftlicher und sicherheitsstrategischer Ebene sowie mit dem Vorschlag der USA (“Deal des Jahrhunderts”), der Situation der Palästinensischen Autonomiebehörde und mit derer Ablehnung der Strategie von Premierminister Benjamin Netanjahu befassen. Erekat fügte hinzu, dass Mahmud Abbas nach seiner Teilnahme an der Generalversammlung eine weitere Sitzung des Exekutivkomitees der PLO einberufen will, um “wichtige Entscheidungen” zu treffen (Palästinensisches TV, 29. Juli 2018).
Palästinensische Reaktionen auf das israelische Nationalgesetz – Update
  • Die Palästinensische Autonomiebehörde verurteilt weiterhin das von der Knesset verabschiedete “Nationalgesetz”. In seiner Rede während des Treffens des Exekutivkomitees der PLO sprach Mahmud Abbas unter anderem über die letzten von der Knesset verabschiedeten Gesetze unter besonderer Betonung des Nationalgesetzes. In diesem Zusammenhang sagte er, dass die Palästinenser dieses Gesetz nicht akzeptieren und zu seiner Annullierung sorgen würden (Wafa Nachrichtenagentur, 28. Juli 2018). Bei einem Treffen von Saeb Erekat, Generalsekretär des Exekutivkomitees der PLO, mit Diplomaten und ausländischen Journalisten in Khan al-Ahmar, sagte dieser, dass das in Kraft gesetzte Nationalgesetz das unerträglichste Gesetz seit der Gründung des Staates Israel sei, da es im Hinblick auf Israel keinerlei geographische Grenzen definiert und nur Juden das Recht auf Selbstbestimmung ermöglicht, wobei alle Nicht-Juden kein Recht darauf besitzen, selbst über ihr eigenes Schicksal zu entscheiden. Erekat fügte hinzu, dass das Nationalgesetz von “ethnischen Massenreinigungsaktionen” verfolgt werden wird, da es den Abriss von palästinensischen Dörfern und die Übernahme der zentralen Gebiete von Judäa und Samaria legitimiert, um das Land den Siedlern zu überreichen. Seinen Worten zufolge bereitet sich die Palästinensische Autonomiebehörde auf die Einreichung eines Antrags beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag (IStGH) vor (Wafa Nachrichtenagentur, 26. Juli 2018).
  • In einem Interview sagte Saeb Erekat, dass Mitteilungen an 97 Länder und internationale Institutionen gesendet wurden, in denen eine detaillierte Erklärung über das israelische Nationalgesetz und seine Konsequenzen und Gefahren für das palästinensische Volk dargestellt wurden. Saeb Erekat wies auch darauf hin, dass Mahmud Abbas Rijad Mansur, ständiger Vertreter der PA bei den Vereinten Nationen, gebeten habe, der UN-Rechtsabteilung eine Kopie des Nationalgesetzes vorzulegen, um überprüfen zu lassen, ob dieses Gesetz den Verpflichtungen Israels gemäß der UN-Konvention entspricht (palästinensisches Fernsehen, 29. Juli 2018).
Die Flottille, die sich auf dem Weg in den Gazastreifen befindet
– Update
  • Am 29. Juli 2018 erreichte das Boot al-Awda, das erste Boot der Flottille, die zur Durchbrechung der von Israel verhängten Seeblockade aus Europa in Richtung des Gazastreifens segelt, die Region. Als es sechzig Seemeilen von der Küste des Gazastreifens entfernt war, kontaktierte die israelische Marine die Besatzung des Bootes und warnte sie, sich den Küsten des Gazastreifens nicht zu nähern. Nachdem diese die Warnung missachteten, übernahm die Marine widerstandslos die Kontrolle über das Boot und schleppte es samt seiner Besatzung in den Hafen von Aschdod. Nach Angaben des Sprechers der IDF, wurde das Boot gemäß dem internationalen Recht angehalten. Die IDF machte der Besatzung des Bootes klar, dass sie die Blockade des Gazastreifens verletzen und dass jegliche Hilfsgüter über den Hafen von Aschdod in den Gazastreifen gelangen können (IDF Sprecher, 29. Juli 2018).

Das Boot al-Awda auf hoher See, kurz bevor es von der israelische Marine angehalten wurde (Facebook-Seite von "Ship to Gaza Sweden", 29. Juli 2018)
Das Boot al-Awda auf hoher See, kurz bevor es von der israelische Marine angehalten wurde (Facebook-Seite von “Ship to Gaza Sweden”, 29. Juli 2018)

  • Ismail Haniyya, Chef des Politbüros der Hamas, sandte einen Gruß an die “Solidaritätsaktivisten”, die sich an der 5. Gaza-Flottille beteiligen. Er verurteilte die israelische Aggression und den Akt der “Piraterie”, den die “Soldaten der Besatzung” gegen das Boot begangen haben (Webseite der Hamas, 30. Juli 2018). Daud Schehab, Sprecher der Organisation Islamischer Dschihad in Palästina (PIJ), gab eine Erklärung ab, in der er von “Piraterie und Staatsterrorismus” durch Israel sprach. Dabei betonte er, dass dies die Tatsache beweist, dass Israel kein Interesse am Ende der Belagerung des Gazastreifens habe. Seinen Worten zufolge verletzt Israel mit dieser Aktion das internationale Recht und führt gegen den Gazastreifen Kriegsverbrechen aus (Ma’an Nachrichtenagentur, 29. Juli 2018).
  • Zaher Birawi, Koordinator des internationalen Komitees zur Durchbrechung der Belagerung des Gazastreifens, verurteilte die “israelische Aggression” gegen das Boot und die Festnahme der Aktivisten. Er betonte, dass es sich um einen Akt der Piraterie handelt, der gegen das internationale Recht sei und eine Aggression gegenüber unbewaffnete Solidaritätsaktivisten bedeute, die für den “Besatzungsstaat” keine Bedrohung darstellen. Birawi forderte die Länder, die ihre Staatsangehörige an Bord der Boote haben, dazu auf, Druck auf Israel auszuüben, um die Solidaritätsaktivisten zu schützen und ihre Rückkehr in ihre Heimatländer zu gewährleisten. Er fügte hinzu, dass der Rechtsausschuss und der Verband der “Freiheitsflottille” alles notwendige unternehmen werden, um den Schutz der Aktivisten und deren sichere Rückkehr in ihre Heimatländer zu gewährleisten. Zudem forderte Birawi internationale Menschenrechtsorganisationen dazu auf, auf Israel Druck auszuüben, um die Überführung der Boote an die Fischer des Gazastreifens zu ermöglichen und die Lieferung von Medikamenten und Hilfsgütern für den Gesundheitssektor sicherzustellen (Facebook-Seite des internationalen Komitees zur Durchbrechung der Belagerung von Gaza, 29. Juli 2018).
  • In einem Interview sagte Adham Abu Salmiya, Sprecher der Behörde zur Durchbrechung der Belagerung des Gazastreifens, dass sich die Palästinensische Autonomiebehörde mit Hilfe des Rechtsausschusses, der die Ereignisse überwacht, oder des Rechtsausschuss der Koalition der Freiheitsflottille, der laufend jede Handlung auf den Booten aufzeichnet, Israels Aktionen im Gazastreifen stellen wird. Abu Salmiya fügte hinzu, dass 24 Stunden nach dem Boot al-Awda das Boot al-Hurriya, das mittlerweile noch im Mittelmeer segelt, den Gazastreifen planmäßig erreichen soll. Ihm zufolge befinden sich 36 Aktivisten aus mehr als 15 Ländern, darunter mehrere Journalisten, an Bord dieses Bootes (Website von Paltoday, 29. Juli 2018.
Ahed al-Tamimi wurde nach acht Monaten in einem israelischen Gefängnis entlassen
  • Am 29. Juli 2018 wurde Ahed al-Tamimi (zusammen mit ihrer Mutter Nariman) nach fast acht Monaten Haft wegen des tätlichen Angriffs eines IDF-Soldaten aus dem israelischen Gefängnis entlassen. Al-Tamimi, die als Nationalsymbol für den palästinensischen Aufstand gegen Israel dargestellt wird, wurde von der palästinensischen Bevölkerung und hochrangigen Persönlichkeiten der PA in einer Reihe von Zeremonien, die ihr zu Ehre abgehalten wurden, empfangen. Unmittelbar nach ihrer Befreiung besuchte al-Tamimi das Grab von Jassir Arafat in der Muqataa in Ramallah und wurde anschließend von Mahmud Abbas in seinem Amtsitz empfangen.
  • Beim Empfang lobte Abbas al-Tamimi und sagte, dass sie ein “Vorbild für den palästinensischen Kampf um Freiheit, Unabhängigkeit und einen eigenen Staat” sei. Seinen Worten zufolge verkörpern al-Tamimi und die Dorfbewohner von Nabi Saleh den gewaltlosen Widerstand, der “eine ideale und zentrale Waffe im Kampf gegen die Unterdrückung durch die israelische Besatzung” darstelle und dass dies der beste Beweis dazu sei, dass der “gewaltlose Volkswiderstand” die beste Waffe gegen die “Arroganz der Besatzung” sei (Wafa Nachrichtenagentur, 29. Juli 2018). Saeb Erekat, Generalsekretär des Exekutivkomitees der PLO, sagte, dass der Empfang von Ahed al-Tamimi durch Mahmud Abbas eine Botschaft an die ganze Welt darstellt (palästinensisches TV, 29. Juli 2018).
Mahmud Abbas empfängt Ahed al-Tamimi in seinem Amtsitz (Wafa Nachrichtenagentur, 29. Juli 2018)    Mahmud Abbas empfängt Ahed al-Tamimi in seinem Amtsitz (Wafa Nachrichtenagentur, 29. Juli 2018)
Mahmud Abbas empfängt Ahed al-Tamimi in seinem Amtsitz
(Wafa Nachrichtenagentur, 29. Juli 2018)

[1] Als bedeutende Angriffe bewerten wir Schuss-, Auto- und Messerangriffe, das Platzieren von Sprengsätzen oder kombinierte Angriffe. Das Werfen von Steinen und Molotow-Cocktails ist hier nicht mit inbegriffen.
[2] Am 14. Juli 2017 verübten drei israelische Araber einen Schussangriff auf den Tempelberg, bei dem zwei israelische Polizisten getötet wurden. Nach dem Angriff riegelte die israelische Polizei den Tempelbergkomplex ab und öffnete ihn erst, nachdem Metalldetektoren (Magnometer) in den Toren eingesetzt worden waren. Dies führte zu heftigen Spannungen und Protesten von Seiten der Palästinenser, die sich weigerten, das Gelände durch die Detektoren zu betreten. Am 24. Juli 2017 beschloss das israelische Sicherheitskabinett, die Detektoren zu entfernen.

[3] Die Statistik beinhaltet keine Raketenabstürze im Gazastreifen.

[4] 3.000 bzw. 1.200 Ha.