Nachrichten vom Terror und vom israelisch-palästinensischen Konflikt (17.-23. August 2016)

  • Im Mittelpunkt der Ereignisse der vergangenen Woche stand der Einschlag einer Rakete in der Stadt Sderot. Eine dschihadistisch-salafistische Gruppierung und die Volksfront für die Befreiung Palästinas bekannten sich (separat) zum Raketenbeschuss. Daraufhin griff die israelische Luftwaffe Infrastrukturanlagen und andere Ziele der Hamas und des Islamischen Dschihad Palästina an. Die Luftangriffe waren verglichen mit früheren Vergeltungsschlägen auf den Beschuss israelischen Gebiets durch Raketen seit der Operation „Fels in der Brandung“ ungewöhnlich scharf sowohl im Umfang als auch was deren Härte anbetraf.
  • Israel und die Hamas stellten klar, man wolle keine Eskalation: Ein hoher israelischer Offizier erklärte, der Angriff sei ungewöhnlich im Ausmaß, „es bestehe aber keine Absicht, eine Eskalation herbeizuführen“ (Haaretz, 23. August 2016). Hamas-Sprecher verurteilten Israel für den Versuch, „neue Gleichgewichte zu schaffen“, die Hamas sei aber dem Waffenstillstand verpflichtet. Andererseits werde die Hamas „“deutlich reagieren“, wenn die Angriffe andauerten.
Raketenbeschuss israelischen Territoriums
  • In den Mittagsstunden des 21. August 2016 wurde ein Raketeneinschlag in der südisraelischen Stadt Sderot registriert. Die Rakete ging zwischen zwei Wohnhäusern nieder. Damit war zum dritten Mal seit der Operation „Fels in der Brandung“ eine Rakete in der Stadt Sderot eingeschlagen. Niemand wurde verletzt und es entstand kein Sachschaden. Eine dschihadistisch-salafistische Gruppierung, die Aknaf Beit Al-Makdis genannt wird, übernahm die Verantwortung für den Beschuss. Gleichzeitig bekannte sich auch die Volksfront für die Befreiung Palästinas zur Tat. Das geht unter anderem aus einer Mitteilung hervor, die dem Hungerstreik von Bilal Khayed, einem in Israel inhaftierten Mitglied der Volksfront, gewidmet ist[1] (Twitter-Account Ghaza Al’an, 21. August 2016).
  • Als Reaktion auf den Raketenbeschuss griff die israelische Luftwaffe in mehreren Wellen Infrastrukturanlagen und andere Ziele der Hamas im Gazastreifen an. Zudem wurden auch Ziele des islamischen Dschihad Palästina angegriffen. Überdies bombardierte die israelische Armee Ziele der Hamas in Bet Hanoun (im nördlichen Gazastreifen). Die Angriffe waren verglichen mit früheren Vergeltungsschlägen auf den Beschuss israelischen Gebiets durch Raketen seit der Operation „Fels in der Brandung“ ungewöhnlich scharf, sowohl im Umfang als auch was deren Härte anbetraf. Insgesamt wurden etwa 50 Angriffe geflogen. Laut palästinensischen Berichten wurden unter anderem Stellungen, Tunnels und Beobachtungspunkte bombardiert. Dabei soll es, diversen Berichten zufolge, mehrere Verletzte gegeben haben, einige Personen stünden zudem unter Schock (Twitter-Konti von lokalen Einwohnern, 22. August 2016).

Bilder in den palästinenischen Medien über die Angriffe der israelischen Luftwaffe. Links oben: Nächtliche Bombardierungen (Facebook-Seite Qudsnet, 21. August 2016); oben rechts: Einschusslöcher an einem Wasserturm in Khan Yunis, der offenbar als Beobachtungsstellung genutzt wurde; unten: Bombenkrater in Bet Hanoun (Facebook-Seite Shihab, 22. August 2016)
Bilder in den palästinenischen Medien über die Angriffe der israelischen Luftwaffe. Links oben: Nächtliche Bombardierungen (Facebook-Seite Qudsnet, 21. August 2016); oben rechts: Einschusslöcher an einem Wasserturm in Khan Yunis, der offenbar als Beobachtungsstellung genutzt wurde; unten: Bombenkrater in Bet Hanoun (Facebook-Seite Shihab, 22. August 2016)

  • Hochrangige Hamas-Vertreter verurteilten die israelischen Vergeltungsschläge, stellten jedoch klar, dass die Hamas nicht beabsichtige, eine Eskalation herbeizuführen: Hamas-Sprecher Sami Abu Zuhri,sagte, die Verantwortung für die mögliche Eskalation der Lage im Gazastreifen liege bei Israel. Israel führe seine Aggressionen gegen den Gazastreifen und das palästinensische Volk fort und „versuche, neue Gleichgewichte im Gazastreifen zu schaffen“ (Website der Hamas, 22. August 2016). Das Hamas-Führungsmitglied Mahmoud Al-Azhar erklärte, die Hamas sei dem Waffenstillstand verpflichtet, solange Israel den Gazastreifen nicht angreife, doch wenn die Angriffe andauerten, werde die Hamas deutlich reagieren (Qudsnet, 22. August 2016). Das Hamas-Führungsmitglied Saleh Al-Bardawil machte Israel für die Möglichkeit einer Eskalation verantwortlich (Quds Press, 22. August 2016). Hamas-Aktivisten verurteilten auf ihren persönlichen Seiten in den sozialen Netzwerken die Verantwortlichen für den Beschuss Israels mit Raketen und riefen dazu auf, sie festzunehmen und vor Hamas-Militärgerichte zu stellen (Safa, 21. August 2016).

Raketenbeschuss israelischen Territoriums

Gewalttätige Aktivitäten an der Grenzsperranlage
  • Am 20. August 2016 näherten sich palästinensische Jugendliche im Gazastreifen der Grenzsperranlage östlich der Stadt Gaza und des Flüchtlingslagers Al-Burej und bewarfen eine israelische Militärpatrouille, die sich in der Nähe der Grenzsperranlage aufhielt, mit Steinen. Die israelische Militäreinheit reagierte mit Mitteln, die zur Auflösung von Menschenansammlungen eingesetzt werden. Laut palästinensischen Berichten wurden bei den Zwischenfällen fünf Menschen verletzt (PNN, 20. August 2016).
Terroranschläge in Judäa, Samaria und Israel seit Beginn der Volksterroroffensive – nach Monaten

Terroranschläge in Judäa, Samaria und Israel seit Beginn der Volksterroroffensive – nach Monaten

Demonstrationen, Zusammenstöße und Unruhen
  • In der vergangenen Woche dauerte die Unruhen in Jerusalem sowie in Judäa und Samaria an. Zudem ereigneten sich Angriffe mit Steinen, Molotov-Cocktails und Rohrbomben, und es kam auch zu Schusszwischenfällen mit leichten Schusswaffen. Nachfolgend eine Auswahl herausragender Zwischenfälle:
  • 22. August 2016 – In der Nacht vom 22. auf den 23. August 2016 begaben sich einige Dutzend Pilger illegal auf das Gelände des Joseph-Grabes bei Nablus. Dabei kam es zu Zusammenstößen mit Palästinensern, die die Pilger mit Steinen bewarfen. Herbeigerufene Polizeikräfte brachten die Pilger in Sicherheit (Presseabteilung der Polizei, Distrikt Judäa und Samaria, 23. August 2016). Ein 17-jähriger Junge wurde leicht verletzt, als Steine einen Bus in der Nähe des Joseph-Grabes trafen (Presseabteilung des Magen David Adom, 22. August 2016).
  • 21. August 2016 – Eine Einheit der israelischen Armee, die im Flüchtlingslager Al-Far’a bei Nablus operierte, wurde mit sechs Rohrbomben beworfen. Die Einheit eröffnete das Feuer, worauf ein Palästinenser am Oberkörper verletzt wurde (Facebook-Seite Red Alert, 21. August 2016).
  • 21. August 2016 – Fahrzeuge mit israelischen Insassen wurden rund fünf Kilometer nördlich von Mehola in der Jordansenke mit Steinen beworfen. Ein Fahrer versuchte den Steinen auszuweichen und überfuhr mit seinem Fahrzeug einen der flüchtenden Steinewerfer (Facebook-Seite Red Alert, 21. August 2016).
  • 20. August 2016 – Palästinenser attackierten einen Streifenwagen an einer Straßenkreuzung bei Hebron. Dabei wurde niemand verletzt und es entstand kein Sachschaden. Ein Polizist eröffnete das Feuer, worauf die Angreifer flüchteten (Facebook-Seite Red Alert, 20. August 2016).
  • 20. August 2016 – Ein Fahrzeug, das auf der Husan-Umfahrungsstraße (die Straße nach Beitar westlich von Betlehem) unterwegs war, wurde mit Steinen beworfen. Einer der Insassen erlitt leichte Verletzungen. Zudem wurde das Fahrzeug beschädigt (Hatzalah Judäa und Samaria, 20. August 2016).
  • 16. August 2016 – Im Flüchtlingslager Al-Fawwar (Südhebron) ereigneten sich Zusammenstöße zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften, die vor Ort operierten. Bei den Zusammenstößen kam ein 17-jähriger Jugendlicher ums Leben und etwa 20 Palästinenser wurden verletzt. Der Premierminister der Einheitsregierung, Rami Hamdallah, stattete der Familie des Getöteten einen Kondolenzbesuch ab (PNN, Facebook-Seite Shihab, 17. August 2016; Wafa, 19. August 2016). Hamas-Sprecher Sami Abu Zuhri verurteilte die israelischen Operationen im Flüchtlingslager und betonte, diese „Verbrechen“ würden den Geist des palästinensischen Volkes nicht brechen (Hamas-Website, 16.August 2016).
Anklage gegen einen Einwohner von Jerusalem, der Gelder für die Hamas transferierte
  • Gegen Saif Al-Din Abd Al-Nab (39) aus Jerusalem wurde Anklage erhoben. Laut Klageschrift unterhielt er jahrelang Kontakte zum Hamas-Aktivisten Zakaria Najib, der in der Vergangenheit eine Haftstrafe absaß und freigelassen wurde. Die beiden trafen sich in der Türkei anlässlich einer Geschäftsreise von Saif Al-Din Abd Al-Nab. Dabei bat Najib sein Gegenüber, Gelder nach Israel mitzunehmen und sie im Namen der Hamas an Familien von Gefallenen und Sicherheitshäftlingen zu verteilen. Nach diesem Treffen und bis zur Verhaftung von Saif Al-Din Abd Al-Nab kam es bei seinen Geschäftsreisen in der Türkei zu weiteren Treffen der beiden Männer. Bei diesen Gelegenheiten wurden Saif Al-Din Abd Al-Nab Geldbeträge von insgesamt 25.000 US-Dollar ausgehändigt, die er auf seinem Körper versteckt nach Israel mitnahm und seinen Bestimmungen übergab.
Die Situation an den Grenzübergängen
  • Der Koordinator der israelischen Regierungsaktivitäten in den Gebieten postete auf seiner Facebook-Seite Daten zum Betrieb des Grenzübergangs Kerem Shalom vom 14.-20. August 2016. Demnach wurden in diesem Zeitraum 97 Tonnen medizinische  Ausrüstung, rund 10 Tonnen Nahrungsmittel, 130 Tonnen landwirtschaftliche Erzeugnisse, ca. 97 Tonnen Baumaterial, ca. 7,2 Millionen Liter Brennstoffe und rund 1.400 Tonnen Gas in den Gazastreifen eingeführt (Arabischsprachige Facebook-Seite des Koordinators für Regierungsaktivitäten in den Gebieten, 22. August 2016). Auch nach dem Einschlag einer Rakete in der Stadt Sderot dauerte die Warenausfuhr am Grenzübergang Kerem Shalom an.
Kundgebung zum 47. Jahrestages des Brandanschlags auf die Al-Aqsa-Moschee im Gazastreifen
  • Der militärische Arm der Hamas veranstaltete eine Kundgebung in Rafah zum 47. Jahrestages des Brandanschlages auf die Al-Aqsa-Moschee[3], in deren Verlauf eine Militärparade stattfand, an der verschiedenen Waffen zur Schau gestellt wurden. Der Sprecher des militärischen Arms der Hamas, Abu Obeida, sagte, die Operation „Fels in der Brandung“ habe das Gleichgewicht des Schreckens mit Israel verändert und der militärische Arm werde die Vorbereitungen auf die nächste bewaffnete Auseinandersetzung ohne Einhalt fortsetzen. Gleichzeitig warnte er Israel vor „dummen Schritten“ im Gazastreifen (Website des militärischen Arms der Hamas, 21. August 2016). In Gaza-Stadt führten die Hamas und der Islamische Dschihad Palästina eine gemeinsame Kundgebung unter Teilnahme von führenden Mitgliedern beider Organisationen durch (Paltoday, 21.August 2016).

Links: Aktivisten des militärischen Arms der Hamas stellen bei einer Kundgebung in Rafah Panzerfäuste zur Schau (Facebook-Seite Qudsnet, 21. August 2016); rechts: Kundgebung der Hamas und des Islamischen Dschihad Palästina in Gaza-Stadt (Paltoday, 21. August 2016)
Links: Aktivisten des militärischen Arms der Hamas stellen bei einer Kundgebung in Rafah Panzerfäuste zur Schau (Facebook-Seite Qudsnet, 21. August 2016); rechts: Kundgebung der Hamas und des Islamischen Dschihad Palästina in Gaza-Stadt (Paltoday, 21. August 2016)

Plakate zum 47. Jahrestag des Brandanschlags auf die Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem. Links: “47 Jahre Brandanschlag. Brandanschlag auf die Al-Aqsa (Facebook-Seite PALDF, 21. August 2016); rechts: “Die Al-Aqsa-Moschee brennt. 47 Jahre Brandanschlag auf die Al-Aqsa-Moschee (Facebook-Seite QUDSN, 21. August 2016)
Plakate zum 47. Jahrestag des Brandanschlags auf die Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem. Links: “47 Jahre Brandanschlag. Brandanschlag auf die Al-Aqsa (Facebook-Seite PALDF, 21. August 2016); rechts: “Die Al-Aqsa-Moschee brennt. 47 Jahre Brandanschlag auf die Al-Aqsa-Moschee (Facebook-Seite QUDSN, 21. August 2016)

  • Führende palästinensische Vertreter nutzten die Gelegenheit zur Verunglimpfung Israels sowie zur Verbreitung der Lügenbotschaft, wonach die Al-Aqsa-Moschee in Gefahr sei, um die Spannungen zu diesem Themenkreis neu anzufachen:
  • In einer offiziellen Erklärung des Außenministeriums der Einheitsregierung werden die „Verbrechen“ Israels gegen die Al-Aqsa-Moschee und Jerusalem sowie das Ausbleiben einer gebührenden Reaktion verurteilt. Israel führe seine gewaltsame Judaisierungspolitik in Jerusalem unvermindert fort (Al-Kofia Press, 21. August 2016).
  • Der Sprecher der Einheitsregierung, Yusuf Al-Mahmoud, warnte vor den Gefahren für die Al-Aqsa-Moschee und rief die internationale Gemeinschaft sowie die arabischen und islamischen Staaten auf, unverzüglich zur Rettung der Moschee zu intervenieren (Wafa, 21. August 2016).
  • Das Hamas-Führungsmitglied Khalil Al-Hayasagte, man dürfe auf keinen Teil der Al-Aqsa-Moschee verzichten. Man verfüge über ein Heer von Menschen, die sich nur danach sehnten, die Al-Aqsa-Moschee, Jerusalem und ganz Palästina zu befreien und man werde den „Weg des Widerstands“ nicht aufgeben (Al-Watania Al-Alam, 21. August 2016).
Entdeckung eines Tunnels zwischen Ägypten und dem Gazastreifen
  • Das ägyptische Militär meldete, bei der Flutung von Schmuggeltunnels sei ein mit Stahlplatten und Eisenbeton ausgekleideter Tunnel in Rafah nördlich vom Grenzübergang Rafah entdeckt worden. In dem Tunnel seien Mobiltelefone und Drogen sichergestellt worden (Al-Karama Press, 18. August 2016).
Palästinenser aus dem Gazastreifen bei Kämpfen in Syrien gestorben
  • Kürzlich wurde der Tod von zwei Einwohnern von Bet Hanoun bei Kämpfen in Syrien in den Reihen des IS gemeldet:
  • Rami Moussa Hamed alias Abu Ahmad Al-Ghazawi kam im dritten Lebensjahrzehnt bei einemSelbstmordanschlag auf kurdische SDF-Einheiten in der Stadt Manbidsch in Nordsyrien ums Leben. Seine Frau, die in Syrien lebt, benachrichtigte die Familie in Bet Hanoun. Rami Moussa Hamed begab sich vor fünf Jahren nach Syrien (Amed, 19. August 2016). Das Salafistenkreisen im Gazastreifen nahestehende Ibn Taymiyyah-Medienzentrum veröffentlichte eine offizielle Trauerbotschaft. Auf der Facebook-Seite von Bet Hanoun erschienen gemischte Reaktionen zu seinem Tod. Einige User schrieben, er möge in Frieden ruhen, andere wünschten ihm die Hölle. So wurde er etwa dafür kritisiert, den Kampf in Syrien dem Dschihad für Jerusalem vorgezogen zu haben (Facebook-Seite der Stadt Hanoun, 19. August 2016).

Links: Offizielle Traueranzeige des Ibn Taymiyyah-Medienzentrums (Facebook-Seite des Ibn Taymiyyah-Medienzentrums, 21. August 2016); rechts: Rami Moussa Hamed alias Abu Ahmad Al-Ghazawi, der einen Auto-Selbstmordanschlag auf SDF-Truppen bei Manbidsch verübte  (Twitter-Konto Tameh Al-Ghazawi, 20. August 2016.
Links: Offizielle Traueranzeige des Ibn Taymiyyah-Medienzentrums (Facebook-Seite des Ibn Taymiyyah-Medienzentrums, 21. August 2016); rechts: Rami Moussa Hamed alias Abu Ahmad Al-Ghazawi, der einen Auto-Selbstmordanschlag auf SDF-Truppen bei Manbidsch verübte  (Twitter-Konto Tameh Al-Ghazawi, 20. August 2016.

  • ·     Am 23.August 2016 wurde der Tod von Rami Daoud al-Kafarneh aliasAbu Malik Al-Ghazawi bei Kämpfen gegen kurdische Einheiten in Aleppo gemeldet. 2011 sei Al-Kafarneh einem Liquidierungsversuch durch Israel entgangen. Zudem sei er in der Vergangenheit in Ägypten und im Gazastreifen inhaftiert gewesen (Twitter-Konto @fadtnt99, 23. August 2016).

Links: Die Todesanzeige des Al-Nusra Al-Maqdisiya-Institution zum Tod von Al-Kafarneh  (Twitter-Konto @fadtnt99, 23. August 2016)
Links: Die Todesanzeige des Al-Nusra Al-Maqdisiya-Institution zum Tod von Al-Kafarneh  (Twitter-Konto @fadtnt99, 23. August 2016)

Aktivitäten der palästinensischen Sicherheitsorgane in Nablus
  • Am 18. August 2016 durchsuchten die Sicherheitsorgane der Palästinensischen Autonomiebehörde die Altstadt von Nablus nach bewaffneten Elementen. Im Verlaufe der Operation wurden die Sicherheitsorgane beschossen. Dabei wurden zwei Mitglieder der Sicherheitsorgane getötet und zwei weitere verletzt (laut Mahmoud Abbas kamen ein Mitglied der Sonderpolizei und ein Mitglied der Allgemeinen Sicherheitsorgane ums Leben). Nach diesem Zwischenfall marschierten die Sicherheitskräfte der Palästinensischen Autonomiebehörde verstärkt in Nablus ein, töteten zwei bewaffnete Palästinenser, verletzten weitere und stellten umfangreiches Waffenmaterial sicher (Al-Quds, 20. August 2016). In der Nacht des 21. August 2016 verhafteten die palästinensischen Sicherheitsorgane die beiden Hauptverdächtigen für den Schusszwischenfall in Nablus (Wafa, 21. August 2016).
  • Laut dem Sprecher der palästinensischen Sicherheitsorgane, Adnan Al-Damiri, handle es sich bei der Operation der Sicherheitsorgane der Palästinensischen Autonomiebehörde in der Altstadt von Nablus um eine fortdauernde Maßnahme zur Eindämmung des illegalen Waffenbesitzes. Die Operation erfolge auf Anordnung von Mahmoud Abbas und von Premierminister Rami Hamdallah. Im Verlaufe der Operation seien die Sicherheitskräfte beschossen worden und hätten das Feuer erwidert, worauf zwei Palästinenser ums Leben gekommen seien. Al-Damiri fügte hinzu, die Sicherheitsorgane hätten umfangreiches Waffenmaterial und Munition sichergestellt, die sich im Besitz von illegalen Gruppierungen in Nablus befunden hätten (Wafa, 19. August 2016).
  • Der Premierminister der Regierung der Nationalen Einheit, Rami Hamdallah, sagte in einem Interview, die Sicherheitskräfte der Palästinensischen Autonomiebehörde in Judäa und Samaria umfassten 31.994 Mann. Zudem seien 88.755 Zivilpersonen mit Sicherheitsaufgaben betraut. Da Budgetkürzungen beschlossen worden seien, herrsche ein Mangel an Sicherheitskräften in Judäa und Samaria. Hinzufügend meinte Hamdallah, die „israelische Besatzung“ sei die Hauptgefahr für die sicherheitspolitische Stabilität der Palästinensischen Autonomiegebiete (Al-Ayam, 16. August 2016).
Reaktionen auf den Plan des israelischenVerteidigungsministers
  • Israelische Medien berichteten, der israelische Verteidigungsminister Avigdor Libermann habe am 17. August 2016 einen umfassenden Plan für die Sicherheitspolitik gegenüber den Palästinensern in Judäa und Samaria vorgelegt. Demnach sollen 15 Dörfern und Regionen, aus denen keine Terroristen hervorgegangen seien und in denen die öffentliche Ordnung stabil gewesen sei, Erleichterungen erhalten und bevorzugt behandelt werden. Diese Regionen sollen Mittel zum Bau von Krankenhäusern und Fußballplätzen erhalten. Zudem sollen deren Bauzonen erweitert und Industriezonen eingerichtet werden. Andererseits sollen es in Gebieten, aus denen Terroristen hervorgegangen seien, mehr Kontrollen und Verhaftungen geben und Arbeitsbewilligungen annulliert werden.
  • Fatah-Sprecher Osama Al-Kawasmehbezeichnete den Libermann-Plan als „lächerlich“. Das palästinensische Volk werde stets die Würde wählen und nicht die Gefälligkeiten, die Libermann anbiete (Al-Mayadeen, 18. August 2016). Fatah-Exekutivkomitee-Mitglied Ahmad Majdalani rief dazu auf, sich dem Plan zu widersetzen und betonte, wer auf den Libermann-Plan eingehe, werde als Kollaborateur und Gesetzesbrecher behandelt (Paltoday, 20. August 2016).
  • Laut einer Internet-Meinungsumfrage auf der Website der palästinensischen Nachrichtenagentur Ma’an aus Betlehem sind 72% der Surfer, die an der Umfrage teilnahmen, der Meinung, bei dem Plan des israelischen Verteidigungsministers handle es sich um leere Drohungen. Demgegenüber betrachten 21% der Umfrageteilnehmer den Plan als konkrete Bedrohung (Ma’an, 22. August 2016).
Demonstrationen in Ramallah für den hungerstreikenden Volksfront-Aktivisten
  • In Judäa und Samari sowie imGazastreifen fanden weitere Solidaritätskundgebungen mit dem Adminstrativhäftling und Aktivisten der Volksfront-Aktivisten Bilal Khayed statt, der sich seit fast siebzig Tagen im Hungerstreik befindet. Im Rahmen einer Kundgebung vor der UN-Vertretung in Ramallah blockierten rund dreißig Aktivisten den Haupteingang zum Gelände aus Protest gegen die Vereinten Nationen, die die Angelegenheit der hungerstreikenden palästinensischen Häftlinge in israelischen Gefängnissen nach ihren Worten vernachlässige. Die Kundgebungsteilnehmer hielten Plakate, auf denen das Schweigen der internationalen Gemeinschaft verurteilt wurde (Ma’an, 22. August 2016). Einige Aktivisten versuchten, auf das Gelände der Muqata’a (der Regierungssitz der Palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah) vorzudringen, wurden jedoch von den Sicherheitskräften der Autonomiebehörde daran gehindert. Die Volksfront für die Befreiung Palästinas verurteilte die Sicherheitsorgane der Palästinensischen Autonomiebehörde für die Unterbindung der Proteste.

Links: Sicherheitskräfte der Palästinensischen Autonomiebehörde hindern Aktivisten daran, auf das Gelände der Muqata’a in Ramallah vorzudringen; rechts: Palästinensische Demonstranten blockieren den Zugang zum Gebäude der UN-Vertretung in Ramallah (QUDSN, 22. August 2016)
Links: Sicherheitskräfte der Palästinensischen Autonomiebehörde hindern Aktivisten daran, auf das Gelände der Muqata’a in Ramallah vorzudringen; rechts: Palästinensische Demonstranten blockieren den Zugang zum Gebäude der UN-Vertretung in Ramallah (QUDSN, 22. August 2016) 


[1]   Der PFLP-Aktivist Bilad Khayed, der in Israel in Administrativhaft sitzt, verweigert seit fast siebzig Tagen die Nahrungsaufnahme und wird derzeit im Barzilai-Krankenhaus in Ashkelon behandelt.
[2]   Mörsergranatenbeschuss und Raketen, die noch auf dem Gebiet des Gazastreifens niedergingen, nicht inbegriffen.
[3]   Am 21. August 1969 verübte Michael Denis Rohan, ein junger christlicher Aktivist aus Australien einen Brandanschlag auf die Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem und fügte ihr Schaden zu. Am Tag nach dem Brandanschlag wurde er verhaftet und verhört, wonach er seine Tat zugab. Ein Gericht befand den Täter als unzurechnungsfähig und verfügte dessen Einweisung in eine psychiatrische Anstalt. Später wurde er des Landes verwiesen und in seiner Heimat bis zu seinem Tod psychiatrisch verwahrt.