Der Weltdschihad im Blickpunkt (31. März – 6. April 2016)

Der Weltdschihad im Blickpunkt

Der Weltdschihad im Blickpunkt

Reporter des syrischen Fernsehens berichtet von der Hauptstraße von Al-Qaryatayn (Syrisches Staatsfernsehen, 4. April 2016)

Reporter des syrischen Fernsehens berichtet von der Hauptstraße von Al-Qaryatayn (Syrisches Staatsfernsehen, 4. April 2016)

Straße in Al-Qaryatayn

Straße in Al-Qaryatayn

Sprengsätze, die vom IS in der Stadt gelegt wurden (Syrisches Staatsfernsehen, 4. April 2016)

Sprengsätze, die vom IS in der Stadt gelegt wurden (Syrisches Staatsfernsehen, 4. April 2016)

Ein weiterer Reporter des syrischen Fernsehens berichtet aus einem Viertel von Al-Qaryatayn, das von der Zerstörung weniger betroffen zu sein scheint

Ein weiterer Reporter des syrischen Fernsehens berichtet aus einem Viertel von Al-Qaryatayn, das von der Zerstörung weniger betroffen zu sein scheint

In Al-Qaryatayn gefundener Geldschein mit dem Konterfei des IS-Anführers Abu Bakr Al-Baghdadi, gedruckt und ausgegeben vom „Islamischen Staat“ (Sana, 3. April 2016)

In Al-Qaryatayn gefundener Geldschein mit dem Konterfei des IS-Anführers Abu Bakr Al-Baghdadi, gedruckt und ausgegeben vom „Islamischen Staat“ (Sana, 3. April 2016)

Besuch des Gouverneurs in Palmyra (Sana, 31.März 2016)

Besuch des Gouverneurs in Palmyra (Sana, 31.März 2016)

Der Gouverneur von Homs, Talal Al-Barazi, betrachtet Käfige, in denen der IS in Palmyra Menschen gefangen hielt

Der Gouverneur von Homs, Talal Al-Barazi, betrachtet Käfige, in denen der IS in Palmyra Menschen gefangen hielt

Irakische Soldaten in der Region Hit zeigen eine erbeutete IS-Flagge (Al-Ghad Channel, 3. April 2016)

Irakische Soldaten in der Region Hit zeigen eine erbeutete IS-Flagge (Al-Ghad Channel, 3. April 2016)

Waffen der ausgehobenen IS-Waffenwerkstatt (Al-Sumeria, 3. April 2016)

Waffen der ausgehobenen IS-Waffenwerkstatt (Al-Sumeria, 3. April 2016)

Der französischsprachiger IS-Aktivist in der Mitte droht dem Westen und Russland mit Angriffen  (Isdarat al-Dawla al-Islamiyya, 27. März 2016)

Der französischsprachiger IS-Aktivist in der Mitte droht dem Westen und Russland mit Angriffen (Isdarat al-Dawla al-Islamiyya, 27. März 2016)

Plakat mit einer Abbildung des Kanzleramts, das in Flammen aufgeht: „Deutschland ist ein Schlachtfeld“ (Twitter-Konto cvhnfh@, 30. März 2016)

Plakat mit einer Abbildung des Kanzleramts, das in Flammen aufgeht: „Deutschland ist ein Schlachtfeld“ (Twitter-Konto cvhnfh@, 30. März 2016)

Plakat, das die Muslime in Deutschland auffordert, einen Anschlag auf den Flughafen Köln/Bonn zu verüben: „Was deine Brüder in Belgien schafften, schaffst du auch!“

Plakat, das die Muslime in Deutschland auffordert, einen Anschlag auf den Flughafen Köln/Bonn zu verüben: „Was deine Brüder in Belgien schafften, schaffst du auch!“


Die Ereignisse der Woche Im Überblick

  • Die Reihe von Niederlagen des “Islamischen Staates” in Syrien und im Irak hält an:Diese Woche fiel die Stadt Al-Qaryatayn südöstlich von Homs an die syrische Armee. Deren Rückeroberung (nach der Rückeroberung Palmyras) ermöglichte der syrischen Armee, die Verbindungsstraße Damaskus-Homs wiederzueröffnen, und das Regime in Damaskus beherrscht nun ein zusammenhängendes Gebiet im Raum östlich von Homs. Die Regimetruppen und ihre Verbündeten bereiten sich nun auf die endgültige Säuberung des Raumes Aleppo und die Rückeroberung der Stadt vor. Derweil brachte die irakische Armee im Irak die Stadt Hit am Euphrat wieder unter ihre Kontrolle und hat damit einen weiteren Schritt zur Säuberung der sunnitischen Provinz Al-Anbar getan.
  • Dem IS gelingt es nicht, die Reihe von Niederlagen zu stoppen und geht stattdessen mit Terror- und Guerillaoperationen gegen seine verschiedenen Feinde vor. Unter anderem ereigneten sich diese Woche Selbstmordanschläge gegen schiitische Ziele im Raum Bagdad. Gleichzeitig lancierte der IS über seine Medienkanäle und über ihm nahestehende Aktivisten eine Drohkampagne gegen westliche Länder (besonders gegen Deutschland) und auch gegen Russland und selbst gegen Israel. Unter Ausnutzung des Abschreckungseffekts der Anschläge von Brüssel versucht der IS damit, seine Feinde von weiteren Angriffen abzuhalten. Dabei ist davon auszugehen, dass je mehr der Druck auf den IS in Syrien und im Irak zunimmt, desto stärker er motiviert sein könnte, seine Drohungen wahrzumachen.

 

Die Waffenstillstandsvereinbarung

  • Der Waffenstillstand in Syriengeht in die sechste Woche und wird nach dem Muster eingehalten, das sich in den letzten Wochen eingespielt hat. Die russische Koordinationszentrale auf dem Militärstützpunkt Hmeymim berichtete im Verlaufe der Woche über durchschnittlich rund acht Waffenstillstandsverletzungen pro Tag (ähnlich wie in der Vorwoche). Zudem gab die Zentrale bekannt, dass die Waffenstillstandsvereinbarung auf zwei weitere Dörfer ausgeweitet werden konnte, wodurch sie nun 53 Ortschaften und 44 Gruppierungen umfasst (Website des russischen Verteidigungsministeriums, eng.mil.ru, 4. April 2016).
  • Der russische Außenminister, Sergej Lavrov,sprach mit seinem amerikanischen Amtskollegen, John Kerry, am Telefon über mögliche Schritte zur Festigung der Waffenruhe in Syrien. Lavrov betonte, die syrisch-türkische Grenze müsse hermetisch abgeriegelt werden, um die Einreise von Terroraktivisten aus der Türkei zu verhindern (Al-Arabiya, 1. April 2016; Sputnik, 2. April 2016). Der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums sagte, das Assad-Regime bleibe der größte Waffenstillstandsbrecher.

Die internationale Kampagne gegen den IS

  • Die von den USA geführte internationale Anti-IS-Koalition setzte ihre Angriffe im Irak und in Syrien gegen Ziele des IS und weitere Terrororganisationen, die nicht Teil des Waffenstillstandsabkommens sind, fort. Im Verlaufe der Woche führten die Luftwaffen der Koalitionsstaaten Dutzende von Luftangriffen aus, überwiegend im Irak und besonders in den Regionen Hit, Sinjar und Mosul, aber auch in Syrien, dort besonders in Ar-Raqqah und im Raum Aleppo (Website des amerikanischen Außenministeriums).
  • Das Zentralkommando der Streitkräfte der Vereinigten Staaten gab bekannt, aufgrund erhöhter Terrorgefahr in der Türkei sei beschlossen worden, zivile Angehörige des US-Militärpersonals, das im Südosten der Türkei stationiert sei, darunter auch auf dem Luftwaffenstützpunkt Incirlik, zu evakuieren. Demnach betrifft diese Maßnahme keine Soldaten mit Kampfaufgaben und hat keinen Einfluss auf die Aktivitäten gegen den IS von der Türkei aus. Parallel dazu veröffentlichte das amerikanische Außenministerium eine Reisewarnung für den Südosten der Türkei (World Tribune, 4. April 2016). Dieser Schritt der amerikanischen Regierung dürfte vor dem Hintergrund der steigenden Bedrohung durch den Terror in der Türkei erfolgt sein.
  • Der Vorsitzende des Vereinigten Generalstabs der US-Streitkräfte, Joseph Dunford, sagte, die Angriffe der internationalen Koalition auf den IS seien effizienter geworden. Dies sei darauf zurückzuführen, dass sich die nachrichtendienstliche Situation und die militärischen Fähigkeiten der von den USA unterstützten Kräfte in Syrien und im Irak verbessert hätten. Die Angriffe richteten sich gezielt gegen IS-Kämpfer und ihre Anführer sowie gegen die wirtschaftlichen Kapazitäten des IS. Zudem würden mit den Luftangriffen kämpfende Einheiten in Syrien und im Irak unterstützt, sagte Dunford (Defence News, 29. März 2016). Bei einer anderen Gelegenheit bemerkte er, eine der größten Herausforderungen sei der Aufbau einer syrisch-arabischen Streitmacht zur Bekämpfung des IS. Bei dieser Aufgabe werde auch auf die Türkei Rücksicht genommen, die gegen die Beteiligung kurdischer Kämpfer und arabischer Komponenten an einer internationalen Koalition gegen den IS sei (Sputnik, 29. März 2016).

Das russische Engagement im syrischen Bürgerkrieg

  • Diese Woche verbrachte Russland fünf Tonnen humanitäre Hilfsgüter in die Provinz Homs, auf die sich der Kampf gegen den IS in den letzten Wochen konzentrierte (Sputnik, 4. April 2016). Zudem nahm Russland 2.000 syrische Flüchtlinge aus Aleppo auf. Die Flüchtlinge wurden vorübergehend in der Stadt Noginsk bei Moskau untergebracht, wo sie das Aufenthaltsrecht erhalten sollen, das ihnen Zugang zum Gesundheits- und Erziehungswesen verschafft (Sputnik, 3. April 2016).

Die wichtigsten Entwicklungen in Syrien

Die Eroberung von Al-Qaryatayn
  • Nach der Rückeroberung Palmyras konzentrierten sich die Anstrengungen der syrischen Armee auf die Stadt Al-Qaryatayn südöstlich von Homs. Am 3.April 2016 brachten die syrischen Regimetruppen die Stadt und die umliegenden Dörfer endgültig unter ihre Kontrolle. Die Eroberung Al-Qaryatayns ermöglichte die Wiedereröffnung der Schnellstraße Damaskus-Homs für den Verkehr (Dimashk Al-An, 4. März 2016). Wie zuvor Palmyra fand die syrische Armee auch Al-Qaryatayn fast menschenleer vor. Ganze Straßenzüge sind zudem verwüstet, und die Stadt ist mit zahlreichen Sprengfallen versehen.

 

  • Die Eroberung der Stadt Al-Qaryatayn und der umliegenden Dörfer ist ein weiterer militärischer und politischer Erfolg der syrischen Armee und ihrer Verbündeten nach der Eroberung von Palmyra. Sie ermöglichte der syrischen Armee die Öffnung der Schnellstraße Damaskus-Homs. Das syrische Regime kontrolliert nun wiederein zusammenhängendes Gebiet von Homs ostwärts bis zur Region Palmyra. Zudem kann die Region Palmyra als Ausgangspunkt für weitere Vorstöße der syrischen Armee in die Kerngebiete des IS im Osten des Landes dienen.

 

Erste Schritte zur Normalisierung in Palmyra
  • Nachdem die syrische Armee Palmyra unter ihre Kontrolle gebracht hatte, stieß sie weiter in Richtung Nordosten nach Al-Sukhnah vor, wo sich ein Teil der IS-Aktivisten aus Palmyra zurückgezogen hatte. Gleichzeitig bombardierten russische Kampfflugzeuge und Hubschrauber Ziele in der Stadt (Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, 1. April 2016). Zudem wurden Ziele im Bereich des Ölfelds Arak rund 26 Km nordöstlich der Stadt Palmyra sowie Fahrzeuge des IS auf der Straße von Palmyra nach Al-Sukhnah angegriffen.
  • Nachdem die Eroberung Palmyras aus der Hand des IS endgültig abgeschlossen werden konnte, leitete das syrische Regime erste Schritte zum Wiederaufbau der Stadt ein. Der Gouverneur der Provinz Homs, Talal Al-Barazi, erklärte bei einem Besuch in der Stadt, die Arbeiten zum Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur hätten begonnen (Sana, 31. März 2016). Die meisten Einwohner hatten die Stadt verlassen und warten nun auf die Möglichkeit zur Rückkehr.
  • Der Operationsleiter im russischen Generalstabsagte, die Eroberung Palmyras sei ein wichtiger Erfolg im Krieg wegen der kulturellen Bedeutung der Stadt, aufgrund ihrer Lage als wichtige Wegkreuzung und ihrer Nähe zu Öl- und Gasfeldern. Er fügte hinzu, russische Offiziere hätten sich an der Planung der Kampagne beteiligt und die russische Luftwaffe habe 500 Angriffseinsätze in der Region geflogen. Russland entsandte eine Delegation von Sprengstoffspezialisten, um bei der Entschärfung der zahlreichen Minen und improvisierten Sprengsätze zu helfen, die der IS in der Stadt und ihrer Umgebung zurückgelassen hat. Die russische Koordinationszentrale auf dem Militärstützpunkt Hmeymim berichtete, bislang hätten die russischen Einheiten in Palmyra 1.230 Minen und improvisierte Sprengsätze entschärft (Sputnik, 2. April 2016).
Kämpfe in weiteren Provinzen Syriens
  • Inzwischen wurde auch in weiteren Provinzen Syriens lokal begrenzt gekämpft, sowohl in solchen, die vom Waffenstillstandsabkommen betroffen sind, als auch in anderen:
  • Die Region Aleppo: In Aleppo kam es zu Gefechten zwischen der syrischen Armee und Rebellengruppierungen, besonders mit der Al-Nusra-Front. Am 1. April 2016 brachten Kämpfer der Al-Nusra-Front die Ortschaft Tal Al-Eis südlich von Aleppo unter ihre Kontrolle (Dimashk Al’an; Khatwa, 2. April 2016). Zudem gab es Berichte über den Abschuss eines Kampfflugzeugs der syrischen Armee durch eine Boden-Luft-Rakete der Rebellen im Raum Aleppo (The Long War Journal, 5. April 2016).
  • Region Deir Ez-Zur: Die syrische Armee griff mit Unterstützung der russischen Luftwaffe Ziele in der Nähe des Militärflugplatzes bei Deir Ez-Zur an (Lokale Koordinationskomitees, 30. März 2016). Zudem sprengten die Regimetruppen einen Tunnel, der Dutzende von Metern unter Stellungen des IS im Süden der Stadt verlief.
  • Idlib – Rund fünfundzwanzig Aktivisten der Al-Nusra-Front kamen bei einem Luftangriff auf eine Versammlung von Anführern der Organisation ums Leben. Dschihadistische Seiten in den sozialen Netzwerken im Internet berichteten über den Tod von Abu Firas Al-Suri, einem führenden Mitglied der Al-Qaida. Abu Firas der Syrer heißt mit richtigen Namen Radwan Namus und diente früher als Offizier in der syrischen Armee sowie als Sprecher der Al-Nusra-Front. Zuletzt war er zuständig für die islamischen Schariah- bzw. Rechtsgremien der Al-Nusra-Front. Bei dem Angriff wurde auch Abu Al-Hammam, ein Führungsmitglied der Al-Nusra-Front und Angehöriger des Khorasan-Netzwerks, getötet.
  • Ar-Raqqah– Im Verlaufe der Woche fanden zahlreiche Angriffe auf IS-Ziele in Ar-Raqqah statt. Unter anderem bombardierten syrische Kampfflugzeuge eine Versammlung von Anführern des „Islamischen Staates“ in der Stadt. Dabei sollen mehre Führungsmitglieder der Organisation ums Leben gekommen sein. Berichten zufolge bereitet sich der IS auf eine mögliche Schlacht um die Stadt vor und untersagte Armeniern und Christen die Stadt zu verlassen (Khatwa, 30. März 2016).
Ausblick

Laut dem Hisbollah-nahen TV-Kanal Al-Mayadeen wurde die Einrichtung einer Kommandozentrale zur Befreiung Aleppos und des ländlichen Raumes westlich und südlich der Stadt abgeschlossen. Demnach stehen auch eine russische und eine iranische Einheit sowie eine Einheit der Hisbollah bereit, um die syrische Armee bei der Bekämpfung von Rebellengruppierungen zu unterstützen (Al-Mayadeen, 5. April 2016).


Die wichtigsten Entwicklungen im IrakDie Provinz Al-Anbar

Hit
  • Der irakischen Armee gelang es diese Woche, die Stadt Hit am Euphrat rund 70 Km nordwestlich von Ramadi größtenteilsunter ihre Kontrolle zu bringen. Am 2. April 2016 stießen Armeeeinheiten in die Stadt vor, nachdem sie ihre Umgebung in ihre Gewalt gebracht hatten. Am 3. April 2016 konnte die Einnahme der Stadt abgeschlossen werden. Laut der Amtsstelle für Terrorbekämpfung, die dem irakischen Premierminister untersteht, wurden sämtliche Straßen und Häuser der Stadt vom IS vermint, nachdem alle Einwohner geflohen waren (Al-Sumeria, 2.-4. April 2016; Sky News, 4. April 2016). Derweil griff der IS die irakische Armee bei der Ortschaft Kabisa östlich von Hit mit Selbstmordattentätern an (2. April).
Ramadi
  • Die irakische Armee meldete am 3. April 2016 die Aushebung einer größeren Waffenwerkstatt, in der Bomben und Sprenggürtel für den IS hergestellt wurden (Al-Sumeria, 3. April 2016).
Die Provinz Niniveh
  • Die irakische Armee meldet weitere Aktivitäten im Rahmen der Eröffnung einer Offensive zur Rückeroberung der Provinz Niniveh und der Stadt Mosul. Irakische Medien berichteten diese Woche über Luftangriffe auf IS-Ziele südlich von Mosul. Dabei seien Dutzende von IS-Aktivisten ums Leben gekommen, darunter auch zwei hochrangige Kommandeure, die für die Artillerie und die Sittenpolizei zuständig gewesen seien (Shafaq News; Al-Baghdadia, 2. April 2016).
  • Der Islamische Staat führte seinerseits Guerillaaktionen gegen seine Feinde aus. Diese Woche bekannte er sich zu fünf Selbstmordanschlägen gegen kurdische Milizen (Peschmerga) in der Stadt Makhmur südlich von Mosul. Die Stadt dient als Ausgangspunkt der Angriffe gegen den IS in der Region (Akhbar Dawlat Al-Islam, 2. April 2016). Laut einem Bericht von Al Jazeera kamen bei diesen Angriffen fünfzehn Peschmerga ums Leben (Al Jazeera, 1. April 2016).
Die Region Bagdad
  • Die Stadt Bagdad und Umgebung bleiben bevorzugtes Ziel der Terror- und Guerillaaktionen des IS.Diese Woche stachen in diesem Zusammenhang zwei Selbstmordattentate hervor (4. April 2016): Bei einem Attentat sprengte sich ein Selbstmordattentäter im schiitischen Viertel Al-Sadr in die Luft. Dabei wurden fünf Menschen getötet und neun verletzt. Beim zweiten Attentat zündete ein Selbstmordattentäter eine Autobombe an einem Versammlungsort schiitischer Milizen im Norden von Bagdad.

Ägypten und die Sinaihalbinsel

  • In der vergangenen Woche dauerten die intensiven Aktivitäten der ägyptischen Sicherheitskräfte gegen die Provinz Sinai des Islamischen Staates in den Regionen Sheikh Zuweid, El-Arish und Rafah an. Am 30. März 2016 entdeckten die ägyptischen Sicherheitskräfte zwei Tunnels am Grenzzaun und verhafteten 24 Personen verschiedener Nationalität, die versuchten, in Ägypten einzudringen. Zudem stellten die Sicherheitskräfte bei einer Militäroperation im Süden von Rafah sowie im Süden von Sheikh Zuweid Rüstungsmaterial, darunter vier Fässer mit Sprengstoff, sicher (Al-Masri Al-Youm, 30. März 2016). Gleichzeitig setzten IS-Aktivisten ihre Guerillaangriffe gegen die ägyptischen Sicherheitskräfte vor allem durch Bombenanschläge fort.
  • Die Provinz Sinai des IS veröffentlichte ein Videoclip, in dem IS-Aktivisten zwei Anschläge gegen die ägyptischen Sicherheitskräfte rekonstruieren. Bei dem einen Anschlag am 19. März kamen bei einem Angriff auf den Al-Safa-Checkpoint südlich von El-Arish 18 ägyptische Polizisten ums Leben, beim anderen wurde eine Straßensperre der ägyptischen Polizei an einem Platz in der Stadt El-Arish angegriffen. Dabei wurden fünf Polizisten getötet (21. Januar 2016).

Der globale Dschihad in weiteren Ländern

Libyen
Angriffe auf Ölfelder südlich von Maradah
  • Eine Quelle bei den Bewachungseinheiten der Erdölanlagen in Libyen gab bekannt, IS-Aktivisten hätten zwei Ölfelder südlich von Maradah (siehe Karte) angegriffen. Demnach sei es den Bewachungsmannschaften gelungen, die Angreifer zurückzuschlagen, bevor diese Schaden an den Ölfeldern anrichten konnten. Die Firma Al-Khaleej Al-Arabi, der eines der angegriffenen Ölfelder gehört, betonte, die Förderanlagen seien nicht beschädigt worden (Akhbar Libya 24, 3. April 3 2016; Al-Wasat Portal, 2. April 2016; Twitter-Konto des Leiters der Planungsabteilung des Ölfeldes Al-Beda). Dieser Angriff war ein weiterer Versuch des IS, Ölfelder unter seine Kontrolle zu bringen, bislang mit mäßigem Erfolg.
Der Missbrauch von illegalen Einwanderern
  • „Libyschen Quellen“ zufolge kontrolliert der IS die Schlepperrouten in der Wüste und über das Meer, über die Migranten durch Libyen nach Europa zu gelangen versuchen. Der IS betrachtet diese Migranten als Einkommensquelle. Einige von ihnen erliegen zudem der Verlockung, sich dem IS für ein Monatsgehalt von über 1.000 Dollar anzuschließen (The Times, 28. März 2016).
Der IS droht mit Anschlägen in Tripoli
  • DerVorsitzende des Schariah-Gerichts in Sirte,Abu Abdallah Al-Masri, drohte bei der Freitagspredigt damit,„demnächst Tripoli in Flammen aufgehen zu lassen“ und die Stadt mit Dschihad-Kämpfern und Selbstmordattentätern zu „füllen“. Er drohte zudem der libyschen Regierung der Nationalen Einheit mit Krieg. Die Drohungen erfolgten vor dem Hintergrund des Eintreffens von Mitgliedern des Präsidialrates der libyschen Regierung der Nationalen Einheit in Tripoli. Die Bildung dieser Regierung kam nach Verhandlungen der rivalisierenden Kräfte in Tunesien zustande (Portal Al-Wasat, 2.April 2016).
Dagestan

Die Provinz Kaukasus des IS bekannte sich zu zwei Anschlägen in Dagestan. Ein solches Bekennerschreiben wurde vom Propagandaorgan des IS, Aamaq, veröffentlicht. Am 29. März 2016 übernahm die Organisation die Verantwortung für zwei Bombenanschläge mit improvisierten Sprengsätzen gegen zwei russische Militärfahrzeuge im Osten des Landes. Demnach sollen dabei zehn russische Soldaten getötet und drei weitere verletzt worden sein. Am 30. März 2016 meldete der IS eine weitere Explosion an einer Straßensperre der dagestanischen Polizei. Die Bombe habe den Tod von fünf Polizisten verursacht. Seit der Ausrufung der Provinz Kaukasus des IS wurden in der Region bereits mindestens fünf Anschläge gegen die russischen Sicherheitskräfte verübt (The Long War Journal, 31. März 2016).

Saudi-Arabien

  • Das saudische Innenministerium meldete einen Bombenanschlag auf ein Polizeifahrzeug in Al-Dilam rund 95 Km südöstlich von Riad. Dabei seien eine Person getötet und außer dem Polizeifahrzeug zwei weitere Fahrzeuge beschädigt worden (Al-Arabiya, 3. April 2016). Am 3. April 2016 gab der IS bekannt, seine Aktivisten hätten bei einer Polizeistation in der Stadt Al-Dilam zwei Bomben gezündet. Dadurch seien drei Polizeifahrzeuge in Flammen aufgegangen (Aamaq, 3. April 2016).

Der Kampf um die Herzen und den Verstand

Artikel ruft zur Eröffnung einer neuen Front gegen Israel auf
  • DieIS-naheNachrichtenagentur Al-Haqq veröffentlichte einen Artikel eines Aktivisten, der Abdallah Mohammed Mahmoud genannt wird. Dieser ruft den „Islamischen Staat“ dazu auf, bereits jetzt eine Front gegen den „jüdischen Feind“ zu eröffnen. Das sei das Gebot der Stunde. Der Aktivist begründet seinen Aufruf damit, dass Israel an der Seite Ägyptens den IS auf der Sinaihalbinsel bekämpfe, dass man sich an den Juden für ihre Beteiligung an der internationalen Kampagne gegen den IS rächen müsse sowie mit der langjährigen Besetzung palästinensischer Gebiete durch Israel. Der Autor betont, dass Israel von den Golanhöhen und der Sinaihalbinsel aus bekämpft werden könne (Twitter-Konto Abdullah_MoMa@, 31. März 2016; Nachrichtenagentur Al-Haqq, 31. März 2016).
Weitere Drohungen des IS gegen Europa und die USA
  •  Die Provinz Euphrat des IS im Irak veröffentlichte ein Videoclip, in dem den Vereinigten Staaten, Europa und Russland mit weiteren Terrorangriffen gedroht wird, sollten die Angriffe auf den „Islamischen Staat“ andauern. Im Clip treten drei vermummte Aktivisten auf, einer davon spricht Französisch. Dieser sagt, solange die Angriffe der internationalen Koalition gegen die IS andauerten, seien Angriffe auf Ziele in den „Kreuzfahrerstaaten“ in den Augen des IS legitim (Isdarat al-Dawla al-Islamiyya, 27. März 2016).
Der IS ruft die Muslime in Deutschland zu Terroranschlägen auf das Kanzleramt und den Flughafen Köln/Bonn auf
  • Der IS veröffentlichte ein Plakat mit deutschen Aufschriften, das in den sozialen Netzwerken in Internet kursiert. Darin ruft die Organisation die Muslime in Deutschland auf, Terroranschläge in Deutschland zu verüben. Konkret werden das Kanzleramt und der Flughafen Köln/Bonn als Ziele genannt. Damit sollen die Angriffe auf den Flughafen Brüssel und die U-Bahn in der belgischen Hauptstadt fortgesetzt werden (Reuters, laut Information der Website SITE, 31. März 2016).
Aufruf zur Tötung des Anführers der Al-Nusra-Front
  • Am 1. April 2016 veröffentlichte ein IS-nahes Twitter-Konto ein Plakat des IS, auf dem das Bild eines Mannes abgebildet ist, beim dem es sich um den Anführer der Al-Nusra-Front, Abu Mohammed Al-Julani, handeln soll. Das Plakat führt den Lebenslauf von Al-Julani aus und ruft zu dessen Tötung sowie zur Tötung eines weiteren Aktivisten auf, der Ahmed Zakour (Halabi) genannt wird und auf dem Bild neben Al-Julani steht. Die beiden werden „Juden des Dschihad“ genannt, eine Anspielung auf den „Verrat“, den sie am Dschihad begangen haben sollen (Twitter-Konto turkman342/17@17).