Der Weltdschihad im Blickpunkt (17.-23. Dezember 2015)

Der Weltdschihad im Blickpunkt

Der Weltdschihad im Blickpunkt

Die drei Selbstmordattentäter, die sich am Kontrollpunkt beim Dorf Hammam al-Turkman in die Luft sprengten (a3maqagency.wordpress.com, December 18, 2015)

Die drei Selbstmordattentäter, die sich am Kontrollpunkt beim Dorf Hammam al-Turkman in die Luft sprengten (a3maqagency.wordpress.com, December 18, 2015)

irakische Armeeeinheiten setzen die Belagerung des IS in Ramadi durch (Twitter)

irakische Armeeeinheiten setzen die Belagerung des IS in Ramadi durch (Twitter)

Luftlandetruppen im Viertel Al Jam’iyah im Norden von Ramadi (Twitter-Konto, 23. Dezember 2015)

Luftlandetruppen im Viertel Al Jam’iyah im Norden von Ramadi (Twitter-Konto, 23. Dezember 2015)

Ein mit Sprengstoff gefüllter Schützenpanzer, der westlich von Samarra zur Explosion gebracht wurde (Aamaq, 17. Dezember 2015)

Ein mit Sprengstoff gefüllter Schützenpanzer, der westlich von Samarra zur Explosion gebracht wurde (Aamaq, 17. Dezember 2015)

Die IS-Terrorstatistik der Monate Oktober-November 2015 in Westafrika

Die IS-Terrorstatistik der Monate Oktober-November 2015 in Westafrika

Bewaffnete und vermummte IS-Aktivisten hetzen gegen das saudische Königshaus – links: IS-Aktivist Abu Fatima Al-Jazrawi; rechts: IS-Aktivist Abu Osama Al-Muhajer; unten: IS-Aktivist Abu Jaafar Al-Ansari (Filesharingseite archive.org, 18. Dezember 2015)

Bewaffnete und vermummte IS-Aktivisten hetzen gegen das saudische Königshaus – links: IS-Aktivist Abu Fatima Al-Jazrawi; rechts: IS-Aktivist Abu Osama Al-Muhajer; unten: IS-Aktivist Abu Jaafar Al-Ansari (Filesharingseite archive.org, 18. Dezember 2015)


Die wichtigsten Ereignisse im Überblick

  • Am 27. Dezember 2015 begann die irakische Armee mit Hilfe schiitischer Milizen, Kämpfern sunnitischer Stämme und mit Luftunterstützung der USA und der anderen Mitglieder der Anti-IS-Koalition eine Offensive zur Befreiung der Stadt Ramadi (deren Bewohner die Stadt mehrheitlich bereits verlassen haben). Ramadi ist die Hauptstadt der sunnitischen Provinz Al-Anbar, rund 100 Km von der Landeshauptstadt Bagdad entfernt. Die derzeitige Offensive folgt einer mehrmonatigen, immer enger gezogenen Belagerung der Stadt durch irakische Armeeeinheiten und anhaltender Guerillaaktivitäten des IS. Nun melden irakische und westliche Quellen, dass sich die irakische Armee auf dem Vormarsch zum Zentrum der Stadt Ramadi befindet, das von einigen Hundert IS-Aktivisten verteidigt wird, und dass die „große Schlacht“ um die Befreiung der Stadt in den nächsten Tagen bevorsteht.
  • Sollte es der irakischen Armee gelingen, die Stadt Ramadi zu befreien, wäre das die bedeutendste Niederlage des IS im Irak seit dem Höhepunkt seiner Erfolge im Sommer 2014, dies nachdem der IS bereits auf Baiji (Ende Oktober 2015) und Tikrit (Anfang April 2015) nördlich von Bagdad vertrieben werden konnte. Wenn der IS auch Ramadi an die irakische Armee verlieren sollte, wäre das ein harter Schlag für das Ansehen des IS und eine bedeutende militärische Niederlage. Das könnte zur Destabilisierung der IS-Herrschaft in weiteren Städten der Provinz Al-Anbar führen, aus denen die Organisation ursprünglich hervorgegangen war, darunter auch in der Stadt Falluja, die zwischen Ramadi und der Hauptstadt Bagdad liegt.
  • Saudi-Arabien gab den Aufbau einer islamischen Anti-Terror-Allianz bekannt, bestehend aus 35 sunnitisch-muslimischen Staaten aus dem Nahen Osten, Afrika und Asien. Noch ist unklar, wie sich diese Allianz engagieren will und inwieweit sich ihre Mitglieder an den militärischen Aktivitäten gegen den IS beteiligen wollen. Die USA äußerte sich positiv zu dieser Allianz, Russland zweifelt ihren Nutzen an und der IS reagierte (wie gewöhnlich) mit medial inszenierten Drohgebärden, dieses Mal gegen das saudische Königshaus.

 

Die internationale Kampagne gegen den Is

Angriffe der USA und ihrer Koalitionspartner
  • Diese Woche dauerten die Luftangriffe der USA und ihrer Koalitionspartner auf Ziele des IS an. Es wurden Dutzende von Einsätzen mit Kampflugzeugen, Bombern und Drohnen ausgeführt:
  • In Syrien konzentrierten sich die Angriffe auf das Umland von Ain Issa, Marea (nördlich von Aleppo) und Ar-Raqqah. Dabei wurden IS-Aktivisten getroffen und Kampfstellungen, Fahrzeuge und Artilleriestellungen zerstört.
  • Im Irakstanden Angriff auf Ramadi, Sinjar, Al-Baghdadi, Kisik, Mosul, Fallujah und Hit im Mittelpunkt. Bei den Luftangriffen wurden IS-Aktivisten, eine Autobombenwerkstatt, Fahrzeugkolonnen, von IS genutzte Straßen, Artilleriebatterien etc. getroffen.
Aktivitäten der USA
  • Vertreter des amerikanischen Sicherheitsestablishments behaupteten, die russischen Aktivitäten in Nordsyrien hätten die amerikanische Unterstützung der gemäßigten kurdischen Kräfte in der Region wesentlich beeinträchtigt.Die USA hätten ihre bemannten Luftangriffe in Nordwestsyrien aufgrund der Gefahr der dort stationierten modernen russischen Luftabwehrraketensysteme für die amerikanischen Flugzeuge eingestellt. Diese Angelegenheit sei anlässlich des Besuchs des amerikanischen Außenministers, John Kerry, in Moskau und bei Gesprächen zwischen dem Vorsitzenden des Vereinigten Generalstabs der US-Streitkräfte, Joseph Dunford, mit seinem russischen Amtskollegen erörtert worden (Express, 17. Dezember 2015).
  • Berichten zufolge erwägt das amerikanische Verteidigungsministerium eine Ausweitung der Cyber-Aktivitäten gegen den IS. Verschärfte Maßnahmen zur Lahmlegung von Computern, Servern und Mobiltelefonen „extremistischer Gruppierungen“ sollen entscheidend zur Terrorbekämpfung beitragen. Zu diesem Zweck entwickelte der US Army Cyber Command dem Vernehmen nach Malware, die den Propaganda- und Rekrutierungsapparat des IS empfindlich stören sollen. Es hieß jedoch, die Anwendung solcher Methoden stoße auf den Widerstand von Geheimdienstorganen, da die Sperrung des Zugangs zu sozialen Netzwerken, Websites und zu Mobiltelefonen in Syrien und Im Irak dazu führen könne, dass ihnen der Zugang zu wertvollen Informationen über den Aufenthaltsort von Aktivisten und Anführern sowie über die Absichten der Gruppierungen verwehrt bleibe (thestar.com, 20. Dezember 2015).
Aktivitäten Frankreichs
  • Der französische Flugzeugträger Charles De Gaulle hat Berichten zufolge von seinem jetzigen Aufenthaltsort im Persischen Golf bereits erste Operationen gegen den IS in Syrien und im Irak ausgeführt (Defence Talk, 21. Dezember 2015). Vor seinem Besuch in Moskau sagte der französische Verteidigungsminister, Jean-Yves Le Drian, Frankreich beabsichtige, Russland aufzufordern, die Angriffe gegen den IS zu intensivieren und in dieser Sache mit Frankreich zu kooperieren. Frankreich werde Russland den geheimdienstlichen Informationsaustausch und die gegenseitige Informierung über Angriffspläne gegen den IS anbieten (AFP, 21. Dezember 2015). 

Das russische Engagement im syrischen Bürgerkrieg

  • Russische Kampfflugzeuge flogen weitere Angriffe in Syrien,besonders in den Regionen Homs, Idlib, Latakia, Aleppo, Hama und Damaskus. Russischen Schätzungen zufolge wurden dabei 300 IS-Aktivisten getötet (Website RT, 17. Dezember 2015).
  • In der Region Homsführte die russische Luftwaffe 59 Einsätze durch und griff dabei 200 Ziele an, darunter Waffenlager und unterirdische Kommandozentralen des IS.
  • Bei Luftangriffen in der Region Idlibwurden Dutzende Aktivisten der Dschaisch Al-Fatah getötet und Dutzende weitere Aktivisten verletzt (Al Jazeera, 20 Dezember 2015). Arabische Medien behaupteten, die Russen hätten in Idlib auch zivile Gebäude und eine Krankenstation angegriffen. Dabei seien 43 Menschen getötet und 150 verletzt worden (The Guardian, 20. Dezember 2015).
  • Bei den Angriffen in der vergangenen Woche zerstörten russische Flugzeuge sechs Ölförderanlagen und trafen sieben Tankerkolonnen, die Erdöl und Erdölprodukte transportierten. Laut dem Sprecher des russischen Verteidigungsministers, Igor Konaschenkow, wurden bei Angriffen der russischen Luftwaffe in der Region Deir Ez-Zur und Al-Hasakah 15 Tankwagenfüllstationen beschädigt und rund hundert Tanklastwagen zerstört. Damit habe Russland die Einnahmen des IS vom Ölhandel etwa um die Hälfte reduziert (von drei Millionen Dollar auf 1,5 Millionen Dollar pro Tag). Seit Beginn des russischen Engagements in Syrien habe die russische Luftwaffe mehr als 1.200 Tanklastwagen zerstört, sagte Konaschenkow (Tass, 15. Dezember 2015).
  • Der russische Präsident, Wladimir Putin, sagte an einer Pressekonferenz, die USA und Russland stimmten bei den Lösungsoptionen der Krise in Syrien weitgehend überein. Er wiederholte den russischen Standpunkt, wonach die russischen Angriffe in Syrien fortgesetzt würden, solange dies von Syrien gewünscht werde. In einem im russischen Fernsehen ausgestrahlten Dokumentarfilm sagte der russische Präsident, die militärischen Aktivitäten Russlands in Syrien hätten sich als effektiv erwiesen und brächten die gemeinsame Tätigkeit der Luftwaffe, der Marine, der Armee und der Geheimdienste Russlands zum Ausdruck. Putin fügte hinzu, dass in Syrien nur ein Teil des russischen Militärpotentials zur Geltung komme und dass Russland bei Bedarf bereit sei, weitere militärische Mittel einzusetzen. In diesem Zusammenhang betonte der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu jedocherneut, die russische Armee werde nicht an Bodenoperationen in Syrien teilnehmen (Website RT, 20 Dezember 2015).
Saudi-Arabien baut islamische Anti-Terror-Koalition auf
  • Im Rahmen der internationalen und regionalen Kampagne gegen den IS gab Saudi-Arabien den Aufbau einer islamischen Anti-Terror-Koalition bekannt. Dem Bündnis sollen 35 sunnitisch-muslimische Staaten aus der arabischen Welt, aus Afrika und aus Asien angehören, darunter die Golfstaaten (mit Ausnahme des Oman), die Türkei, Jordanien, Ägypten, der Libanon, die Palästinensische Autonomie, Pakistan und andere. Nach saudi-arabischen Angaben hätten sich zehn weitere Staaten grundsätzlich positiv zum Bündnis geäußert und eine mögliche Teilnahme in naher Zukunft angekündigt. Laut dem saudischen Vize-Kronprinz, Mohammed Ibn Salman, werde die Allianz in Regionen wie Irak, Syrien, Libyen, Jemen und Ägypten aktiv sein. Sie werde zudem im Einvernehmen und koordiniert mit sämtlichen legitimen lokalen Kräften und der internationalen Gemeinschaft handeln, sagte Ibn Salman (Reuters, 14. Dezember 2015).
  •  
  • Noch ist unklar, wie die neue Koalition zum Einsatz kommen sollund inwieweit deren Mitglieder bereit sind, gemeinsam militärisch gegen den IS vorzugehen. Die USA hat den Aufbau der Koalition jedenfalls begrüßt. Der amerikanische Verteidigungsminister, Ashton Carter, begrüßte den Schritt und bezeichnete ihn als wichtigen Beitrag im Kampf gegen den IS. Der Sprecher des amerikanischen Verteidigungsministers sagte, die amerikanische Regierung prüfe die Idee, aber es handle sich jedenfalls um ein Bündnis getrennt von jenem der USA. Der russische Präsident, Wladimir Putin, erklärte seinerseits, die Entwicklung und die Ziele der islamischen Koalition und deren Mitglieder seien zu prüfen. Später äußerte er angesichts der amerikanisch geführten Koalition Zweifel an der Notwendigkeit einer Koalition unter der Führung Saudi-Arabiens (Reuters, Al-Arabiya, 14. Dezember 2015).

Die wichtigsten Entwicklungen in Syrien

Allgemeiner Überblick

Auch diese Woche gab es an den einzelnen Fronten keine bedeutenden Verschiebungen: In der Provinz Homs dauerten die Kämpfe zwischen syrischen Regimetruppen und IS-Aktivisten im Dorf Mheen und in der nahegelegenen Stadt Sadat, südöstlich von Homs, an. In der Provinz Aleppo ereigneten sich weitere Gefechte zwischen Regierungstruppen und IS-Aktivisten um den Luftwaffenstützpunkt Kweires, östlich von Aleppo. In der Provinz Deir Ez-Zur eroberten IS-Aktivisten einige Stellungen in der Nähe des dortigen Luftwaffenstützpunkts, den die syrische Armee jedoch nach wie vor zu halten vermag. Nördlich von Latakia eroberte die syrische Armee einen Teil des ländlichen Raums und brachte die Region damit wieder unter ihre Kontrolle.

 

Die Provinz Homs
  • Am 19. Dezember 2015 berichtete eine IS-Website, zehn Soldaten der syrischen Regierungstruppen seien bei Gefechten mit IS-Aktivisten beim Versuch auf zwei Achsen im Abschnitt Al-Hazm zwischen den Ortschaften Mheen und Sadad, südöstlich von Homs (siehe Karte), vorzustoßen, getötet worden. Der IS behauptet, seine Aktivisten hätten drei Panzer der syrischen Armee und eine Flugabwehrbatterie zerstört (Aamaq, 19. Dezember 2015). Am 21. Dezember 2015 hieß es, syrische Sicherheitskräfte hätten eine Gruppe von IS-Aktivisten in Mheen angegriffen und alle ihre Mitglieder getötet (Dimashk Al-Aan, 21. Dezember 2015).
Die Provinz Aleppo
  • Der IS führt seinen Zermürbungskrieg gegen die syrischen Truppen auf dem Luftwaffenstützpunkt Kweires, östlich von Aleppo, weiter. IS-Aktivisten beschossen den Stützpunkt letzte Woche mit Raketen und Scharfschützenfeuer.Am 17. Dezember 2015 führte ein IS-Aktivist zudem eine Selbstmordoperation gegen syrische Soldaten nördlich des Luftwaffenstützpunktes aus. Der IS behauptete, bei diesem Angriff seien zahlreiche syrische Regierungssoldaten und ein Offizier im Rang eines Oberst getötet worden. Nach diesem Angriff kam es zu einzelnen Gefechten zwischen Einheiten der syrischen Armee und IS-Aktivisten, die einige Dörfer nordöstlich des Luftwaffenstützpunktes angriffen (Aamaq, 18. Dezember 2015).
  • Demgegenüber strahlte das syrische Fernsehen einen Live-Bericht vom Luftwaffenstützpunkt Kweires aus, wonach dieser seinen Betrieb nach dreieinhalb Jahren wiederaufgenommen hat. Im Bericht waren Starts und Landungen von Kampfflugzeugen auf dem Stützpunkt zu sehen. Laut dem Sprecher werde der Stützpunkt nun als Ausgangspunkt für die „Vernichtung von Terrornestern und IS-Hochburgen im Osten der Provinz genutzt“. (Syrisches Fernsehen, 15. Dezember 2015). Ob der Stützpunkt wieder voll für Kampfeinsätze verwendet werden kann, lässt der Bericht jedoch offen.
Deir Ez-Zur
  • Berichten vom 16. Dezember 2015 zufolge eroberten IS-Aktivisten drei Stellungen der syrischen Armee im Raum Al-Jafra, südöstlich von Deir Ez-Zur, in der Nähe des Flugplatzes der Stadt. IS-Aktivisten hätten die Stellungen unter ihre Kontrolle gebracht und sieben Soldaten der Regimetruppen getötet (Website a3maqnews.tumblr.com, 16. Dezember 2015). Am 17. Dezember 2015 brachte der IS ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug an einem Sammelpunkt der syrischen Armee in der Nähe des Flugplatzes zur Explosion (Lokale Koordinationskomitees, 17. Dezember 2015).
Latakia
  • Der syrischen Armee ist es gelungen, bei Kämpfen mit Aktivisten der Al-Nusra-Front und der Freien Syrischen Armee den ländlichen Raum nördlich von Latakia zurückzuerobern (Al-Masdar, 16. Dezember 2015). Ein mit dem syrischen Regime affiliiertes Twitter-Konto berichtete, die syrische Armee habe mit russischer Luftunterstützung 56 Punkte im ländlichen Raum nordöstlich von Latakia zurückerobert (Twitter-Konto Hassan Ridha@sayed_ridha, 18. Dezember 2015).

Die Provinz Ar-Raqqah

  • Drei IS-Aktivisten mit Sprengstoffgürteln führten an einem Kontrollpunkt kurdischer YPG-Einheitenan der Einfahrt zum Dorf Hammam al-Turkman, nördlich von Al-Raqqah, in der Nähe der Grenze zur Türkei Selbstmordanschläge aus. Dabei sollen die kurdischen Kämpfer am Kontrollpunkt getötet worden sein (Website a3maqagency.wordpress.com,18. Dezember 2015).
Daraa
  • Auf den südlichen Golanhöhen und im Raum Daraa dauerten die Kämpfe zwischen der von der Al-Nusra-Front angeführten Dschaisch Al-Fatah und der mit Al-Qaida affiliierten Al-Yarmouk-Märtyrer-Brigade an.Berichten zufolge griffen zudem syrische Regierungstruppen die Versorgungslinie der Al-Nusra-Front in Daraa und Truppenkonzentrationen im Stadtviertel Al-Manschiyah an (Dimashk Al-Aan, 17. Dezember 2015). Des Weiteren sei es am Rande der Ortschaft Saham Al-Jawlan zu Gefechten zwischen der Dschaisch Al-Fatah und der Al-Yarmouk-Märtyrer-Brigade gekommen (Khatwa, 28. Dezember 18, 2015; Radio Sham, 21. Dezember 2015).
  • Die Al-Nusra-Front gab die Ernennung von Abu Ahmad Al-Shami zum neuen Befehlshaber der Organisation im Abschnitt Südsyrienanstelle von Abu Jalibib Al-Tubasi (Khatwa, 17. Dezember 2015) bekannt. Nachdem gemeldet wurde, dass Abu Jalibib getötet oder schwer verletzt worden sei, gab die Al-Nusra-Front dessen Absetzung bekannt. Ahmad Al-Shami war Abu Jalibibs Stellvertreter und ist palästinensischer Herkunft. Er nahm bereits mehrere Aufgaben in der Al-Nusra-Front wahr, etwa als „Emir“ des Ostabschnitts und als Vertreter der Al-Nusra-Front in der Dschaisch Al-Fatah im Südabschnitt. Abu Ahmad soll Verbindungen zum salafistischen, jordanischen Scheich Abu Muhammad al-Maqdisi unterhalten (As-Safir, 18. Dezember 2015).

Die wichtigsten Entwicklungen im Irak

Die Provinz Al-Anbar
Operation der irakischen Sicherheitskräfte zur Rückeroberung der Stadt Ramadi
  • Am 22. Dezember 2015 begann die irakische Armee eine Militäroperation zur Befreiung der Stadt Ramadi, der Hauptstadt der größten sunnitischen Provinz des Irak. Die rund 100 Km von Bagdad entfernte Stadt Ramadi war am 15. Mai 2015 dem Islamischen Staat in die Hände gefallen. Deren Eroberung bildete im Rückblick betrachtet den Höhepunkt der Erfolge des IS im Irak. Sollte die Offensive gelingen und Ramadi von den irakischen Regierungstruppen befreit werden, wäre das ein harter Schlag für den IS, der 2015 im Irak bereits mehrere Niederlagen hinnehmen musste (den Verlust der Städte Tikrit und Baiji, nördlich von Bagdad).[1] Der Verlust von Ramadi könnte die Herrschaft des IS in weiteren Städten der sunnitischen Provinz Al-Anbar, der Machtbasis des IS, von der aus sich der IS in weitere Provinzen des Landes ausbreitete, destabilisieren.

 

  • Nach Einschätzungen des irakischen Geheimdienstes befinden sich in Ramadi noch 250-300 kampfbereite IS-Aktivisten und einige Hundert IS-Anhänger. Ihnen stehen rund 10.000 irakische Soldaten gegenüber, unterstützt von schiitischen Milizionären und Kämpfern lokaler sunnitischer Stämme (Reuters, 21. Dezember 2015; Reuters und Haaretz, 23. Dezember 2015; Al-Hurra, 19. Dezember 2015; ARA News, 19. Dezember 2015). Der Vormarsch der irakischen Truppen wird von den Luftwaffen der internationalen Koalition und des Irak unterstützt (Al-Arabiya, 17. Dezember 2015).
  • In den letzten Monaten zog die irakische Armee den Belagerungsring um Ramadi mit Unterstützung der Lufwaffen der internationalen Koalition immer enger. Der IS verteidigte die Stadt mit der Errichtung von Befestigungsanlagen und mit einem Guerillakrieg gegen die irakische Armee. Dieser Guerillakrieg umfasste Überraschungsangriffe auf irakische Truppen, Bombenexplosionen an Straßen, die nach Ramadi führen und den Einsatz von Selbstmordattentätern. All dies bezweckte, die Vorbereitung der irakischen Armee zur Rückeroberung Ramadis zu stören, deren Belagerung zu verhindern und die Truppenbewegungen auf den Hauptverbindungsstraßen zu stören.
  • Der jetzigen Offensive der irakischen Armee ging ein Aufruf an die noch in der Stadt verbliebenen Bewohner voraus, ihre Häuser binnen 72 Stunden zu verlassen. Das irakische Verteidigungsministerium behauptete, IS-Aktivisten würden die Bewohner daran hindern, die Stadt zu verlassen und sie als „menschliche Schutzschilder“ missbrauchen (Reuters, 21. Dezember 2015). Derzeit ist unklar, wie weit die irakischen Streitkräfte bisher vorgestoßen sind, doch es gibt Anhaltspunkte dafür, dass sie sich dem Stadtzentrum nähern und es vielleicht schon erreicht haben. Irakische Sicherheitsquellen, die von Reuters zitiert werden, gehen davon aus, dass die „große Schlacht“ zur Säuberung von Ramadi von den IS-Aktivisten, die sich noch dort aufhalten, in wenigen Tagen bevorsteht.
Falluja
  • Die Informationsabteilung des IS ließ verlauten, eigene Aktivisten hätten Kommandaturen der irakischen Armee im Raum Zawbaa, südöstlich von Falluja angegriffen und diese unter ihre Kontrolle gebracht. Dabei seien 15 Angehörige der irakischen Sicherheitskräfte getötet worden (Aamaq, 17. Dezember 2015). Die Stadt Falluja, die sich zwischen Bagdad und Ramadi befindet, dürfte nach der Befreiung von Ramadi das nächste Angriffsziel der irakischen Armee sein.
Bagdad

Der IS verübt weiterhin Anschläge in der Stadt Bagdad.Am 21. Dezember 2015 wurde ein Polizist bei der Explosion eines am Straßenrand deponierten Sprengsatzes im Südwesten der Stadt verletzt. Offenbar stand der IS hinter dem Anschlag (Al-Sumaria, 21. Dezember 2015).

Samarra
  • Der IS versucht weiterhin, die von der irakischen Armee kontrollierten, nördlich von Bagdad gelegenen Stadt Samarra und deren Umgebung zu destabilisieren.Die Informationsabteilung des IS berichtete, vier Selbstmordattentäter des Islamischen Staates hätten einen mit Sprengstoff präparierten Schützenpanzer und einen ebenso präparierten Traktor in der Nähe von irakischen Sicherheitskräften westlich von Samarra zur Explosion gebracht. Darauf sei es vor Ort Kämpfe zwischen IS-Aktivisten und irakischen Sicherheitskräften entbrannt (Aamaq, 17. Dezember 2015). Am 20. Dezember 2015 berichtete eine Website, die sich mit dem IS identifiziert, der IS habe vier Raketen und 15 Mörsergranaten auf einen Armeestützpunkt in der Stadt Samarra abgefeuert (Akhbar al-Muslimeen, 20. Dezember 2015).
Die Provinz Niniveh
Mosul
  • Amerikanische Sicherheitsquellen melden, im Raum Mosul-Erbil hätten in der vergangenen Woche Kämpfe zwischen IS-Aktivisten und Peschmerga stattgefunden. Es seien die schwerste Kämpfe seit fünf Monaten gewesen. Laut Quellen der Peschmerga seien bei dem Angriff des IS auf kurdische Einheiten südöstlich von Mosul vierzig IS-Aktivisten und einige Peschmerga getötet worden (BBC auf Arabisch, 18. Dezember 2015).Ägypten und die Sinai-Halbinsel

    Ägypten und die Sinai-Halbinsel

  • In der vergangenen Woche dauerten die militärischen Aktivitäten der ägyptischen Sicherheitskräfte gegen den IS-Ableger im Sinai an, besonders im Raum Rafah – Sheikh Zuweid – El Arish. Ägyptische Militärquellen meldeten die Festnahme zahlreicher Terroraktivisten, die Zerstörung von Terrorinfrastruktur und die Sicherstellung von Autos und Motorrädern.
  • Laut Berichten begannen die ägyptischen Sicherheitskräfte in der vergangenen Woche eine breitangelegte Operation in einer Gegend, die Wadi al-Lussan genannt wird und als Rückzugsort von Terroraktivisten bekannt ist. Bei der Durchsuchung der Gegend wurden Schriften mit islamistischen Inhalten und Nachtsichtgeräte sichergestellt (Portal Veto, 20. Dezember 2015). Zwei hochrangige Mitglieder des IS-Ablegers im Sinai, Ibrahim Abu Qaria und Ahmad Sal Abu Zureiq, wurden getötet, als das Fahrzeug, in dem sie saßen, in Südrafah von Hubschraubern angegriffen wurde (Portal Veto, 21. Dezember 2015).
  • Trotz intensiver Sicherheitsaktivitäten des ägyptischen Staates kam es zu weiteren Anschlagsversuchen des IS gegen die ägyptischen Sicherheitskräfte, die zum Teil vereitelt werden konnten:
  • Am 20. Dezember 2015explodierte ein Sprengsatz in der Nähe eines gepanzerten Mannschaftswagens der ägyptischen Sicherheitskräfte an der Küstenstraße beim Hotel Swiss Inn in El-Arish. Dabei kam niemand zu Schaden. Die Provinz Sinai des Islamischen Staates bekannte sich zum Anschlag (mit dem IS affiliiertes Twitter-Konto, 20. Dezember 2015). In der Erklärung des IS hieß es, IS-Aktivisten hätten einen Sprengsatz gegen die Fahrzeugkolonne des stellvertretenden ägyptischen Sicherheitschefs für den Nordsinai, die auf der Küstenstraße in El-Arish unterwegs gewesen sei, zur Explosion gebracht. Der Anschlag sei eine Reaktion auf die Verhaftung von Frauen von Beduinenstämmen im Sinai gewesen (Akhbar Al-Muslimeen, 20. Dezember 2015).
  •  

    Am 19. Dezember 2015entschärften ägyptische Sprengstoffexperten eine Bombe, die an der Hauptstraße in El-Arish platziert war (Al-Masry Al-Youm, 19. Dezember 2015).

    Am 18. Dezember 2015 sprengten die ägyptischen Sicherheitskräfte eine große Bombe, die an der internationalen Straße in Karam al-Kawadis, südlich von Sheikh Zuweid platziert war (Veto Portal, 18. Dezember 2015).

    Am 18. Dezember 2015explodierte ein Sprengsatz in der Nähe eines gepanzerten Mannschaftswagens der ägyptischen Sicherheitskräfte in einem Viertel von El-Arish. Dabei wurde niemand verletzt (Al-Youm Al-Sabea, 18. Dezember 2015).

    Am 17. Dezember 2015 wurden bei einem Sprengstoffanschlag auf ein gepanzertes Fahrzeug der ägyptischen Polizei in El-Arish einige Soldaten getötet und verletzt. Darauf errichteten die Sicherheitskräfte zusätzliche Straßensperren in der Stadt und weiteten die Autodurchsuchungen aus (Al-Watan, 17. Dezember 2015).

Palästinenser und israelische Araber

Zwei Berliner palästinensischer Abstammung wegen Anschlagsversuch gegen israelische Einrichtung angeklagt
  • nIn einem deutschen Gericht begann am 16. Dezember 2015 ein Strafverfahren gegen zwei 21-jährige Berliner, die sich mit dem IS identifizieren. Die beiden werden beschuldigt, einen Anschlag gegen die israelische Botschaft in Deutschland oder eine andere israelische Einrichtung in Deutschland geplant zu haben, der zwischen Dezember 2014 und Juli 2015 hätte stattfinden sollen. Bei den beiden Verdächtigen, die „Mohammed“ und „Ali“ genannt werden (ihre vollen Namen wurden nicht freigegeben), wurden Bestandteile für den Bau eines großen Sprengsatzes gefunden. Im Juni 2015 wurden die beiden verhaftet, als sie versuchten, aus Knallkörpern eine Bombe herzustellen. Die beiden Verdächtigen identifizieren sich mit dem IS und auf ihren Mobiltelefonen wurde Inhalte des IS gefunden (ynet, 16. Dezember 2015).

Der Weltdschihad in weiteren Ländern

Libyen
Sirte
  • Die Informationsabteilung des IS in der Provinz Tripoli veröffentlichte am 19. Dezember 2015 eine Reihe von Fotos, welche die Tätigkeit des IS in der Stadt Sirte dokumentieren sollen. Auf den Fotos sind Mitglieder der Sittenpolizei („Hisba“) zu sehen, die Grabsteine auf dem lokalen Friedhof zerschlagen, sowie das Schariah-Gericht (Akhbar Al-Muslimeen, 19. Dezember 2015).
  • Berichten zufolge beschlagnahmten IS-Aktivisten eine Sendung von Dialyse-Geräten, die auf dem Weg von Tripoli nach Bengasi war und brachten sie kurzerhand in das Krankenhaus von Sirte „zur Verwendung von Muslimen“ (Akhbar Libya 24, 18. Dezember 2015).
  • Die Kontrolle, die der IS über Teile der libyschen Küstenstraße im Raum Sirte ausübt, schneidet Tripoli faktisch von Bengasi ab und erlaubt es dem IS, Waren zu „beschlagnahmen“ die auf dieser Verbindungsstraße transportiert werden (oder Zölle für die Durchfahrt zu erheben).
Algerien
  • Am 18. Dezember 2015 veröffentlichte eine Website, die sich mit dem IS identifiziert, eine Verlautbarung, in der sich die Provinz Algerien des IS zu einem Bombenanschlag mit zwei Sprengsätzen auf Soldaten einer Patrouille der algerischen Armee am Jabal Al-Wahsh in der Stadt Constantine, rund 322 Km östlich der Hauptstadt Algier, bekennt. Bei diesem Zwischenfall wurden einige Soldaten getötet oder verletzt (Akhbar Al-Muslimeen, 18. Dezember 2015).
Westafrika
  • Im Rahmen seiner Propagandakampagne stellt der IS jeden Monat Infografiken ins Netz, welche die Erfolge der Organisation in den verschiedenen Weltregionen dokumentieren sollen. Am 19. Dezember 2015 erschien auf einer mit dem IS affiliierten Website eine Infografik, in der die Terroranschläge dargestellt sind, die IS-Aktivisten in den Monaten Oktober und November 2015 in Westafrika verübt haben. Demnach wurden in dieser Zeitspanne über hundert Angriffe auf staatliche Sicherheitskräfte und 67 Selbstmordanschläge durchgeführt, über 120 Raketen abgeschossen, 24 Panzer und 20 Fahrzeuge verschiedener Art zerstört und 27 feindliche Angriffe gebremst. Bei all diesen Zwischenfällen soll es 1.000 Tote und Verletzte gegeben haben. Der IS soll auch folgendes Kriegsmaterial erbeutet haben: drei Panzer, ein Schützenpanzer, 23 Geländefahrzeuge, eine leichte Waffe und Munition in großer Menge (Akhbar Al-Muslimeen, 19. Dezember 2015). Es handelt sich offenbar vor allem um Aktivitäten in Nigeria durch die Boko Haram-Bewegung, die dem IS-Anführer Abu Bakr Al-Baghdadi die Treue geschworen hat, und möglicherweise auch um Aktivitäten weiterer dschihadistischer Organisationen in Westafrika.

Der Kampf um die Herzen und den Verstand

  • Die Provinz Sinai des IS veröffentlichte in letzter Zeit mehrere Propagandaclips, die sich gegen das saudische Regime richten. Einer der Clips trägt den Titel „Botschaft an unsere Verwandten im Land der beiden heiligen Stätten“ (d.h. Saudi-Arabien). Darin treten drei Vermummte IS-Aktivisten auf, die sich gegen das saudische Königshaus äußern. Der Hintergrund dieser Clips dürfte die Errichtung einer von Saudi-Arabien angeregten arabisch-islamischen Koalition sein und die Abschreckung des saudischen Regimes bezwecken.
  • Nachfolgend die Hauptbotschaften der drei IS-Aktivisten:
  • Der erste Sprecher, der Abu Osama al-Muhajer genannt wird, sagt, der IS breite sich aus und werde Saudi-Arabien befreien wie er den Irak und Syrien befreit habe.
  • Der zweite Sprecher, Abu Fatima al-Jazrawi („von der Arabischen Halbinsel kommend“) genannt, wendet sich an die „kämpfenden Löwen, unsere Brüder“ in den Provinzen Najd, Hejaz und Bahrain und bestärkt sie in ihrem Kampf gegen die „Tyrannen“ (gemeint sind die Regime in Saudi-Arabien und Bahrain). Saudi-Arabien sei zu einer Basis der Koalitionskräfte (der „Kreuzfahrer“) geworden, sagt der Sprecher und fügt an das saudische Königshaus gewandt hinzu, die IS-Aktivisten seien auf dem Vormarsch und näherten sich Saudi-Arabien, so Gott wolle, aus allen Richtungen.
  •  Der dritte Sprecher, Abu Jaafar al-Ansari genannt, stellt fest, dass die „Tyrannen“ auf der Arabischen Halbinsel (d.h. das saudische Königshaus) die „Kreuzfahrer“ (d.h. die USA und den Westen generell) finanziell und territorial unterstützen und direkt an der Tötung von Muslimen im Irak, in Syrien, im Jemen und in Afghanistan teilgenommen hätten (mit dem IS affiliiertes Twitter-Konto; Filesharingseite archive.org, 19. Dezember 2015).