Der Weltdschihad im Blickpunkt (3. – 9. Dezember 2015)

 Der Weltdschihad im Blickpunkt

Der Weltdschihad im Blickpunkt

Abschuss einer Rakete auf Stellungen von Rebellenorganisationen in der Ortschaft Baraghedeh  (Website dabiqnews.com, 4. Dezember 2015)

Abschuss einer Rakete auf Stellungen von Rebellenorganisationen in der Ortschaft Baraghedeh (Website dabiqnews.com, 4. Dezember 2015)

Beschuss von Stellungen der irakischen Armee (Hadem Al-Aswar, 6. Dezember 2015)

Beschuss von Stellungen der irakischen Armee (Hadem Al-Aswar, 6. Dezember 2015)

Ein ägyptischer Soldat wird bei einer Maschinengewehrstellung von einem Schuss eines Scharfschützen des IS getroffen und fällt zu Boden

Ein ägyptischer Soldat wird bei einer Maschinengewehrstellung von einem Schuss eines Scharfschützen des IS getroffen und fällt zu Boden

Die Überreste des mit einer Bombe präparierten Fahrzeugs, das gegen den Gouverneur von Aden eingesetzt wurde

Die Überreste des mit einer Bombe präparierten Fahrzeugs, das gegen den Gouverneur von Aden eingesetzt wurde

Kinder töten gefangene syrische Soldaten (Website alaswar.ml, 5. Dezember 2015)

Kinder töten gefangene syrische Soldaten (Website alaswar.ml, 5. Dezember 2015)


         Die Ereignisse der Woche im Überblick

  • Der “Islamische Staat” im Irak und in Syrien war auch diese Woche intensiven Bombardierungen durch die Luftwaffen der USA und Russlands ausgesetzt, denen sich auch die britische Luftwaffe anschloss. Die Ziele dieser Luftangriffe waren die Erdölanlagen des IS im Norden Syriens, wodurch die Haupteinnahmequelle des IS gekappt werden sollte. Die russischen Angriffe waren von einer Medienkampagne begleitet, in der die Türkei des Ölhandels mit dem IS bezichtigt wurde. Auch der Iran schloss sich dieser antitürkischen Kampagne an. Der türkische Präsident Erdogan reagierte darauf mit der Aussage, er werde zurücktreten, sollte bewiesen werden, dass die Türkei Öl vom IS kaufe.
  • An den verschiedenen Kriegsschauplätzen im Irak und in Syrien kam es in der vergangenen Woche nicht zu nennenswerten Verschiebungen. Erwähnenswert sind dagegen folgende Begebenheiten: Die irakische Armee hielt den Druck auf den IS in der Stadt Ramadi und Umgebung aufrecht, zwischen dem IS und anderen Rebellenorganisationen tobt ein Kampf um die Kontrolle über die Region an der Grenze zur Türkei nördlich von Aleppo, und auch der Machtkampf auf den südlichen Golanhöhen zwischen der mit dem IS affiliierten Al-Yarmuk-Märtyrer-Brigade und anderen Rebellenorganisationen, darunter die Al-Nusra-Front, inklusive gegenseitige Liquidierungen, dauert an.
  • Im kalifornischen San Bernardino beging ein Ehepaar pakistanischer Abstammung ein Massaker (14 Tote, 17 Verletzte). In London verübte ein junger Mann einen Messerstechanschlag in der U-Bahn, wobei er gerufen haben soll, „das ist für Syrien“. Der IS gab bekannt, dass der Mann und die Frau, die den Anschlag in San Bernardino verübt haben, zu seinen Anhängern gehörten, übernahm jedoch nicht die Verantwortung für den Anschlag. Es handelt sich unseres Erachtens um Anschläge, die vom IS inspiriert sind, wie es sie in westlichen Ländern bereits mehrfach gegeben hat, sie sind jedoch nicht direkt vom IS gesteuert.


Der internationale Kampf gegen den IS

Die Angriffe der USA und ihrer Koalitionspartner
  • Diese Woche setzten die USA und ihre Partner der Anti-IS-Koalition ihre Luftangriffe auf Ziele des IS fort. Es wurden einige Dutzend Einsätze mit Bombern, Jagdflugzeugen und Drohnen durchgeführt. Nachfolgend die wichtigsten Angriffe (Website des amerikanischen Verteidigungsministeriums):
  • In Syrienkonzentrierten sich die Angriffe auf die Regionen Marea (nördlich von Aleppo), Ain Issa (nordwestlich von Ar-Raqqah, Deir Ez-Zur und Ar-Raqqah. Unter anderem wurden Fahrzeuge, Gebäude, Aktivisten und Ölfelder angegriffen.
  • Im Irakbefanden sich die meisten Angriffsziele in folgenden Regionen: Albu Hayat (südlich von Haditha), Abu Kamal, Mosul, Ramadi, Sinjar, Sultan Abdallah (südlich von Mosul), Habbaniya und Kisik. Unter anderem wurden Aktivisten, Kampf-, Artillerie- und Scharfschützenstellungen sowie Fahrzeuge angegriffen.
  • Die Anti-IS-Koalition unter Führung der USA gab bekannt, dass sie am 3. Dezember 2015 26 Angriffseinsätze flog und dabei der Erdölförderung des IS in Syrien Schaden zufügte (Daily Star, 4. Dezember 2015). Zudem wurde berichtet, dass bei mehreren Angriffen der Koalition am 5. Dezember 2015 in der Region Ar-Raqqah mindestens 32 IS-Aktivisten getötet und ca. 40 weitere verletzt worden seien.
Amerikanische Maßnahmen gegen den IS
  • Der amerikanische Präsident, Barack Obama,sagte in einer Rede an die Nation, die USA handle zusammen mit ihren Verbündeten, um die Aktivitäten des IS einzuschränken. Seit den Anschlägen in Paris habe die nachrichtendienstliche Zusammenarbeit mit den europäischen Verbündeten zugenommen. Obama fügte hinzu, die USA setze sich gegenüber der Türkei für die Abriegelung der Grenze zu Syrien ein und arbeite sowohl mit muslimischen Staaten als auch mit der muslimischen Gemeinschaft in den USA zusammen, um die extremistische Ideologie zu bekämpfen, die der IS in seinen Netzwerken im Internet zu fördern versucht (Website des Weißen Hauses, 6. Dezember 2015).
  • Der amerikanische Außenminister, John Kerry,sagte, bei Gesprächen mit dem türkischen Präsidenten, Tayyip Erdogan, sei man übereingekommen, den noch ungeschützten türkisch-syrischen Grenzstreifen zu schließen, um den illegalen grenzüberschreitenden Handel mit Erdöl sowie den illegalen Grenzverkehr ausländischer Kämpfer zu unterbinden (Al Jazeera, 2. Dezember 2015).
  • Erklärungen der USA und der Türkei bezüglich der Schließung der türkisch-syrischen Grenze hat es bereits früher gegeben, worauf die Türkei einige konkrete Maßnahmen traf. Diese habensich aber bislang nicht als nicht effektiv erwiesen. Es gilt nun abzuwarten, ob der neuerlich von Kerry bekanntgegebene Beschluss umgesetzt wird.

Das Vereinigte Königreich schließt sich den Angriffen gegen den IS in Syrien an
  • Das britische Parlament verabschiedete am 2. Dezember 2015 mit 390 zu 211 Stimmen einen Plan zur Ausweitung der Angriffe der britischen Luftwaffe gegen den IS in Syrien. Bereits wenige Stunden danach flogen britische Kampfflugzeuge erste Angriffe auf IS-Ziele in Syrien (The Guardian, 3. Dezember 2015). Der britische Verteidigungsminister, Michael Fallon, bestätigte, dass vier britische Kampfflugzeuge von ihrem Luftwaffenstützpunkt auf Zypern aus erfolgreiche Angriffe auf das Ölfeld Al-Umar geflogen hätten (BBC News, 3. Dezember 2015). Das Vereinigte Königreich werde sich langfristig an Einsätzen gegen den IS in Syrien beteiligen, sagte Fallon (The Guardian, 5. Dezember 2015).

Das südöstlich von Deir Ez-Zur gelegene Ölfeld Al-Umar gilt aus größtes Ölfeld Syriens. Es fiel November 2013 in die Hände der Al-Nusra-Front und wurde Anfang Juli 2014 vom IS eingenommen (aawsat.com, 6. Dezember 2015). Die Angriffe britischer Bomber auf Ölanlagen in Al-Umar sind Teil einer umfassenden, auch von Russland und von der internationalen Anti-IS-Koalition unter Führung der USA getragenen Kampagne, die darauf abzielt, die Haupteinnahmequelle des IS zum Versiegen zu bringen.


Deutschland schließt sich den militärischen Anstrengungen gegen den IS an
  • Der Deutsche Bundestag stimmte am 4. Dezember 2015 für den Plan der Bundesregierung, Bundeswehreinheiten in den Krieg gegen den IS in Syrien zu entsenden. In diesem Rahmen wurde der Einsatz von sechs Aufklärungsflugzeugen und einer Fregatte bewilligt, die den nahe der syrischen Küste kreuzenden französischen Flugzeugträger Charles de Gaulle sichern soll. Zudem wurde die Entsendung eines Betankungsflugzeugs und von 1.200 Soldaten bewilligt. Der Beschluss erlaubt der deutschen Luftwaffe jedoch keine Angriffe auf IS-Ziele auf syrischem Territorium (christiantoday.com, 6. Dezember 2015).

Das russische Engagement im syrischen Bürgerkrieg

  • Auch diese Woche setzte die russische Luftwaffe ihre intensiven Angriffe auf Ziele in Nordsyrien fort.Diese konzentrierten sich auf die Regionen Al-Hasakah, Latakia, Hama, Idlib und Homs. In diesem Rahmen griffen russische Kampfflugzeuge auch Treibstofflager in der Provinz Aleppo an (Al-Durar Al-Shamiya, 4. Dezember 2015). Ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums sagte, Russland habe bei seinen Luftschlägen Dutzende von Erdölförderungsanlagen und Raffinerien sowie 1.000 Tanklastwagen des IS getroffen. Demnach reduzierten diese Treffer die Einnahmen des IS etwa um die Hälfte (Fox News, 4. Dezember 2015). Russische Quellen ließen verlauten, dass die russische Luftwaffe seit Beginn des Engagements in Syrien über 2.300 Einsätze geflogen sei, bei denen mehr als 4.100 Terrorziele getroffen worden seien (RT, 5. Dezember 2015).
  • Vor dem Hintergrund der Spannungen zwischen Russland und der Türkei nach dem Abschuss eines russischen Kampfflugzeuges durch die türkische Luftwaffe warf Russland der Türkei generell und dem türkischen Präsidenten Erdogan und seiner Familie im Besonderen vor, mit dem IS Ölhandel zu treiben. Auch die Iraner schlossen sich der Medienkampagne gegen die Türkei an: Mohsen Rezaee, Mitglied des iranischen Schlichtungsrates (“Versammlung zur Erkennung der Systeminteressen”) sagte, der Iran habe Beweise für Erdöltransfergeschäfte zwischen dem IS und der Türkei. Wenn die Türkei keine Kenntnis davon habe, sei der Iran bereit, ihr die entsprechende Information zukommen zu lassen. Die iranischen Berater, die sich in Syrien aufhielten, würden die Routen filmen, über welche Tanklastwagen des IS in die Türkei gelangen würden (Fares, 4. Dezember 2015). Erdogan erklärte dazu, er trete von seinem Amt zurück, wenn die Behauptung bewiesen würde, dass die Türkei Erdöl vom IS kaufe. Kein Staat habe das Recht, die Türkei mit dieser Anschuldigung zu beleidigen, sagte das türkische Staatsoberhaupt.
  • Hohe russische Vertreter und das russische Verteidigungsministerium beteiligten sich an der Medienkampagne, welche die Türkei beschuldigt, Ölhandel mit dem IS zu treiben:
  • Der russische Verteidigungsministerschrieb auf seiner Facebook-Seite, auf amerikanischen Drohnenbildern seien mit Öl beladene Lastwagen zu sehen, die von syrischen Gebieten unter der Kontrolle des IS die Grenze zur Türkei passierten. Diese Bilder würden beweisen, dass der IS Öl für Tayyip Erdogan und seine Familie in die Türkei schmuggle[1] (ibtimed.com, 5. Dezember 2015). Es ließen sich mindestens drei Routen nachverfolgen, auf denen Öl von Syrien aus in die Türkei geschmuggelt werde: eine westliche Schmuggelroute, die an einen Hafen am Mittelmeer führe, eine nördliche Route, die zur Raffinerie in Batman (rund hundert Km von der syrischen Grenze) führe und eine östliche Route, deren Ziel ein großes Transitzentrum in der türkischen Stadt Cizre sei. Der illegale Erdölschmuggel in die Türkei umfasse 8.500 Tanklastwagen, die täglich 200.000 Fass Erdöl in die Türkei brächten, schrieb der russische Verteidigungsminister (RT, 3. Dezember 2015).
  • Der russische Vizeverteidigungsminister, Anatoly Antonow,sagte, die Türkei sei die größte Abnehmerin von IS-Erdöl. Auch er beschuldigte Erdogan und seine Familie sich an der Vermarktung von Erdöl zu beteiligen, das im Herrschaftsgebiet des IS gefördert werde. Das Öl werde auf Tausenden von Tanklastwagen in die Türkei transportiert, so Antonow (Cumhuriyet, 2. Dezember 2015). Vor dem Hintergrund dieser Vorwürfe erklärte der russische UN-Botschafter, Anatoly Churkin, Russland arbeite an einem Resolutionsvorschlag für den UN-Sicherheitsrat, der die Umsetzung des Ratsbeschlusses 2199 aus dem Jahre 2015 zur Verhinderung des illegalen Ölhandels mit Terrororganisationen verbessern soll (RT, 1. Dezember 2015).
  • Das russische Verteidigungsministeriumlud ein Videoclip auf youtube hoch, in dem Lastwagen beim Passieren eines türkisch-syrischen Grenzübergangs in Richtung Türkei zu sehen sind. Diese Lastwagen seien am illegalen Ölhandel zwischen dem IS und der Türkei beteiligt, heißt es (youtube, 2. Dezember 2015).

Die wichtigsten Entwicklungen in Syrien

Allgemeine Übersicht
  • In Nordwestsyrien dauerten die Kämpfe in den Regionen Aleppo und Homs ohne bedeutende Verschiebungen an. Überdies kam es nördlich von Aleppo in der Nähe der türkischen Grenze zu Gefechten zwischen dem IS und anderen Rebellenorganisationen. Der IS , die Al-Nusra-Front und die übrigen Rebellenorganisationen versuchen offensichtlich ihre Kontrolle über Gebiete an der türkischen Grenze zu festigen, um die Nachschubverbindungen in die Türkei aufrechtzuerhalten. All dies vor dem Hintergrund der Meldungen über die Absicht der Türkei, mit amerikanischer Hilfe eine „IS-freie“ Pufferzone in Nordsyrien einzurichten.

Gefechte zwischen den Rebellenorganisationen an der syrisch-türkischen Grenze
  • Diese Woche lieferten sich der IS und ihm feindlich gesinnte Rebellenorganisationen, darunter die Al-Nusra-Front, Gefechte nördlich von Aleppo in der Nähe der türkischen Grenze. Der Schwerpunkt der Kämpfe lag in der Ortschaft Baraghedeh, rund 4 Km südlich der Grenze. Am 3. Dezember 2015 meldete der IS, seine Aktivisten hätten den Ort aus der Hand von anderen Rebellenorganisationen befreit. Kurze Zeit später behaupteten Letztere, die Freie Syrische Armee habe die Kontrolle über den Ort zusammen mit anderen Organisationen wiedererlangt. Den Berichten der Rebellenorganisationen zufolge kamen an jenem Ort über hundert IS-Aktivisten ums Leben (all4syria.info, 3. Dezember 2015).
  • Auch diese Woche dauerten die lokalen Kämpfe zwischen der syrischen Armee und dem IS rund um den Luftwaffenstützpunkt Kweires östlich von Aleppo an. Am 6. Dezember 2015 griff die syrische Armee Berichten zufolge einen Sammelpunkt des IS bei einem 11 Km westlich vom Stützpunkt gelegenen Kraftwerk an. Überdies dauerten die Kämpfe auch an einigen Straßenverbindungen zum Luftwaffenstützpunkt an (syriahr.com, 6. Dezember 2015).
Die Provinz Homs
  • Diese Woche dauerten die Kämpfe südöstlich von Homs an.Laut Berichten bremsen IS-Aktivisten den Vormarsch der syrischen Armee durch Selbstmordanschläge, die viele Opfer fordern. Diese Woche verübten zwei IS-Selbstmordattentäter zwei Sprengstoffanschläge auf die syrische Armee: den ersten bei der Ortschaft Mheen, rund 17 Km westlich der Stadt Al-Quaryatayn, und den zweite auf den Anhöhen von Al-Rumailah (Tilal Al-Rumailah), rund 4 Km nordöstlich von Al-Quaryatayn (Website a3maqagency.wordpress.com, 3. Dezember 2015). Der IS meldete, seine Aktivisten hätten bei  der Stadt Al-Quaryatayn über 85 syrische Soldaten getötet. Unter den Toten sollen sich auf ein syrischer Offizier im Range eines Oberst und drei weitere Offiziere befunden haben (All4Syria, 3. Dezember 2015).
Die südlichen Golanhöhen
  • Diese Woche wurde der „Emir“ Abu Jalibib, der Anführer der Al-Nusra-Front in der Region Daraa, laut Berichten getötet (oder verletzt), als ein Sprengsatz, den Aktivisten der Al-Yarmouk-Märtyrer-Brigaden in der Nähe der Ortschaft Kahil gelegt hatten, in seiner Nähe explodierte (Khatwa, 3. Dezember 2015). Sollte sich diese Nachricht bestätigen, handelt es sich offenbar um eine Vergeltungsaktion der Al-Yarmouk-Märtyrer-Brigaden für die Tötung seiner Anführer durch die Al-Nusra-Front und andere Rebellenorganisationen im Rahmen des Kampfes um die Kontrolle über die südlichen Golanhöhen.

Die wichtigsten Entwicklungen im Irak

Allgemeine Übersicht

Die irakische Armee versucht weiterhin ihre Kontrolle über das Umland von Ramadi im Hinblick auf die Rückeroberung der Stadt aus den Händen des IS zu festigen. Einem unbestätigten Bericht zufolge soll es der irakischen Armee diese Woche erstmals gelungen sein, einige Wohnviertel in der Stadt selbst zurückzuerobern. Der IS versucht derweil, den irakischen Armeeeinheiten, welche die Stadt belagern, durch Selbstmordattentate Verluste zuzufügen.

 

Die Stadt Bagdad und Umgebung
  • In Bagdad gehen die Bombenanschläge des IS in letzter Zeit zurück, wenn sie auch nicht ganz aufgehört haben. Am 4. Dezember 2015 explodierte ein Sprengsatz im Westen der Stadt. Dabei wurde ein Zivilist getötet und sieben weitere verletzt (Baghdad Times, 4. Dezember 2015). Die relative Verbesserung der Sicherheitslage in Bagdad ist auf die Sicherheitsmaßnahmen zurückzuführen, welche die irakische Regierung aufgrund der Welle von Anschlägen des IS getroffen hat.
Provinz Al-Anbar
  • Die Kämpfe in der Provinz Al-Anbar und besonders in der Stadt Ramadi und Umgebung dauerten auch diese Woche an. Die irakische Armee zieht den Belagerungsring um die Stadt zusehends enger, indem sie weite Gebiete im Umland der Stadt unter ihre Kontrolle gebracht und die Versorgungsrouten des IS in die Stadt gekappt hat. Die irakische Armee meldete, am 4. Dezember 2015 dreißig IS-Aktivisten nördlich von Ramadi bei deren Versuch getötet zu haben, den Belagerungsring um die Stadt zu durchbrechen (Baghdad Times, 4. Dezember 2015).
  • Laut Berichten vom 6. Dezember 2015 gelang es der irakischen  Armee, einige Gebiete in der Stadt Ramadi selbst unter ihre Kontrolle zu bringen, darunter die Gebietsabschnitte Tahrir und Al-Qadisiyyah im Al-Tamim-Viertel (Sky News in arabischer Sprache, 6. Dezember 2015). Sollten sich diese Berichte bestätigen, würde es sich um einen beachtlichen Erfolg der irakischen Armee handeln, die bislang nur am Stadtrand und in der Umgebung der Stadt operiert hat, aber nicht auf die Stadt selbst vorgestoßen ist.
  • Der IS versucht seinerseits der irakischen Armee durch Selbstmordanschläge Verluste zuzufügen.Am 5. Dezember 2015 bekannte sich der IS zu fünf aufeinanderfolgenden Selbstmordanschlägen gegen die irakische Armee westlich von Ramadi. Bei den Attentätern handelte es sich um vier Syrer und einen Tadschiken. Die fünf brachten nacheinander fünf mit Sprengstoff präparierte Fahrzeuge zur Explosion (Akhbar al-Muslimeen, 5. Dezember 2015).
Samarra
  • Die Kämpfe in der Region Samarra dauern an.Angesichts der Bedrohung durch den IS hat die irakische Armee die Sicherheitsmaßnahmen rund um die Stadt verschärft. Zudem versuchte sie, die Versorgungslinien des IS im Osten der Provinz Salah Ad-Din zu kappen (Al-Arabi al-Jadeed, 4. Dezember 2015). Am 6. Dezember 2015 wurden auf einer mit dem IS afilliierten Website Fotos von den Kämpfen westlich der Stadt Samarra gepostet (Hadem Al-Aswar, 6. Dezember 2015).

Ägypten und die Sinaihalbinsel

  • Im Verlaufe der vergangenen Woche setzten die ägyptischen Sicherheitskräfte ihre militärischen Aktivitäten gegen den IS-Ableger im Sinai fort, besonders im Raum Rafah – Al-Sheikh Zuweid – El-Arish. Dabei sollen Dutzende von Dschihadisten getötet worden sein. Dutzende von Verdächtigen wurden verhaftet, Waffen beschlagnahmt und zahlreiche Sprengsätze entschärft.
  • Die ägyptischen Sicherheitskräfte erhielten Hinweise über einen Versuch, Waffen, darunter eine große Menge Raketen, für den IS zu schmuggeln. Der Schmuggel fand mit zwei Lastwagen statt, die IS-Aktivisten im südlichen Teil von Rafah gehörten. Die ägyptischen Sicherheitskräfte griffen die Lastwagen aus der Luft mit Hubschraubern an und zerstörten sie komplett (Al-Watan, 6. Dezember 2015).
  • Die ägyptischen Streitkräfte veröffentlichten eine Infografik, welche die Aktivitäten der ägyptischen Grenzwache im November 2015 darstellen soll. Den Daten zufolge wurden im November 478 Waffen verschiedener Art sichergestellt, darunter Gewehre, Handfeuerwaffen, Granaten und Sprengstoff. Zudem wurden demnach 610 Personen verschiedener Staatsangehörigkeit verhaftet, sowohl auf der Sinaihalbinsel als auch entlang der ägyptisch-libyschen Grenze. Überdies sollen im Raum Rafah zwanzig unterirdische Durchgänge zerstört worden sein (Facebook-Seite des Presseamtes der ägyptischen Streitkräfte, 7. Dezember 2015).
  • Trotz dieser Erfolge setzte der IS seine Attacken gegen die ägyptischen Sicherheitskräfte fort:
  • Am 5. Dezember 2015explodierte ein Sprengsatz neben einem Schützenpanzer der ägyptischen Sicherheitskräfte bei Al-Ahrash, nördlich von Rafah. Der Schützenpanzer wurde komplett zerstört. Berichten zufolge wurden dabei ein Offizier im Range eines Oberstleutnants und ein Soldat getötet und drei weitere Soldaten verletzt (محمد ابوصهيب@mohamedabosohib, 5. Dezember 2015).
  • Am 5. Dezember 2015 soll eine Bombe neben einem Schützenpanzer der ägyptischen Polizei südlich von El-Arish explodiert sein (Twitter-Konto eines IS Anhängers im Sinai, 5. Dezember 2015).
  • Am 5. Dezember 2015stellte ein Aktivist, der dem IS nahesteht, ein Bild ins Netz, auf dem zu sehen ist, wie ein ägyptischer Soldat bei einer Maschinengewehrstellung in Al-Ujrah südlich von Raha von einem Scharfschützen des IS getroffen wird (محمد ابوصهيب@mohamedabosohib, justpaste.it, 5. Dezember 2015).
  • Am 6. Dezember 2015 wurden bei der Explosion einer Bombe an der Küstenstraße in El-Arish eine Person getötet und einige Personen verletzt (Al-Masri Al-Youm, 7. Dezember 2015).

Palästinenser und israelische Araber

IS-Anhänger-Zelle in Nazareth ausgehoben
  • Eine Ermittlungsaktion der israelischen Sicherheitskräfte in den Monaten Oktober und November 2015 führte zur Festnahme von fünf jungen Männern in den Zwanzigern aus Nazareth. Die fünf jungen Männer wurden aufgrund von Hinweisen verhaftet, wonach sie Treffen veranstalten und den Umgang mit Waffen üben. Beim Verhör stellte sich heraus, dass sie sich im Verlaufe des letzten Jahres religiös radikalisierten und Unterstützung für den IS äußerten. Die fünf Männer pflegten sich im Geheimen zu treffen und Videoclips im Zusammenhang mit dem IS und mit Reden von mit dem IS verbundenen Geistlichen zu schauen. Zudem sollen sie miteinander über die Notwendigkeit des Dschihad gegen die „Ungläubigen“ gesprochen haben. Gleichzeitig hätten sie sich Waffen beschafft und den Umgang damit in einem Waldstück bei Nazareth geübt. Mindestens ein Zellenmitglied soll den Wunsch geäußert haben, nach Irak und Syrien zu reisen, um in den Reihen des IS zu kämpfen bzw. einen Anschlag „auf die Juden“ zu verüben (Israelischer Inlandgeheimdienst Schin-Bet; ynet, 8. Dezember 2015). 
  • Die Aktivitäten des IS sind in Israel verboten. Am 3. September 2014 erklärte der israelische Verteidigungsminister den IS zur nicht bewilligten Vereinigung. Am 25. Oktober 2015 stufte die israelische Regierung den IS als illegale Organisation ein.

Der Weltdschihad in weiteren Ländern

Libyen
Die Region Derna
  • nDer Tod von Abu Nabil Al-Anbari ist ein Schlag für die IS-Führung in Libyen, und möglicherweise hat er die ohnehin schwierige Situation der Organisation im Raum Derna  und generell im Osten Libyens zusätzlich verschärft. Andererseits dürfte dieser Verlust die militärischen und politischen Kapazitäten des IS im Raum Sirte und generell im Westen des Landes kaum beeinträchtigt haben, wo er seine Position weiter festigt, nachdem er im Osten an Stärke eingebüßt hat.
  • Der Sprecher des Pentagon, Peter Cook, bestätigte, dass einer der Anführer des IS in Libyen im letzten Monat bei einem amerikanischen Luftangriff in der Stadt Derna ums Leben kam. Beim Getöteten handelt es sich um Abu Nabil. Laut Cook war es der erste Angriff der USA auf IS-Anführer in Libyen.
  • Der führende IS-Aktivist, der bei der erwähnten gezielten Tötungsaktion ums Leben kam, war Abu Nabil Al-Anbari aus dem Irak. Er war ein enger Freund des IS-Anführers Al-Baghdadi und hatte zuvor als Gouverneur der irakischen Provinz Salah Ad-Din gedient. Abu Nabil wurde von der Führung des IS nach Libyen geschickt und gehörte der höchsten Führung des IS in Libyen an. Abu Nabil stand im Verdacht, der IS-Aktivist gewesen zu sein, der im IS-Videoclip der Hinrichtung von 21 ägyptischen Kopten an einem Strand in Libyen zu sehen ist (Daily Mail, 7. Dezember 2015).
  • Derweil hält der IS seine Positionen in dem Gebiet Al-Fatah südöstlich von Derna, bedrängt von der lokalen, mit Al-Qaida affiliierten Dschihadistenorganisation und der libyschen Armee, die der Regierung in Tobruk treu ist. Diese Woche veröffentlichte der IS Fotos, auf denen IS-Aktivisten bei militärischen Aktivitäten im Raum Derna, vermutlich im Gebiet Al-Fatah, zu sehen sind (Akhbar Al-Muslimeen, 6. Dezember 2015).
  • Einer der Anführer des IS in Derna, Murad Al-Hasi, auch alsMurad Al-Saba bekannt, wurde von Aktivisten des Al-Qaida nahestehenden Schura-Rates der Dschihad-Kämpfer in Derna hingerichtet. Al-Saba war von Aktivisten des Schura-Rates im Oktober 2015 festgenommen worden (Portal Al-Wasat , 3. Dezember 2015). Das war ein weiterer Schritt des Al-Qaida-Ablegers, um seine Kontrolle in Derna zu festigen und die Überreste der IS-Herrschaft in der Stadt zu beseitigen.
Sirte
  • Ein hoher Offizier der libyschen Armee, welche die Regierung in Tobruk unterstützt, behauptete, IS-Aktivisten übten in Sirte die Steuerung von Flugzeugen mit Hilfe eines modernen Flugsimulators für Passagierflugzeuge, den sie im Oktober 2015 außerhalb Libyens beschafft hätten. Offiziere im Ruhestand aus Libyen und aus anderen Ländern würde dieses Flugtraining leiten. Möglicherweise sei ein weiterer Flugsimulator, einer für Kampfflugzeuge, nach Sirte gelangt.
  • Eine prominente Sicherheitsquelle eines Instituts, das die Aktivitäten des IS in Nordafrika beobachtet, bestätigte, dass es Informationen gibt, wonach IS-Aktivisten in Libyen die Steuerung von Passagierflugzeugen üben. Er fügte hinzu, dass Kampfflugzeuge der libyschen Luftwaffe im vergangenen Monat versucht hätten, zumindest einen solchen Ausbildungsort zu zerstören, doch ohne Erfolg. Die Angriffe der Luftwaffe hätten dazu geführt, dass das Trainingszentrum an einen neuen Ort in der Nähe des Flughafens von Derna (rund 20 Km südlich der Stadt) verlegt worden sei. Auf jenem Flughafen hätten mindestens fünf Flugzeuge gestanden, das heißt zwei Passagierflugzeuge und drei Hubschrauber, die jedoch bei den Kämpfen zerstört worden seien, die dort am Anfang des Jahres stattgefunden hätten (Al-Sharq Al-Awsat, 1. Dezember 2015).
  • Derweil festigt der IS seine Kontrolle über Sirteund rekrutiert (wie im Irak und in Libyen) die lokale Jugend für seine Einheiten. Ende November wurde berichtet, dass in Sirte die Abschlusszeremonie des ersten Ausbildungskurses der „Jungen Löwen des Kalifats“ stattgefunden habe. Am Kurs hätten 85 Jungen im Alter von 14 bis 17 aus Sirte, Nofaliya, Ajdabiya, Bani Walid und Misrata teilgenommen und während 45 Tagen Schießübungen mit verschiedenen Waffen durchlaufen und gelernt, wie man Bomben baue (Bawabat Ifriqya Al-Ikhbariya, 30. November 2015; Portal Al-Wasat, 4. December 2015).

Terroraktivitäten des IS

Vom IS inspirierter Mordanschlag in den USA
  • Am 3. Dezember 2015 ereignete sich ein Terroranschlag in einem Rehabilitationszentrum für Behinderte in der kalifornischen Stadt San Bernardino (östlich von Los Angeles). Dabei wurden 14 Menschen getötet und 17 weitere verletzt.Ein Mann und eine Frau stürmten eine Weihnachtsfeier, schossen wahllos auf die Anwesenden und flüchteten darauf. Am Tatort hinterließen sie einige Rohrbomben. Vier Stunden später wurden die beiden Täter gestellt und bei einem Feuerwechsel mit Polizisten getötet. In ihrem Haus wurde ein großes Waffenarsenal entdeckt.
  • Beim Täter handelte es sich um Syed Rizwan Farook (28), der in den USA geboren ist und aus Pakistan stammt. Er arbeitete als Umwelt- und Nahrungsmittelkontrolleur des Gesundheitsamts von San Bernardino. Der Vater des Terroristen sagte, sein Sohn habe die Ideologie des IS unterstützt und sei in seiner Einstellung zu Israel „obsessiv“ gewesen (CNN, 6. Dezember 2015). Die Frau des Terroristen, Tashfeen Malik (27), die sich ebenfalls am Attentat beteiligte, stammt aus Pakistan. Sie war in der Vergangenheit nach Saudi-Arabien gezogen, heiratete dort ein zweites Mal und zog mit ihrem neuen Ehemann in die USA.
  • Erste Abklärungen des FBI ergaben, dass die beiden Täter Verbindungen zum Islamismus hatten. Syed Farook war ein strenggläubiger Muslim, der sich radikalisierte und über das Internet Verbindungen zu islamistischen Kreisen pflegte.Er reiste nach Saudi-Arabien, wo er seine Frau kennenlernte, und kehrte mit ihr in die USA zurück. Die Frau postete einen Tag vor dem Massaker eine Mitteilung auf Facebook, in der sie dem Anführer des IS die Treue schwörte. Beide Attentäter zerstörten vor der Tat die Festplatten der Computer in ihrem Haus und ihre Handys.
  • Am 4. Dezember 2015 meldete das IS-Informationsorgan Aamaq, bei dem Paar habe es sich um Anhänger des IS gehandelt(Website a3maqagency.wordpress.com, 4. Dezember 2015). Der IS-Radiokanal Al-Bayan verbreitete am 5. Dezember 2015 eine Mitteilung über den Anschlag, der vor ein paar Tagen von “zwei Anhängern des Islamischen Staates in Kalifornien verübt wurde”. „Die beiden haben ein Zentrum in der Stadt San Bernardino im Staat Kalifornien, USA, angegriffen und das Feuer eröffnet, wodurch vierzehn Mensch getötet und über zwanzig Menschen verletzt wurden, gelobt sei Gott“ (Website Arabic.cnn, 5. Dezember 2015). Der IS veröffentlichte jedoch keine offizielle Erklärung, in der er formell die Verantwortung für den Anschlag übernimmt.
Messerstechattacke im Vereinigten Königreich
  • Am 5. Dezember 2015 wurde ein Fahrgast an der U-Bahnstation Leytonstone im Osten Londons von einem jungen Mann mit einem Messer angegriffen. Der Angreifer schlitzte den Hals des Opfers auf und schrie dabei, „das ist für Syrien“ und „hier wird Blut fließen“.Er drohte überdies damit, weitere Fahrgäste anzugreifen. Polizisten, die sich an der Station aufhielten, verhafteten den Täter. Der Fahrgast wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Ein weiblicher Fahrgast wurde bei dem Angriff ebenfalls leicht verletzt.
  • Beim Attentäter handelte es sich um Muhaydin Mire (29) aus dem Osten von London. Den Untersuchungsbehörden zufolge befanden sich auf dem Handy des Attentäters Fotos im Zusammenhang mit dem IS und den Anschlägen der Organisation (CNBC News; New York Daily News, 7. Dezember 2015).
Jemen
  • Der Gouverneur der Stadt Aden, Ja’far Muhammad Sa’ad, und sechs seiner Begleiter kamen am 6. Dezember 20156 bei der Explosion einer Bombe in der Stadt Aden ums Leben.Die Explosion ereignete sich als der Gouverneur mit seinen Bewachern in einer Fahrzeugkolonne zu seinem Amt unterwegs war. Einer Version zufolge explodierte ein parkiertes Fahrzeug als die Fahrzeugkolonne des Gouverneurs den Ort passierte. Laut einer anderen Version stieß ein Selbstmordattentäter mit seinem Fahrzeug direkt mit dem Fahrzeug des Gouverneurs zusammen. Ja’far Sa’ad war General in der südjemenitischen Armee und wurde erst im Oktober zum Gouverneur von Aden ernannt (Website alarabiya.net, 7. Dezember 2015; The Guardian, 6. Dezember 2015).
  • Die Provinz Aden des „Islamischen  Staates“ übernahm die Verantwortung für den Autobombenanschlag und für die Tötung des Gouverneurs.Am 6. Dezember 2015 erschienen auf einer IS-Website Fotos aus der Provinz Aden, auf denen der Moment der Explosion einer Autobombe zu sehen ist, die zum Tod des Gouverneurs geführt haben soll (dabiqnews.com, 6. Dezember 2015).

Terrorvereitelung und vorbeugende Maßnahmen

Thailand
  • Einem Dokument des russischen Geheimdienstes zufolge, das an die Öffentlichkeit gelangte, trafen im Oktober 2015 zehn syrische Staatsbürger in Thailand ein, um dort Anschläge gegen russische Ziele zu verüben. Im Dokument werden die thailändische Polizei und Sondereinheiten der thailändischen Sicherheitskräfte aufgerufen, die Sicherheitsmaßnahmen in Regionen zu verstärken, in denen sich russische Einrichtungen befinden (The Guardian, 4. Dezember 2015).

Der Kampf um die Herzen und den Verstand

Zusammenfassung der Selbstmordattacken des IS im November 2015
  • Am 2. Dezember 2015 veröffentlichte eine Website, die sich mit dem IS identifiziert, eine Infografik, aus der hervorgeht, dass die Organisation im November 2015 54 Selbstmordanschläge verübt hat, die sich wie folgt aufteilen: 28 Attentate auf Sicherheitskräfte der irakischen Regierung, 13 gegen Einheiten des syrischen Regimes, 11 gegen kurdische Einheiten (YPG) und drei gegen die Peschmerga (also total 55 Selbstmordanschläge, einer scheint irrtümlich hinzugekommen zu sein). Aus der Aufteilung nach Provinzen geht hervor, dass 16 Anschläge in der Provinz Al-Anbar verübt wurden, 11 in Al-Hasakah, 7 in Aleppo, 6 in Bagdad, 5 in der Provinz Salah Ad-Din, 4 in Homs, 3 in Niniveh, und je einer in Kirkuk und Deir Ez-Zur (Website a3maqagancy.wordpress.com, 2. Dezember 2015). Diese Zahlen veranschaulichen das große Gewicht, das die Selbstmordanschläge in der terroristisch-militärischen Tätigkeit des IS im Irak und in Syrien einnehmen.
IS-Nachrichtenticker-App für Android-Smartphones
  • Das IS-Propagandaorgan Aamaq führte eine App für Android-Smartphones ein, die es den Anhängern der Organisation ermöglicht, Nachrichtenmitteilungen des IS mit zu verfolgen. Die Berichte umfassen Meldungen über die Entwicklungen an den Kriegsschauplätzen in Syrien und im Irak, Videoclips und Infografiken zu den Aktivitäten des IS. Die App ist leicht zu bedienen und lässt sich im Internet herunterladen. Der Link zum Download wird auf verschiedenen Twitter-Konten veröffentlicht. Die neue App könnte die Antwort des IS auf die Mitteilung von „Anonymus“ sein, wonach 11.000 Twitter-Konten des IS gesperrt worden seien, sowie eine Reaktion auf den Schritt des Kurzmitteilungsunternehmens Telegram, das neulich 78 mit dem IS affiliierte Konten sperrte.
Drohungen gegen die Juden
  • Am 5. Dezember 2015 veröffentlichte der Inhaber eines mit dem IS affiliierten Twitter-Kontos einen Link zu einem Videoclip aus der Provinz Deir Ez-Zur mit dem Titel „An die Juden“. Der Clip beginnt mit einem Foto des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu vor dem Hintergrund einer israelischen Fahne und Bilder eines Soldaten und eines palästinensischen Jungen. Ein IS-Aktivist droht den Juden und den „anderen Ungläubigen“ und sagt, Allahs Fahne werde noch auf dem Weißen Haus und im Herzen von Tel Aviv wehen. Danach werden Szenen gezeigt, in denen Kinder gefangene syrische Soldaten hinrichten (هدم الأسوار@Al_Aswar1, Website alaswar.ml, 5. Dezember 2015).
Hinrichtung eines „russischen Spions“
  • Die Informationsabteilung der Provinz Raqqah des IS veröffentlichte ein Videoclip mit dem Titel „Russen, ihr habt verloren und seid vertrieben worden“. In dem Film ist ein IS-Aktivist beim Köpfen eines „russischen Spions“ zu sehen, der die Umstände seiner Mission und seiner Verhaftung schildert: Ein russischsprachiger Mann in orangefarbenen Häftlingskleidern stellt sich auf Russisch, arabisch untertitelt, als russischer Staatsbürger aus Tschetschenien namens Magomed Khasiyevvor. Er sei vom russischen Geheimdienst in das islamische Kalifat geschickt worden und habe dort spioniert. Nach dem Geständnis wird der Mann geköpft, und auf dem Bildschirm erscheint der russische Schriftzug „Blut fließt wie Wasser“.

[1]Die Russen blieben Beweise dafür schuldig, dass sich die Familie des türkischen Präsidenten am Handel mit Erdöl mit dem IS beteiligt.