Die Tödlichkeit des “Volkswiderstandes”: Analyse der israelischen Verluste in den sechs Jahren Volksterror, der von der Palästinensischen Autonomiebehörde „Volkswiderstand“ bzw. „Widerstand mit friedlichen Mitteln“ genannt wird.


“Hier ist Jerusalem. Verrückte, nehmt euch in Acht!” – Aufwiegelung der Palästinenser zu Messerattacken: Fatah-Plakat, das zum Niederstechen von Israelis in Jerusalem aufruft (Twitter-Account des Mobilisierungs- und Organisationsbüros der Fatah, 4. Oktober 2015). Die Messerattacken, die in Jerusalem und in anderen Landesteilen von Einzeltätern ohne einschlägige Vergangenheit ausgeführt wurden, haben sich zum prägenden Handlungsmuster der neuerlichen Gewaltwelle entwickelt
“Hier ist Jerusalem. Verrückte, nehmt euch in Acht!” – Aufwiegelung der Palästinenser zu Messerattacken: Fatah-Plakat, das zum Niederstechen von Israelis in Jerusalem aufruft (Twitter-Account des Mobilisierungs- und Organisationsbüros der Fatah, 4. Oktober 2015). Die Messerattacken, die in Jerusalem und in anderen Landesteilen von Einzeltätern ohne einschlägige Vergangenheit ausgeführt wurden, haben sich zum prägenden Handlungsmuster der neuerlichen Gewaltwelle entwickelt

Allgemeines

1.      Seit einem Monat erleben wir eine gravierende Welle des Volksterrors, die Teil eines Kampfes ist, den die Palästinensische Autonomiebehörde und die Fatah als “Volkswiderstand” bezeichnen. Die Welle der jüngsten Anschläge, die vor allem von Einzeltätern ausgeht und in erster Linie durch eine („virale“) Häufung von Messerattacken in israelischen Städten und Ortschaften zum Ausdruck kommt, nimmt immer größere Ausmaße an, indem sie sich selbst aufschaukelt. Die Intensität der Gewalt- und Terrorwellen, denen sich Israel in den vergangenen sechs Jahren “Volkswiderstand” gegenübersah, steht unter dem Einfluss der Entwicklungen des israelisch-palästinensischen Konflikts, der innerpalästinensischen Ereignisse, der anhaltenden Hetze unter Verwendung des lügnerischen Slogans, wonach die Al-Aqsa-Moschee gefährdet sei, und des Zornes, der sich bei der jungen palästinensischen Generation aufgestaut hat, welche die gewalttätigen Aktionen und den Terror gegen Israel anführt.

2.      Die Welle des Terrors und der Gewalt, die Israel derzeit überzieht, ist gravierend, sowohl im Hinblick auf deren Folgen (acht Tote auf israelischer Seite[1] und 29 Tote auf palästinensischer Seite) als auch einige ihrer Merkmale betreffend: Terrorattacken in dichter Folge in israelischen Städten, die Kombination von „Terroranschlägen mit militärischem Charakter“ und „Volksterror“, Störung des öffentlichen Lebens in Jerusalem und in anderen Bevölkerungszentren Israels und die negative Ausstrahlung auf die israelischen Araber. Die derzeitige Terrorwelle befindet sich auf dem Höhepunkt (Stand: 15. Oktober 2015), und Israel versucht effektive Gegenmaßnahmen im Sicherheitsbereich und auf gesetzgeberischer Ebene zu ergreifen. Was diese Schritte bewirken und ob die derzeitige Terrorwelle andauern oder noch an Intensität zunehmen oder – bis zur nächsten Terrorwelle – vorübergehend abebben wird (wie es bei den früheren Gewalt- und Terrorwellen in den letzten sechs Jahren der Fall war[2]), ist noch nicht absehbar.

3.      Die Palästinensische Autonomiebehörde und die Fatah, die vor rund sechs Jahren die Politik des „Volkswiderstandes“ beschlossen haben, stellen immer wieder – auch im Verlaufe der jetzigen Terrorwelle – die falsche Behauptung auf, dass es sich um gewaltlosen Widerstand mit friedlichen Mitteln handelt.[3] Mahmud Abbas und andere hohe Vertreter der Autonomiebehörde betonen stets, nicht an einer bewaffneten Intifada interessiert zu sein, zu der die Hamas und andere Terrororganisationen anstiften würden, und dass es die Palästinenser seien, die der unaufhörlichen Aggression Israels ausgesetzt seien. Andererseits stellen sie wiederholt klar, dass der palästinensische „Volkskampf“ weitergeht, wie Mahmud Abbas jüngst erklärt hat.[4] Doch die Prüfung der Folgen des „Volkswiderstandes mit friedlichen Mitteln“ in den letzten sechs Jahren zeigt, dass in diesem Rahmen systematisch Gewalt und Terror eingesetzt werden, die bislang 48 Israelis, vor allem Zivilisten, das Leben gekostet hat. Diese Zahl schließt auch die acht Israelis mit ein, die bei der jetzigen Terrorwelle ums Leben kamen.

4.      Die Anschläge des Volksterrors schließen Steinwürfe, das Werfen von Molotow-Cocktails, Messerattacken und Autoanschläge mit ein. Daneben ereignen sich auch „militärische Anschläge“ (Anschläge mit Schusswaffen, Entführungen und Morde an Israelis). Die militärischen Anschläge passen nicht in das Schema des „Volkswiderstandes“, doch sie begleiten den Volksterror, werden von ihm inspiriert und haben in den letzten sechs Jahren die Mehrzahl der israelischen Todesopfer verursacht. Eine Analyse der Anschläge, bei denen Israelis in den letzten sechs Jahren getötet wurden, zeigt, dass von 48 Todesopfern 31 (also ca. 65%) bei „militärischen Anschlägen“ ums Leben kamen. Diese sind zwar seltener, wirken sich aber tödlicher aus (im Verlaufe der jetzigen Terrorwelle wurden zwei Zivilisten bei einem Anschlag mit Schusswaffen und Messern in einem Linienbus in Jerusalem getötet). Die Palästinensische Autonomiebehörde, die den Aktivisten des „Volkswiderstandes“ politische und propagandistische Rückendeckung gibt,sieht in der Regel davon ab, „militärische Anschläge“ klar und unmissverständlich zu verurteilen, obwohl diese nicht Teil ihres Konzepts des „Volkswiderstandes“ sind.

Die Toten der letzten Terrorwelle

5.      Bei der letzten Terrorwelle wurden acht israelische Zivilisten bei Messerattacken, Autoanschlägen, Anschlägen mit Steinen und mit Schusswaffen getötet. Nachfolgend die Ereignisse im Detail:

a).  Am 14. September 2015, dem Vorabend des jüdischen Neujahrsfestes, kam der israelische Zivilist Alexander Levlovitz ums Leben, als sein Fahrzeug beim Jerusalemer Viertel ArmonHanatziv mit Steinen beworfen wurde und er darauf die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor.

Alexander Levlovitz sel. (Facebook)
Alexander Levlovitz sel. (Facebook)

b)    Am1. Oktober 2015 wurde das Fahrzeug einer Familie, ein Elternpaar und vier Kinder, auf der Straße zwischen Elon Moreh und Itamar in der Nähe des palästinensischen Dorfes Bayt Furik beschossen. Dabei wurde das Ehepaar, Na’ama und Eitam Henkin sel. getötet. Ihre vier Kinder konnten gerettet werden.

Na’ama und Eitam Henkin sel.
Na’ama und Eitam Henkin sel.

c)         Am 3. Oktober 2015 zog ein Terrorist in der Hagai-Gasse in der Jerusalemer Altstadt ein Messer und stach auf drei Mitglieder einer Familie und eine weitere Person ein. Dabei wurden Nehemia Lavi und Aharon Benita getötet.

Links: Aharon Benet sel. (Bechadrei Chadarim, 3. Oktober 2015); rechts: Nehemia Lavi sel. (Foto mit freundliche Genehmigung der Familie veröffentlicht)
Links: Aharon Benet sel. (Bechadrei Chadarim, 3. Oktober 2015); rechts: Nehemia Lavi sel. (Foto mit freundliche Genehmigung der Familie veröffentlicht)

d)    Am 13. Oktober 2015 wurde Alon Gobberg (51) sel. aus Jerusalem bei einer Messerattacke in einem Linienbus im Jerusalemer Viertel Armon Hanatziv getötet.

e)    Am 13. Oktober 2015 kam Chaim Haviv (78) aus Jerusalem bei einer Messerattacke in einem Linienbus im Jerusalemer Viertel Armon Hanatziv ums Leben.

f)     Am 13. Oktober 2015 starb Yeshayahu Akiva Krishevsky (59) aus Jerusalem bei einem Autoanschlag an der Malchei Jisrael-Straße in Jerusalem.

Links: Yeshayahu Akiva Krishevsky sel. (Website Kolhazman, 13. Oktober 2015); rechts: Chaim Haviv sel. (Foto mit freundlicher Genehmigung der Familie veröffentlicht)
Links: Yeshayahu Akiva Krishevsky sel. (Website Kolhazman, 13. Oktober 2015); rechts: Chaim Haviv sel. (Foto mit freundlicher Genehmigung der Familie veröffentlicht)

Anlagen

6.      Die Anlagen zu diesem Dokument analysieren die Terroranschläge, die den Tod von 48 Israelis verursachten, nach diversen statistischen Kriterien und prüfen die Tödlichkeit des Musters der Anschläge, die im Rahmen des „Volkswiderstandes“ oder als „militärische Anschläge“ ausgeführt werden:

a)    Anlage A:Analyse der Ereignisse des sechsjährigen „Volkswiderstandes“, bei denen Israelis getötet wurden.

b)    Anlage B: Vergleich der Zahl der getöteten Israelis in der Zeit des „Volkswiderstandes“ und der ersten und zweiten Intifada.

[1]    Zusätzlich wurden bei der jüngsten Terrorwelle 92 Israelis verletzt, zehn davon schwer, 15 mittelschwer und 67 leicht. 26 Israelis wurden als Schockopfer eingestuft (ynet, 14. Oktober 2015). Auf palästinensischer Seite gab es laut unserer Einschätzung Hunderte von Verletzten.

[2]    Zu einer Zwischenbilanz der Charakteristiken der gegenwärtigen Terrorwelle, siehe die Nachrichten zum Terror und zum israelisch-palästinensischen Konflikt vom 13. Oktober 2015.

[3]    Der „Volkswiderstand“ wird von der palästinensischen Führung auch als „Makauma Salmiya“ (arab. Widerstand mit friedlichen Mitteln) oder „Makauma rir Maslaha“ (arab. unbewaffneter Widerstand) bezeichnet.

[4]    Mahmud Abbas hielt auch im Verlaufe der neuerlichen Gewalt- und Terrorwelle an dieser falschen Darstellung fest. So sagte er etwa bei der Einweihung eines Gebäudes einer Bauunternehmerfirma in Ramallah, „wir benutzen keine Gewalt. Wir glauben an den Frieden und an den Volkswiderstand. Das ist unser Recht, und es ist unsere Pflicht, ihn fortzuführen, solange es Aggression gibt. Wir greifen niemanden an und wollen nicht, dass uns jemand angreift […] wir stärken unseren Brüdern, die Al-Aqsa verteidigen, den Rücken […] Wir wollen Frieden, und unsere Hand ist stets zum Frieden ausgestreckt, trotz des Leids, das wir erfahren…“ (Wafa, 8. Oktober 2015). In einer Rede am 14. Oktober 2015 wiederholte Abbas die übliche Behauptung, dass es die Palästinenser seien, die der „Aggression“ und dem Terror der israelischen Regierung und der jüdischen Siedler ausgesetzt seien. Die Palästinenser würden deshalb den „legitimen Volkskampf“, gestützt auf das Recht der Palästinenser auf Selbstverteidigung, auf ziviler, gewaltfreier Basis fortsetzen (Palästinensisches Fernsehen, 14. Oktober 2015).