Update: Der Terror und der israelisch-palästinensische Konflikt (12. – 19. August 2014)

Rechts: Die palästinensische Delegation bei den Verhandlungen in Kairo (Quds.net, 19. August 2014)

Rechts: Die palästinensische Delegation bei den Verhandlungen in Kairo (Quds.net, 19. August 2014)

Die Feuerpause aus der Sicht der Hamas: eine Zeitbombe, deren Zündschnur immer wieder verlängert wird (PALDF, Hamas Forum, 19. August 2014).

Die Feuerpause aus der Sicht der Hamas: eine Zeitbombe, deren Zündschnur immer wieder verlängert wird (PALDF, Hamas Forum, 19. August 2014).

Das Abkommen zur Feuerpause wird mit einer M75 Rakete aufgesetzt, die eine Minute nach Inkrafttreten des Abkommens auf Tel Aviv abgefeuert wird (Facebookseite des Palestine-info.info, 11. August 2014).

Das Abkommen zur Feuerpause wird mit einer M75 Rakete aufgesetzt, die eine Minute nach Inkrafttreten des Abkommens auf Tel Aviv abgefeuert wird (Facebookseite des Palestine-info.info, 11. August 2014).

Zusammenstöße zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften am Kontrollpunkt in der Nähe von Beit Furik östlich von Nablus (Wafa.ps, 15. August 2014)

Zusammenstöße zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften am Kontrollpunkt in der Nähe von Beit Furik östlich von Nablus (Wafa.ps, 15. August 2014)

Krawalle in der Nähe des Rachel Grabes in Bethlehem.

Krawalle in der Nähe des Rachel Grabes in Bethlehem.

Solidaritätskundgebung zur Unterstützung des Gazastreifens.

Solidaritätskundgebung zur Unterstützung des Gazastreifens.

Solidaritätskundgebung zur Unterstützung des Gazastreifens.

Solidaritätskundgebung zur Unterstützung des Gazastreifens.

Verwundete Palästinenser reisen über den Erez Grenzübergang aus dem Gazastreifen zu medizinischer Behandlung  in die Türkei (Cogat.idf.il, 14. August 2014).

Verwundete Palästinenser reisen über den Erez Grenzübergang aus dem Gazastreifen zu medizinischer Behandlung in die Türkei (Cogat.idf.il, 14. August 2014).

Hazem Abu Murad, der Leiter des Hamas Entschärfungskommandos neben einem entschärften Blindgänger (Facebookseite ovn Ghaza al-A´an, 13. August 2014).

Hazem Abu Murad, der Leiter des Hamas Entschärfungskommandos neben einem entschärften Blindgänger (Facebookseite ovn Ghaza al-A´an, 13. August 2014).

Facebookseite des Islamischen Blocks der Al-Najah Universität mit dem Foto von Palästinensern bei der Vorbereitung von Molotovcocktails; die Aufschrift lautet „der Widerstand verbindet“.

Facebookseite des Islamischen Blocks der Al-Najah Universität mit dem Foto von Palästinensern bei der Vorbereitung von Molotovcocktails; die Aufschrift lautet „der Widerstand verbindet“.

  • in Kairo werden die indirekten, unter der Schirmherrschaft Ägyptens stattfindenden Verhandlungen über eine langfristige Waffenruhe fortgesetzt. Die Gespräche wurden von befristeten Feuerpausen begleitet – die letzte Feuerpause war auf 24 Stunden festgelegt worden, von 00.00 Uhr am 18. August bis 00.00 Uhr am 19. August 2014). In den Nachmittagsstunden des 19. August verstieß die Hamas unilateral gegen die vereinbarte Feuerpause und feuerte drei Raketen auf die Städte Beersheba und Netivot ab – die Feuerpause brach zusammen. Die IDF reagierte mit Luftaufgriffen auf Terrorziele. Die israelischen Medien meldeten, die israelische Delegation sei aus Kairo abberufen worden.
  • In den vergangenen Monaten nahmen in Judäa, Samarien und Jerusalem eingesetzte israelische Sicherheitskräfte  zahlreiche Hamas Militanten in Gewahrsam. Sie waren Teil einer Gruppe, die ein militärisch-terroristisches Netzwerk aufbauen sollte, um in Israel Terroranschläge durchzuführen und gegen die Palästinensische Autonomiebehörde zu agieren. Die Mitglieder des Netzwerks wurden von einem in der Türkei lebenden hochrangigen Hamasverantwortlichene betrieben und von einer Art Kommandogruppe in Jordanien. Bei ihrer Festnahme hatten die Militanten große Mengen Waffen bei sich.
Übersicht
  • Am 11. August 2014wurde ein Abkommen für eine Verlängerung der Feuerpause um weitere 72 Stunden erzielt. Die israelische Delegation und die Delegation der Hamas und der Palästinensischen Autonomiebehörde kamen in Kairo an, um ein von Ägypten ausgehandeltes und auf der ägyptischen Initiative basierendes langfristiges Abkommen zu besprechen. Am 13. August 2014 wurde angkündigt, die Feuerpause  werde um fünf weitere Tage verlängert und die Verhandlungen fortgesetzt. Am 18. August 2014, mit Ende der fünftägigen Verländerung der Feuerpause veröffentlichte Ägypten eine formelle Erklärung und gab bekannt, beide Seiten hätten sich auf eine Verlängerung der Feuerpause um weitere 24 Stunden geeinigt, um die Verhandlungen abzuschließen. In den Nachmittagsstunden des 19. August 2014 wurde die Feuerpause unilateral gebrochen, als aus dem Gazastreifen drei Raketen auf die Städte Beersheba und Netivot abgefeuert wurden.
  • Berichten in den arabischen Medien zufolge sollte das in Kairo verhandelte Abkommen Themen enthalten, zu denen ein theoretisches Einverständnis erzielt werden könnte: die Einstellung der militärischen Auseinandersetzung, die Einleichterung der Einreise in den Gazastreifen, die Ausdehnung der Fischereizone und der Wiederaufbau des Gazastreifens.  Es wurde jedoch auch gemeldet, dass die umstrittenen Themen, die unter den gegenwärtigen Umständen nicht angesprochen werden können, vertagt werden: die Entmilitarisierung des Gazastreifens, der Bau eines Flug- und eines Seehafens, die Öffnung des Rafah Grenzübergangs, die Freilassung der Häftlingen und die Rückführung der Leichen von Gefallenen. Angsichts des Raketenfeuers vom 19. August ist allerdings fraglich, ob in unmittelbarer Zukunft ein Abkommen erreicht werden kann und es ist unklar, welche Form ein solches Abkommen haben könnte.
  • Im folgenden einige Stellungnahmen israelischer und palästinensischer Vertreter:
Israel
  • Der israelische MinisterpräsidentBenjamin Netanjahu eröffnete die wöchentliche Kabinettssitzung mit den Worten: „Wir befinden uns in einer sowohl militärischen, als auch diplomatischen Kampagne. Die israelische Delegation in Kairo hatte vom ersten Tag an klare Vorgaben: die Sicherheitsbedürfnisse des Staates Israel müssen berücksichtigt werden. Nur wenn eine klare Verpflichtung unseren Sicherheitsbedürfnissen gegenüber erreicht wird, werden wir bereit sein, ein Abkommen zu vereinbaren...“ (Webseite des israelischen Ministerpräsidenten, 17. August 2014).
  • Generalstabschef Generalleutnant Benny Gantz erklärte, die Operation sei nicht abgeschlossen. Er sagte, die IDF werde den Staat Israel auch weiterhin verteidigen und unter Einsatz aller Möglichkeiten, aller Methoden jederzeit daraufhinarbeiten. Er fügte hinzu, die Hamas habe durch die Entführung der drei israelischen Jugendlichen und den Beschuss der Städte und Ortschaften im Süden Israels eine Kettenreaktion in Bewegung gesetzt und werde sich jetzt des Umfangs und des Ausmaßes dieses Fehlers bewußt (IDF Sprecher, 13. August 2014).
Die Palästinensische Autonomiebehörde
  • Bei einer Sitzung der palästinensischen Führung in Ramallah erklärte Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas, die bedeutendste Aufgabe bestehe jetzt darin, die Kampfhandlungen einzustellen, danach könnten die anderen Probleme und Forderungen besprochen werden. Er drückte Ägypten seine Hochachtung für die Rolle aus, die Ägypten in den Verhandlungen spielt und erklärte, die Palästinensische Autonomiebehörde fühle sich der ägyptischen Initiative verpflichtet (Palästinensisches Fernsehen, 16. August 2014).
Die Hamas
  • Während in Kairo Gespräche geführt wurfen, verfolgte die Hamas eine breitangelegte und vielschichtige Propaganda:
  • Aufbau eines „Siegesmythos“: Hamas Sprecher Sami Abu Zuhri hielt vor einer Solidaritätskundgebung mit der Hamas in Rafah eine Ansprache, in der er erklärte, israelische Flughäfen befänden sich zum ersten Mal in der Geschichte „im Belagerungszustand“. Er behauptete weiter, Hunderte israelische Soldaten seien getötet, verwundet oder gefangengenommen worden. Er erklärte weiter, die Bewohner der Städte und Ortschaften im Süden Israels könnten nicht nach Hause zurückkehren, da „die Hamas das nicht zulässt“. Er fügte hinzu, angesichts des „großen Sieges“ der Hamas in den kämpferischen Auseinandersetzungen, werde die Hamas ihren Kampf um die Befreiung des palästinensischen Bodens fortsetzen und sich nicht auf die Öffnung der Grenzübergänge beschränken (Al-Aqsa, 17. August 2014). Ein hochrangiger  Hamas Vertreter erklärte, der militärische Flügel der  Hamas habe während der Kämpfe  seine Angriffsfähigkeiten  beibehalten und habe bis zum letzten Moment dieselbe Anzahl von Raketen und dieselbe Art von Raketen abgefeuert. Er erklärte weiter, die Kommunikation zwischen dem militärisch-terroristischen, dem politischen und dem sicherheitsverantwortlichen Flügel der Hamas sei ununterbrochen aufrechterhalten worden (Al-ayyam.com, 9. August 2014).
  • Behauptung: auch nach den Kämpfen verfügt die Hamas über uneingeschränkte militärische Möglichkeiten: Um diese Behauptung zu belegen lud die Hamas Korrespondenten zu Besichtigungen der Kampfgebiete ein, in denen ihre militärisch-terroristischen Militanten ihre Fähigkeiten demonstrierten und die Terrortunnel und Waffenschmieden vorführten (Aa.com.tr, 18. August 2014). Hamasberichten zufolge läuft die Produktion von Langstreckenraketen ununterbrochen weiter.  
  • Drohungen  an Israel, falls die Forderungen der Hamas nicht erfüllt werden:die Hamas machte Israel für den fehlenden Fortschritt in den Verhandlungen verantwortlich und drohte, die gegenwärtige Feuerpause sei die letzte, auf die die Hamas sich eingelassen habe. Ismail Radwan, ein hochrangiger Hamas Militant erklärte, falls Israel die Forderungen der Palästinenser nicht erfülle, habe der „Widerstand“ (sprich: die Terrororganisationen) der „Recht“, alle Mittel einzusetzen, um ihre Ziele zu erreichen. Er fügte hinzu, der „Widerstand“ werde entscheiden, wie der nächste Krieg ablaufen soll, um die Ziele des palästinensischen Volkes zu erreichen. Er erklärte weiter, der „Widerstand“ werde den Kampf gegen Israel fortsetzen und Israel seinen Willen aufzwingen;  der „Widerstand“ fürchte Israel nicht (Alaraby.co.uk, 17. August 2014). 
Aufstellung des wöchentlichen Raketenfeuers auf israelisches Staatsgebiet
  • Im allgemeinen wurden die vereinbarten Feuerpausen (mit Ausnahme der letzten Feuerpausen) von den Terrororganisationen im Gazastreifen eingehalten. Mit heranrückendem Ende der Fristen und bis zur Verlängerung der Vereinbarungen feuerten die Terrororganisationen gelegentlich Raketen auf Israel ab:
  • Am 14. August 2014 wurden auf freiem Feld im der westlichen Negevwüste Raketeneinschläge identifiziert. Es gab keine Verletzten und es wurde kein Sachschaden gemeldet.
  • Am 13. August 2014,  22.00 Uhr, zwei Stunden vor Ablauf der vereinbarten Feuerpause wurde in der westlichen Negevwüste auf freiem Feld ein Raketeneinschlag identifiziert. Es gab keine Verletzten und es wurde kein Sachschaden gemeldet.
  • In den Abendstunden des 13. August 2014 fing das Raketenabwehrsystem „Iron Dome“ über der Stadt Netivot eine Rakete ab. Drei weitere Raketen schlugen in der westlichen Negevwüste auf freiem Feld ein.  

Aufstellung der Raketeneinschläge auf israelischem Staatsgebiet seit Vereinbarung der Feuerpause

Reaktionen der IDF
  • Entsprechend der israelischen Entscheidung, auf jeden Raketenbeschuss Israels zu reagieren, flogen IDF Kampfflugzeuge Angriffe auf eine Reihe von Terrorzielen im Gazastreifen:
  • In der Nacht des13. August 2014 griffen IDF Kampfflugzeuge Terrorziele in Khan Yunis, im nördlichen Gazastreifen und im Raum des mittleren Gazastreifens an.
  • In den frühen Morgenstunden  des 14. August 2014 griffen IDF Kampfflugzeuge Terrorziele, u. a. Raketenabschussstellungen an (IDF Sprecher, 14. August 2014). Palästinensische Medien meldeten, der Raum Beit Lahia und der Osten von Gaza City sei angegriffen worden.
  • Hamas Sprecher Fawzi Barhoum behauptete, die nach Inkrafttreten der Feuerpause von Israel durchgeführten Angriffe stellten einen schweren, ungerechtfertigten Verstoß gegen die Vereinbarung dar und verlangte von Ägypten, Israel von weiteren Angriffen abzuhalten (Maannews.net, Alresala.net, 14. August 2014). 
Aufdeckung eines militärisch-terroristischen Netzwerks der Hamas[3]
  • In den letzten Monaten nahmen israelische Sicherheitskräfte in Judäa,  Samarien und in Jerusalem Dutzende Hamas Militanten in Gewahrsam; sie wurden verdächtigt, den Aufbau eines Terrornetzwerks vorzubereiten, das in Israel Terroranschläge durchführen sollte. Nach Angaben des israelischen Inlandsgeheimdienstes führte das Netzwerk hauptsächlich Anwerbungen von Militanten und Waffenkäufe durch und traf möglicherweise Vorbereitungen zum Umsturz der  Palästinensischen  Autonomiebehörde. DieFestgenommenen waren im Besitz großer Mengen an Waffen, Munition und Bargeld. Das Netzwerk stand unter der Leitung von Riyad Nasser aus Deir Qaddis (im Raum Ramallah), der in Israel zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden war. 
  • Riyad Nasser wurde von Salah Arouri angeworben. Salah Arouri was aus Israel ausgewiesen worden und lebt jetzt in der Türkei[4]. Vor seiner Ausweisung übertrug Arouri Riyad Nasser den Aufbau eines breitangelegten Hamas Netzwerks in Judäa und Samarien, um vor Ort jede Stabilität zu untergraben und zu bekämpfen und sogar eine dritte Intifada auszulösen. Er gründete eine Reihe von lokalen Zellen, deren Leitung er selbst übernahm. Diese Zellen operierten in Nablus, Bethlehem, dem Raum Yatir, in Jerusalem und Tulkarm. Das Netzwerk warb auch Chemiker und Ingenieure an. Nach Angaben des israelischen Inlandsgeheimdienstes hatte sich das Netzwerk u. a. das Ziel gesetzt, die Palästinensische Autonomiebehörde zu stürzen, – dieser Plan befand sich allerdings wohl noch in den ersten Planungsstadien.
  • Darüberhinaus wurde für das Netzwerk in Jordanien unter der Leitung des in Jordanien niedergelassenen  Awda Zaharan eine Art Kommandozentrale eingerichtet. Er wird verdächtigt, als Verbindungsperson zwischen den Militanten in Judäa und Samarien und den Aktivisten im Ausland  fungiert zu haben. Die Militanten des Netzwerks erhielten große Geldsummen, um Waffenkäufe zu tätigen und sichere Lagerplätze vorzubereiten, in denen Waffen gelagert und/oder Waffenschmieden eingerichtet werden können.

Links: Einer der Orte, in denen Waffen gelagert wurden. Rechts: Ein Teil der Waffen, die die Militanten bei sich hatten (Shabak.gov.il, 18. August 2014).
Links: Einer der Orte, in denen Waffen gelagert wurden. Rechts: Ein Teil der Waffen, die die Militanten bei sich hatten (Shabak.gov.il, 18. August 2014).

  • Während des Verhörs der Verantwortlichen ergab sich, dass der Chef des Hamas Politbüros Khaled Mashaal von der Gründung des Netzwerk Kenntnis hatte – er sah die Schaffung eines solchen Netzwerks als „Aufbautätigkeit“ an. Mit  Aufdeckung dieses Planes warnte der israelische Inlandsgeheimdienst den palästinensischen Sicherheitsdienst und die jordanischen Verantwortlichen, da einige Angehörige dieses Netzwerks von Jordanien aus operierten.
  • Weitere Netzwerkangehörige, die angeworben worden waren:
  • Dr. Majdi Mafara, 32 Jahre alt, Militant der Hamas Sicherheitsdienste und Computersachverständiger; wurde in Malaysien für die Hamas angeworben;  Er ist Sachverständiger für Chiffrierung und Cyberkrieg[5]. Er wurde im Mai 2014 vom israelischen Inlandsgeheimdienst in Gewahrsam genomen. Er erklärte, er sei ein Hamas Gesandter und fungiere als Verbindungsperson zwischen Jordanien, der Türkei, Judäa und Samarien.
  • Salah Barakat, 35, israelischer Staatsbürger aus Beit Safafa. Wurde im Juli 2014 in Gewahrsam genommen; er wurde der Zusammenarbeit mit dem Netzwerk verdächtigt. Stand unter dem Verdacht, in Jordanien als Beauftragter des Netzwerks zu wirken.
  • Mahmoud Kafaya, 24, aus Bituniya, wurde verdächtigt, in Judäa und Samarien für die Beschaffung von Waffen verantwortlich zu sein. Nach seiner Festnahme übergab er große Mengen Waffen.
  • Mahmoud Abu Daud, 26, aus dem Raum Hebron. Stand unter dem Verdacht, Terrorzellen aufzubauen, die im Raum Hebron Entführungen und Morde planten. Anfang 2014 wurde er in Verwaltungshaft genommen und begann einen Hungerstreik. Seine Festnahme scheint die Planung der von diesem Netzwerk vorgesehenen Terroranschläge  verzögert zu haben.
  • Die palästinensischen Medien meldeten, Mahmoud Abbas habe die palästinensischen Sicherheitskräfte beauftragt, die in den israelischen Medien veröffentlichten Angaben zu verfolgen und weitere Informationen einzuholen. Er erklärte, diese Nachricht habe eine nicht zu überschätzende Bedeutung  für die politischen Sachverhalte, insbesondere angesichts der von Israel veröffentlichten Namensliste der Verdächtigen, ihrer Geständnisse und der Fotos der beschlagnahmten Waffen (Wafa.ps, 18. August 2014).
Die Häuser der Entführer und Mörderer der drei israelischen Jugendlichen wurden abgerissen
  • In der Nacht des 17. August 2014 rissen israelische Sicherheitskräfte die Wohnhäuser von zwei Terror Militanten ab, die am 12. Juli 2014 in Gush Etzion  die drei israelischen Jugendlichen entführten und ermordeten; das Wohnhaus des dritten Militanten wurde einbetoniert. Dies erfolgte nach einem Gerichtsentscheid im Berufungsverfahren, das die Militanten angestrengt hatten. Ihr Einspruch war abgelehnt worden. Die zwei Wohnhäuser der Terroristen wurden abgerissen. Die Erdgeschosswohnung, in der der dritte Terrorist wohnte,  wurde einbetoniert (er hatte die Terroristen mit der Entführung beauftragt;  er war im Juli südöstlich von Ramallah festgenommen worden). Abriss und Versiegelung der Häuser dauerte etwa sechs Stunden; in dieser Zeit stießen die Sicherheitskräfte nicht auf besonderen Widerstand, – es fanden einige lokale Demonstrationen statt, jedoch ohne besondere Vorfälle (Police.gov.il, 18. August 2014).
  • Nach dem Abriss der Häuser würdigte Hamas Sprecher Sami Abu Zuhri die Familien der Terroristen und erklärte, die Politik der Zerstörung von Wohnhäusern werde die Hamas nicht von ihrem Weg abbringen und Israel werde die Auswirkungen dieser „Verbrechen“ in Judäa und Samarien zu spüren bekommen (Facebookseite von Sami Abu Zuhri, 18. August 2014).
Ereignisse vor Ort
  • In der vergangenen Woche kam es  in Judäa und Samarien im Rahmen des sogenanten „Volkswiderstands“ wieder zu gewalttätige Ausschreitungen. Israelische Zivilpersonen wurden mit Steinen beworfen, israelische Sicherheitskräfte und Fahrzeuge auf den wichtigsten Durchgangsstraßen wurden mit Molotovcocktails beworfen. An den üblichen Reibungspunkten, Bil´in, Ni´lin, Saleh, Kadum,  Beit Umar usw. wurden die sich wiederholenden Freitagsdemonstrationen veranstaltet.
  • Weitere Zwischenfälle:
  • Am 11. August 2014 während eines Antiterroreinsatzes der israelischen Sicherheitskräfte in Qakalan (südlich von Nablus) verbarrikadierte sich ein Terrroverdächtiger in seinem Wohnhaus. Die Sicherheitskräfte unternahme mehrere Versuche, ihn aus dem Haus zu holen. Die Palästinenser schoss auf die Soldaten; sie schossen zurück und wurde getötet (Police.gov.il, 11. August 2014).
  • Am 13. August 2014 nahmen die israelischen Sicherheitskräfte 57 Palästinenser in Gewahrsam, die verdächtig wurden, in verschiedenen Stadtteilen von Ostjerusalem öffentliche Ruhestörungen ausgelöst zu haben (Police.gov.il, 13. August 2014).
Solidaritätsveranstaltungen mit dem Gazastreifen
  • Die Hamas setzt ihre Aufrufe an die Bevölkerung von Judäa und Samarien fort und fordert ihre Unterstützung für den Gazastreifen. Am Freitag, dem 15. August 2014 wurden eine Reihe von Veranstaltungen und Demonstrationen organisiert, bei denen Hamasfahnen geschwungen wurden. In Nablus, Hebron, Ramallah, Jenin und anderen Städten fanden Demonstrationen statt. In Nablus waren auch Fahnen der Izz al-Din al-Qassam Brigaden zu sehen. Während der Demonstrationen kam es zu Zusammenstößen mit den israelischen Sicherheitskräften.

Solidaritätsveranstaltungen mit dem Gazastreifen
Links: Aufruf der Hamas zu einer Demonstration in Hebron unter dem Titel "Wir gehören alle zum Widerstand" (Facebookseite von Ghaza al-A´an, 13. August 2014). Rechts: Post auf der Facebookseite des islamischen Blocks der Al-Najah Universität in Nablus; die Bevölkerung von Nablus wird aufgerufen, am 15. August nach dem Freitagsgebet an einer Demonstration teilzunehmen. Auch die Demonstration steht unter dem Motto „Wir gehören alle zum Widerstand“ (Facebookseite des Islamischen Blocks der Al-Najah Universität, 14. August 2014).

Die Situation an den Grenzübergängen
  • Im Zeitraum zwischen dem 8. Juli und dem 18. August  2014 wurden am Kerem Shalom Grenzübergang 4191 Lastwagen mit Gütern für den Gazastreifen abgefertigt. Im selben Zeitraum wuren 444 Millionen Liter Dieseltreibstoff für das E-Werk, 139 Millionen Liter für die UNRWA  und 714 Millionen Liter Treibstoff, 351 Millionen Liter Benzin und 3624 Tonnen Kochgas  ausgeliefert. Während der Operation „Fels in der Brandung“ lief die Abfertigung am Kerem Shalom Grenzübergang fast ununterbrochen weiter, obwoh der Übergang von Raketen und Mörsergranaten beschossen wurde, die die normalen  Arbeitsvorgänge stark beeinträchtigten. Die Feuerpausen erlaubten die Abfertigung größerer Mengen von Produkten für den Gazastreifen (Cogat.idf.il, 18. August 2014).
  • Zwischen dem 8. Juli und dem 18. August 2014 überquerten 227 Krankenwagen den Erez Grenzübergang und Tausende Personen reisten nach Israel ein. Es handelte sich dabei zum Teil um  ausländische Staatsbürger (1928); in anderen Fällen handelte es sich um Palästinenser, die zu medizinischer Behandlung ausreisten (1676). Dutzende verwundete Palästinenser reisten über den Erez Grenzübergang zu medizinischer Behandlung in die Türkei (Cogat.idf.il, 18. August 2014).
Der Rafah Grenzübergang
  • Der Rafah Grenzübergang blieb fast während des gesamten Zeitraums geschlossen, mit Ausnahme von einigen wenigen,  beschränkten und nicht angekündigten Zeitfenstern. Die Öffnung des Rafah Grenzübergangs stellt für die palästinensische Verhandlungsdelegation in Kairo auch weiterhin ein wichtiges Thema dar. Ägypten besteht darauf, dass jedes Abkommen über den Rafah Grenzübergang in Zusammenarbeit mit der Palästinensischen Autonomiebehörde aufgesetzt wird. Nach Angaben des Ministerpräsidenten der Einheitsregierung  Rami Hamdallah soll der Grenzübergang in Zusammenarbeit zwischen der Palästinensischen Autonomiebehörde und den ägyptischen Behörden betrieben werden. Er erklärte, Ägypten bestehe auf einer palästinensisch-ägyptischen Kontrolle und Überwachung des Grenzübergangs und verlange, dass die palästinensischen präsidentiellen Sicherheitskräfte den Grenzübergang betreiben und ihn in sicherheitstechnischer Zusammenarbeit mit der ägyptischen Seite überwachen (Aawsat.net, 14. August 2014).
  • In einer Stellungnahme zum Vorschlag, dass eine Drittpartei den Rafah Grenzübergang überwache, erklärte eine ägyptische Quelle, die von der EU vorgeschlagene Delegation zur Überwachung des Übergangs könne nur auf der palästinensischen Seite operieren. Die ägyptische Seite, wurde erklärt, stehe unter der alleinigen und ausschließlichen Aufsicht Ägyptens (Almasryalyoum.com, 16. August 2014).
Die Bevölkerung des Gazastreifens
  • Nach Angaben vonUNRWA Sprecher Chris Gunness ist die Zahl der im nördlichen Gazastreifen in UNRWA Notunterkünften untergebrachten Menschen angestiegen. Er sprach von 237,659 Menschen, die sich in den 81 UNRWA Notunterkünften befinden. Die UNRWA stellt Tausenden von Schulen des Gazastreifens, die nicht der UNRWA unterstehen,  verschiedene Dienstleistungen zur Verfügung (Twittermeldung von Chris Gunness, 18. August 2014).
Wiederaufbau des Gazastreifens
  • Der stellvertretende Ministerpräsident und Wirtschaftsminister der nationalen Einheitsregierung Muhammad Mustafa erklärte, für den Monat  September seien zwei Geberkonferenzen zum Wiederaufbau des Gazastreifens geplant. Eine Konferenz sei als internationale Konferenz für Geberstaaten geplant, die Anfang September in Kairo stattfinden soll. Die andere Konferenz soll Ende des Monats, am Rande der UN Generalversammlung stattfinden. Bei dieser Konferenz sollen Wege diskutiert werden, um Unterstützungsgelder für den Haushalt der  Palästinensischen Autonomiebehörde aufzubringen (Al-ayyam.com, 17. August 2014).
  • Das norwegische Außenministeriumkündigte die Entscheidung der norwegischen und ägyptischen Regierung an, mit Unterstützung des Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde eine Konferenz über den Wiederaufbau des Gazastreifens zu organisieren. Die Konferenz soll in Kairo stattfinden; Einladungen zu dieser Konferenz sollen ausgesandt werden, nachdem die gegenwärtig stattfindenden Verhandlungen zu einem Abkommen führen (Webseite des norwegischen Außenministeriums, 18. August 2014).
Hilfsgüter für den Gazastreifen
  • Angesichts der Feuerpause begannen verschiedene Länder, Hilfsgüter in den Gazastreifen zu entsenden:
  • Am 14. August 2014 kündigte der Rote Halbmond der Vereinigten Arabischen Emirate die Entsendung von zwei Flugtransporten von Hilfsgütern für den Gazastreifen an. Sie landeten in Jordanien; die jordanische Wohltätigkeitsorganisation übergab die Güter der UNRWA (WAM.ae, 15. August 2014). 
  • Der Koordinator der türkischen Hilfsorganisation TIKAerklärte, eine humanitäre Hilfslieferung von 12 Lastwagenladungen Nahrungsmittelkonserven und anderen Produkten werde am 19. August 2014 im Gazastreifen eintreffen. Es handelt sich dabei um die zweite Hiflsgüterlieferung für den Gazastreifen (Aa.com.tr, 19. August 2014).
  • Der türkische Rote Halbmondkündigte an, in den nächsten Tagen werde eine Hilfssendung in den Gazastreifen geschickt. Nach Angaben des ägyptischen Außenministeriums und des türkischen Roten Halbmonds handelt es sich um die einzige Organisation, der die ägyptischen Behörden die Genehmigung erteilten, über den Rafah Grenzübergang Hilfsgüter in den Gazastreifen zu liefern (Aa.com.tr, 15. August 2014).
  • Die Regierung von Venezuelaversprach eine Spende von 12 Tonnen humanitärer Hilfsgüter, u. a. Medikamente, Nahrungsmittelkonserven, Kleidung, Schuhe, Toilettenartikel, Krankenhausbetten, Rollstühle und Matrazen. Die Hilfsgüter sollen über den Rafah Grenzübergang ausgeliefert werden. Darüberhinaus sollen verwundete Menschen und Waisenkinder aus dem Gazastreifen nach Venezuela geschickt werden.

Links: Medizinische Hilfsgüter aus Qatar für ein Krankenhaus im Gazastreifen. Rechts: Spenden aus  Groß-Britannien werden in eine UNRWA Schule geliefert (Ghaza al-A´an, 13. August 2014)
Links: Medizinische Hilfsgüter aus Qatar für ein Krankenhaus im Gazastreifen. Rechts: Spenden aus  Groß-Britannien werden in eine UNRWA Schule geliefert (Ghaza al-A´an, 13. August 2014)

Blindgänger fordern Opfer
  • Palästinensische Medien meldeten, am 13. August 2014 seien in Beit Lahia sechs Palästinenser bei zwei Explosionen getötet worden. Vier der Opfer gehörten der Entschärfungseinheit des palästinensischen Innenministeriums an; bei den beiden anderen Opfern handelte es sich um Pressekorrespondenten (ein Italiener und ein Palästinenser). Palästinensischen Berichten zufolge wurden die sechs getötet, als  auf dem Boden liegengebliebene  israelische Blindgänger,  Raketen und Mörsergranaten,  bei einem Entschärfungsversuch explodierten (Paltoday.ps, 13. August 2014).
Vorbereitung von Klagen gegen Israel
  • Bei einer Ansprache in der sudanesischen Hauptstadt Khartoum würdigte  der Außenbeauftragte der Hamas Osama Hamdan diejenigen, die daran arbeiten,  Klagen gegen Israel  im Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag vorzubereiten. Er erklärte, die Hamas werden ihnen das Beweismaterial und Unterlagen über „Israels Verstöße und Verbrechen“ zur Verfügung stellen. Er rief zu einem verstärkten Boykott israelischer Produkte auf und zur Beendigung aller diplomatischen Beziehungen mit Israel (Alaraby.co.uk, 16. August 2014). Hinweis: Auch nach der Operation „Gegossenes Blei“ stellte die Hamas den gegen Israel wirkenden internationalen Verbänden (parteiisches und unzuverlässiges)  „Beweismaterial“ zur Verfügung.
  • Das politische Komitee des palästinensischen Parlaments unter dem Vorsitz von Salim Zaanoun trat in Amman  einer Sitzung zusammen. Nach der Sitzung wurde eine Stellungnahme veröffentlicht, in der das Internationale Komitee des UN Menschenrechtsrates aufgerufen wird, die angeblich von Israel begangenen „Verbrechen“ zu untersuchen und die „Schuldigen“ vor einem internationalen Gericht zur Rede zu stellen. Die Erklärung unterstrich die Notwendigkeit, das Europäische Schuldvertragsübereinkommen zu unterzeichnen, um der Palästinensischen Autonomiebehörde die Möglichkeit zu geben, vor dem Internationalen Strafgerichtshof Klagen gegen Israel einzureichen (Wafa.ps, 14. August 2014).
  • Der Ministerpräsident der nationalen Einheitsregierung Rami Hamdallah erklärte, vor der Klage vor dem Internationalen Strafgerichtshof werde gründliche Vorbereitungsarbeit geleistet werden müssen, um sicherzustellen, dass die Palästinenser die Klage vor Gericht nicht verlieren (Aawsat.net, 14. August 2014).
Der Boykott israelischer Produkte
  • Die in Judäa und Samarien laufende Kampagne zum Boykott israelischer Produkte dauert an. Der Oberste Sharia Richter der Palästinensischen Autonomiebehörde Mahmoud al-Habash untersagte den An- und Verkauf israelischer Produkte, vor allem wenn es für diese Produkte  importierte oder lokal hergestellte Alternativen gibt (PNN TV, 17. August 2014).

Aufrufe zum Boykott israelischer Produkte. Links: Ein Panzer aus israelischen Produkten (Palestine-info.info, 17. August 2014). Rechts: Ein M-16 Gewehr aus israelischen Produkten.  Dem Text nach landen 16% jedes Verkaufs bei der IDF (Ghaza al-A´an, 15. August 2014)
Aufrufe zum Boykott israelischer Produkte. Links: Ein Panzer aus israelischen Produkten (Palestine-info.info, 17. August 2014). Rechts: Ein M-16 Gewehr aus israelischen Produkten.  Dem Text nach landen 16% jedes Verkaufs bei der IDF (Ghaza al-A´an, 15. August 2014) 

[1]        Stand: 19. August 2014. In diese statistischen Angaben bleiben die Mörsergranatenabschüsse und die verfehlten Abschüsse von Raketen, die im Gazastreifen einschlugen, unberücksichtigt. .
[2]              In diesen statistischen Angaben bleiben die Mörsergranateneinschläge unberücksichtigt. .
[3]        Nach Angaben des IDF Sprechers und Haaretz, 19. August 2014
[4]        Salah Arouri wurde im Dorf Aroura im Raum Ramallah geboren. Er war einer der Gründer der Izz al-Din al-Qassam Brigaden in Judäa und Samarien, Mitglied des Hamas Politbüros und Häftlingsbeauftragter der Hamas. Er wurde 2010 mit Ende seiner 18 jöhrigen Haftstrafe aus israelischer Haft entlassen und aus Israel ausgewiesen. Er war Mitglied des Hamas Verhandlungsteams im Shalit Gefangenenaustausch. Arouri lebt jetzt in der Türkei. 
[5]        Es handelt sich hierbei nicht um den ersten Zusammenhang zwischen Malaysien und der Terrortätigkeit der Hamas. In der Nacht des 20. Juli 2014, während der Operation „Fels in der Brandung“ nahmen IDF Soldaten im Raum Qarara (Khan Yunis) einen Hamas Militanten, den kommandierenden Offizier eines Hamastrupps  im Khan Yunis Battalion in Gewahrsam. Während seines Verhörs erklärte er, er habe eine Ausbildung als Deltasegler erfahren, um sich zu einem Terroranschlag nach Israel einzuschleusen. Er erklärte, er sei angeworben und zur Ausbildung nach Malaysien geschickt worden. Auch etwa zehn weitere Mitglieder anderer Battalione seien zur Ausbildung nach Malaysien geschickt worden. Er erklärte, er habe etwa eine Woche in Malysien verbracht (Sahak.govlil, 31. Juli 2014)