Die Al-Nusra Front (Jabhat al-Nusra) ist ein Al-Qaeda angeschlossenes salafistisch-jihadistisches Netzwerk, das unter den Rebellenorganisationen in Syrien eine führende Rolle innehat.


Ziel dieses Netzwerkes ist der Umsturz des Assad Regimes und die Einrichtung eines islamischen Kalifats in Groß-Syrien, ein Zentrum für regionalen und internationalen Terror und Subversion 

Das Abzeichen der Al-Nusra Front (ihr voller Name lautet: die Front für die Unterstützung der Bewohner Groß-Syriens). Es zeigt die Landkarte von Syrien, den islamischen Halbmond und die Silhouette eines Jihad Kämpfers (Almadenahnews.com Webseite).
Das Abzeichen der Al-Nusra Front (ihr voller Name lautet: die Front für die Unterstützung der Bewohner Groß-Syriens). Es zeigt die Landkarte von Syrien, den islamischen Halbmond und die Silhouette eines Jihad Kämpfers (Almadenahnews.com Webseite). 

Übersicht
Al-Qaeda verschanzt sich in Syrien

1.   Während des syrischen Bürgerkrieges etablierten sich zwei Flügel von Al-Qaeda unten den Rebellen Organisationen, die das Regime von Bashar Assad umstürzen wollten. Die bedeutendste Gruppe ist die Al-Nusra Front (Jabhat al-Nusra), die dem Al-Qaeda Führer Ayman al-Zawahiri direkt untersteht. Die andere Gruppe ist der Islamische Staat im Irak und Groß-Syrien, die der Al-Qaeda im Irak untersteht. Darüberhinaus operieren in Syrien auch andere salafistisch-jihadistische Militärorganisationen, die nicht unbedingt Al-Qaeda angeschlossen sind. Beide Al-Qaeda Flügel verfügen über etwa 6000 – 7000 Aktivisten; diese Zahl ist unserer Einschätzung nach im Wachstum begriffen.

2.   Diese Studie beschäftigt sich hauptsächlich mit der Al-Nusra Front[1]. Diese Organisation wurde Ende Januar 2012 gegründet, zehn Monate nach Ausbruch des Aufstands in Syrien. Ursprünglich operierte sie als Zweig des Islamischen Staates im Irak, eines salafistisch-jihadistischen Netzwerks, der Al-Qaeda im Irak angeschlossen ist. Um ihren Status offiziell anzumelden, kündigte Abu Bakr al-Baghdadi, der Führer von Al-Qaeda im Irak und in Al-Sham (Groß-Syrien) den Zusammenschluss beider Organisationen an, die den Namaen „Der Islamische Staat im Irak und in Al-Sam (Groß-Syrien)“ tragen soll. Die Al-Nusra Front hielt sich jedoch nicht an diese Abmachung, Al-Qaeda Führer Ayman al-Zawahiri löste den Zusammenschluss im Juni 2013 auf. Er behauptete, die Front stelle den offiziellen Al-Qaeda Zweig in Syrien dar. Diese Haltung führte zu einem Bruch zwischen den beiden Zweigen von Al-Qaeda in Syrien – heute stehen sich diese beiden Zweige feindlich gegenüber und vestehen sich als Widersacher.

3.   Die Al-Nusra Front identifiziert sich mit der salafistisch-jihadistischen Ideologie von Al-Qaeda. Ihr Ziel ist die Schaffung eines islamischen Kalifats in Groß-Syrien, zu dem Syrien, der Libanon, Jordanien, Israel und der Palästinensische Autonomiebehörde gehören sollen und in dem das islamische Religionsgesetz (die Sharia) gelten soll. Die Al-Nusra Front steht Israel und der westlichen Welt feindlich gegenüber, lehnt westliche Werte ab ( u. a. die Demokratie, den Pluralismus und die Religionsfreiheit) und lehnt jede westliche Intervention in den syrischen Bürgerkrieg ab. Sie ist auch den syrischen Minderheitssekten und Religionen gegenüber feindlich eingestellt, insbesondere feindet sie die Alawiten und die Shiiten an, die sie als Ungläubige ansieht. Sie versteht den Jihad als erklärte Strategie zum Umsturz des syrischen Regimes und zur Verwirklichung ihrer übrigen, langfristigen Ziele. Sie versteht den Jihad als persönliche Pflicht jedes einzelnen Muslimen (entsprechend der Doktrin von Abdullah Azzam, Osama bin Ladens ideologischem Mentor).

4.    Sowohl die Al-Nusra Front, Al-Qaedas Vertreter in Syrien, als auch der Islamische Staat in Irak und Groß-Syrien verfolgen langfristige Ziele: das erste Ziel besteht darin, Gruppen von Rebellen zu gewinnen und in Syrien eine feste Grundlage für den Jihad zu schaffen, der den Umsturz des Assad Regimes unterstützen soll. Dies soll durch eine (wenn auch zeitlich begrenzte und unvollständige) Zusammenarbeit mit anderen Gruppen von Rebellen erfolgen, insbesondere mit Gruppen, die ebenfalls eine isalmistische Ausrichtung besitzen. Im zweiten Stadium soll das neue syrische Regime, das aus einer Union aller in Damaskus operierender salafistisch-jihadistischen Kräfte besteht, übernommen werden oder zumindest soll ausschlaggebender Einfluss auf diese Kräfte gewonnen werden. Im dritten Stadium soll ein jihadistisches Regime in Damaskus eingerichtet werden (oder jedes andere Regime, das eine jihadistische Ausrichtung besitzt) um ein islamisches Kalifat in Groß-Syrien einzurichten, das als erste Frontlinie für Al-Qaeda und den Globalen Jihad im Herzen des Nahen Ostens fungiert. Dieses Regime wird von den Golanhöhen aus eine Terrorkampagne gegen Israel führen, den Terror in den Westen und andere Länder der Welt tragen und als Zentrum für islamische Subversion und Terror gegen pro-westliche arabische und islamische Staaten fungieren.


Einschätzung der militärischen Fähigkeiten der Al-Nusra Front

5.   Die Al-Nusra Front ist die bedeutendste, aktiv an den Kämpfen im syrischen Bürgerkrieg involvierte, salafistisch-jihadistische Organisation. Sie steht unter der Leitung ihres Führers Amir („Führer“ – ein verbreiteter Titel in zeitgenössischen jihadistischen Organisationen). Dieser Titel bezieht sich auf einen Anführer, der sowohl politische, als auch religiöse Autorität besitzt, wie schon in den Anfängen des Islam festgelegt. Ihm unterstehen lokale Anführer (u´maraa) in syrischen Städten und Lankreisen (manchmal gibt es in einem Landkreis mehr als einen amir). Die höchste Instanz in der Al-Nusra Front bildet der Majlis Shrua al-Mijahedeen (der Beirat der Jihad Kämpfer). Innerhalb der Führungsspitze gibt es eindeutig festgelegte Funktionen von Gruppenleitern und Aktivisten, die die Militäroperationen leiten, Fundraising betreiben, Waffenkäufe tätigen und sie nach Syrien einschmuggeln, religiöse Angelegenheiten regeln, Geheimdienst- und Öffentlichkeitsarbeit betreiben. DieAl-Nusra Front betreibt Militäreinheiten in den verschiedenen Landkreisen. Sie werden alle als Battalione oder Kompanien bezeichnet. Zu ihnen gehören Lenkungsformen, religiöse und geheimdiensttechnische Netzwerke, deren Ziel darin besteht, den Einfluss der Al-Nusra Front innerhalb der Bevölkerung zu verstärken, ihr Vertrauen zu gewinnen und das Vakuum zu füllen, das mit den Zusammenbruch des syrischen Regierungsapparates in vielen Teilen Syriens entstanden ist.

6.   Der Al-Nusra Front Führer vor Ort nennt sich Abu Muhammad al-Julani (es gibt widersprüchliche, unbestätigte Meldungen über seinen wirklichen Namen). Er ist anscheinend Syrier, möglicherweise von den Golanhöhen, und hatim Irak, bei den Kämpfen gegen die USA und seinen Verbündeten Kampferfahrung gesammelt. Er gehörte in der Vergangenheit zu den Anhängern von Abu Musab al-Zarqawi, der die von Al-Qaeda nach der amerikanischen Invasion im März 2003 in den Irak entsandten Jihad Kämpfer anführte. Nach Beginn des Aufstands in Syrien wurde Abu Muhammad al-Julani von Al-Qaeda im Irak nach Syrien geschickt, um die Al-Nusra Front zu gründen. Andere Al-Qaeda Aktivisten, die im Irak Erfahrung sammeln konnten, sind ebenfalls in der Führungsspitze der Al-Nusra Front zu finden, während das Fußvolk aus syrischen Aktivisten besteht und aus Tausenden Jihad Kämpfern aus der arabisch-muslimischen Welt (insbesondere aus Libyen, Tunesien, Tscheschnien, Saudi Arabien und Ägypten) und vielen Hunderten aus westlichen Ländern (auffallend sind die 500 – 600 Freiwilligen aus Europa, hauptsächlich aus Frankreich und Groß-Britannien). Die Überlebenden sollen nach Beendigung der Kampfhandlungen in ihre Heimatländer zurückkehren und den Jihad in ihren Heimatländern verbreiten (etwa 5000 Ausländer sollen sich gegenwärtig an den Kämpfen in Syrien beteiligen, – die meisten haben sich der Al-Nusra Front angeschlossen).

7.   Die Al-Nusra Front hat die Verantwortung für Hunderte von Angriffen übernommen. Ihre Einsätze und die Einsätze des Islamischen Staates im Irak und Groß-Syrien konzentrieren sich auf Damaskus und seine Umgebung und die nördlichen und östlichen Teile Syriens (Aleppo, Homs, Hama, Idlib und Deir ez-Zor). Die Al-Nusra Front führt im Raum Daraa, im Südwesten Syriens, in dem Gebiet, in dem der Aufstand gegen das Assad Regime begann, intensive Militäraktionen durch. In einigen Landkreisen im Norden und Osten Syriens genießt die Al-Nusra Front (in Zusammenarbeit mit anderen islamischen Organisationen) erhebliches Ansehen und großen Einfluss auf die ortsansässige Bevölkerung. An der Küste jedoch, die von der alawitischen Bevölkerung bewohnt wird, (im Raum Tartus und Latakia) oder im Landkreis Al-Suwayda im südlichen Syrien, in dem die drusische Bevölkerung die Mehrheit bildet, sind die Al-Nusra Front und die anderen jihadistischen Organisationen militärisch und verwaltungstechnisch nicht besonders präsent. Die Al-Nusra Front versucht sich auf den Golanhöhen einzunisten. Unserer Einschätzung nach besitzt sie dort noch keine bedeutende Präsenz, obwohl sie einen Selbstmordanschlag im Dorf Sasa unternommen hat, bei dem ein bedeutendes Symbol des syrischen Regimes beschädigt wurde. (Bei dem Anschlag wurde das Hauptquartier des militärischen Geheimdienstes im Landkreis Quneitra zerstört).

8.   In den obengenannten Landkreisen führt die Al-Nusra Front eine Guerillakampagne gegen Basen, Einrichtungen und Einzelpersonen, die mit der syrischen Armee und dem syrischen Regime verbunden sind (insbesondere gegen Armee- und Sicherheitskräfte und Regierungseinrichtungen). Ihr Ziel ist es, ein Chaos herbeizuführen, dem das Regime und seine Anhänger hilflos gegenüberstehen. Die Verbindungen zwischen den verschiedenen Lankreisen sollen verhindert werden, die Möglichkeit, das Land zu regieren, soll völlig unterbunden werden, wodurch die Al-Nusra Front (und anderen Rebellengruppen) die Kontrolle über große Landesteile gewinnt, insbesondere in nördlichen und östlichen Teil Syriens. Zu diesem Zweck setzt die Al-Nusra Front eine Vielzahl von Kampftaktiken ein: Autobomben, die von Selbstmordattentätern oder durch Fernbedienung ausgelöst werden; Selbstmordattentäter mit Sprengstoffgürteln; Angriffe auf Basen, Einrichtungen und Flugzeuglandeplätze mit leichten Waffen und Mörserraketen; Explosionen von improvisierten Sprengkörpern an Hauptlandstraßen (die Aktivisten der Organisation haben im Irak große Erfahrung mit Sprengkörpern sammeln können); Angriffe von Straßensperren der Armee und Sicherheitskräfte.

9.   Selbstmordanschläge bilden das Markenzeichen der Al-Nusra Front (die Organisation hat die Verantwortung für die große Mehrzahl der in Syrien durchgeführten Selbstmordattentate übernommen). Selbstmordanschläge, insbesondere die Anschläge, die Zentren des syrischen Regimes in Damaskus und Aleppo angreifen, haben der Al-Nusra Front einen operationellen Bonus erteilt, der dem syrischen Regime großen Schaden zugefügt hat – erfolgreiche Anschläge schaffen ein negatives Image. Der Westen und die arabisch-muslimischenStaaten verfolgen mit wachsender Sorge, wie Al-Qaeda Elemente die Ränge der Rebellen infiltrieren und demnach weniger gewillt sind, die Gegner des syrischen Regimes zu unterstützen. Die Selbstmordanschläge verstimmen einen Teil der syrischen Öffentlichkeit, da sie manchmal völlig willkürlich durchgeführt werden und unschuldige Zivilisten töten, die ganz einfach zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Offensichtlich wurde der Einsatz von Selbstmordattentätern vom Irak inspiriert, – dort haben die Al-Qaeda Organisationen große Massenangriffe durchgeführt, bei denen zahlreiche Zivilisten getötet und verletzt wurden.

10.          Die Al-Nusra Front und andere salafistisch-jihadistische Organisationen kollaborieren mit islamischen Rebellengruppen, die die Al-Qaeda Ideologie nicht unbedingt teilen. Es gibt auch eine ad-hoc Zusammenarbeit zwischen ihnen und der Freien Syrischen Armee, der Organisation die den Kampf gegen das syrische Regime anführen. Diese Organisation ist syrisch nationalistisch und sekulär ausgerichtet (obwohl eine große Zahl ihrer Kämpfer eine deutliche islamistische Ausrichtung an den Tag legen). In manchen Gebieten besteht trotz der Rivalität zwischen diesen Organisationen, eine militärische Zusammenarbeit zwischen der Al-Nusra Front und dem Islamischen Staat im Irak und Groß-Syrien. Andererseits herrscht eine gewisse Spannung zwischen der Al-Nusra Front und anderen salafistisch-jihadistischen Organisationen einerseits und der Freien Syrischen Armee andererseits, die in manchen Fällen in gewalttätige Zusammenstöße ausartet. Es herrschen auch Spannungen innerhalb der salafistisch-jihadistischen Organisationen selbst. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt und solange der Kampf gegen die syrische Armee, ihren gemeinsamen Feind, andauert, sind sie bereit, ihren grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten außer Acht zu lassen, um ein Abrutschen in eine allumfassende Konfrontation zu vermeiden. Am „Tag danach“ oder vielleicht noch früher, kann ein gewalttätiger Kampf ausbrechen, um das Wesen und das Image des zukünftigen syrischen Regimes zu bestimmen, in der die Al-Nusra Front eine vorrangige und ausschlaggebende Rolle spielen soll.

Humanitäre Unterstützung der syrischen Bevölkerung

11.    Viele Gebiete im Norden und Osten Syriens sind in den Einflußbereich der Al-Nusra Front und anderer Rebellengruppen gefallen und haben sich in sogenannte „befreite Zonen“ verwandelt. Für die Al-Nusra Front ist es besonders wichtig, der ortsansässigen syrischen Bevölkerung Unterstützung und Hilfe zu leisten und in den Gebieten, in denen das syrische Regime die Oberherrschaft verloren hat, eine alternative Verwaltungsstruktur anzubieten. Zu diesem Zweck hat die Al-Nusra Front in den verschiedenen Gebieten einschlägige Strukturen eingerichtet. Sie verteilen Nahrungsmittel, Kleidung, Decken und andere notwendige Güter und bieten auch juristische, polizeiliche, schulische und gesundheitstechnische Dienste an. Westliche Korrespondenten, die diese „befreiten Zonen“ besucht haben berichteten in den meisten Fällen, dass die ortsansässige Bevölkerung mit ihrem Alltag zufrieden ist, -das Leben sei nach dem Zusammenbruch der lokalen syrischen Verwaltung zu einer gewissen Normalität zurückgekehrt. An manchen Orten waren jedoch Beschwerden zu hören, insbesondere über den strikten Verhaltenskodex, der verbindlich eingeführt wurde (das Bestehen auf „züchtiger“ Kleidung für Frauen z. B.) und Greueltaten (Beschlagnahme von Ressourcen, Tötung von Gefangenen, Misshandlung von Angehörigen der Minderheiten).

12.    Im Norden Syriens haben die Al-Nusra Front und ihre Verbündeten die vitalen regierungseigenen Einrichtungen erfolgreich eingenommen, u. a. die Öl- und Gasfelder, die Pipelines, Dämme, E-Werke und Getreidesilos. Die Front und andere Rebellengruppen betreiben diese Einrichtungen, zum Teil in stillen Übereinkommen mit dem syrischen Regime (sie liefern dem Regime, das sie bekämpfen, gegen Entgelt Erdöl und Erdgas. Die Profite (insbesondere die Einnahmen aus den Ölfeldern) liefern der Al-Nusra Front ein hohes monatliches Einkommen, das ihr die Möglichkeit gibt, ihren Aktivisten einen Monatslohn zu zahlen, Waffenkäufe zu tätigen und die Bevölkerung zu unterstützen.

Einschätzung der Risiken für Israel, die westliche Welt und pro-westliche arabisch-muslimische Länder

13.    Der Bürgerkrieg verwandelte Syrien in einen Anziehungspunkt für Aktivisten von Al-Qaeda und dem Globalen Jihad – immer größere Gruppen von „Kämpfern“ reisen nach Syrien ein. Aus dem Irak, anderen arabisch-muslimischen Ländern und dem Westen angereiste Jihadkämpfer schlossen sich den lokalen syrischen Aktivisten an und gründeten jihadistische Organisationen wie u. a. die Al-Qaeda angeschlossene Al-Nusra Front und den Islamischen Staat im Irak und Groß-Syrien. Einige der Freiwilligen schlossen sich der Freien Syrischen Armee und anderen islamistischen Militärorganisationen an, die keine Verbindung mit Al-Qaeda und dem Globalen Jihad unterhalten. Manche Aktivisten wandern von einer Organisation zur anderen und landen in jihadistischen Organisationen mit verbesserten militärischen Fähigkeiten und einer starken ideologischen Anziehungskraft. Zu diesem Zeitpunkt ist es kaum möglich, den Ausgang des Bürgerkrieges vorherzusehen, einzuschätzen, wie die relative Macht der Al-Nusra Front und der anderen jihadistischen Organisationen sich entwickelt, wie das Kräftegleichgewicht zwischen den verschiedenen, dem Globalen Jihad und den nationalen syrischen oder den islamistisch-syrischen Kräften sich entwickelt und wie die Ereignisse der zweiten Runde des regionalen Aufstands in Ägypten sich auf die Macht der verschiedenen Organisationen und den Verlauf des Bürgerkrieges in Syrien auswirkt.

14.    Zum gegenwärtigen Zeitpunkt (Sommer 2013) bildet die Al-Nusra Front, die von den USA und einer Reihe europäischer Staaten als Terror Organisation eingestuft wurde, eine der von den Rebellen am höchsten eingeschätzten Organisationen. Diese Hochachtung ist auf ihre operationellen Fähigkeiten und den Einfluss auf die Bevölkerung zurückzuführen. Als ihre höchste Priorität sieht die Organisation gegenwärtig den Kampf gegen das syrische Regime, um zu seinem Umsturz zu führen. Im Moment geht es nicht darum, das islamische Religionsgesetz in Syrien einzuführen oder eine Agenda des regionalen oder globalen jihadistischen Terrors umzusetzen. Zu diesem Zweck verhält sich die Organisation größtenteils äusserst pragmatisch und schließt sich anderen Rebellenorganisationen an (u. a. auch denjenigen, die Al-Qaeda gegenüber Vorbehalten anmelden). In den Gebieten, die die Al-Nusra Front beherrscht, zwingt sie im allgemeinen der syrischen Bevölkerung ihre radikale Ideologie nicht auf, sondern investiert sehr große Anstrengungen in die Unterstützung der ortsansässigen Bevölkerung und in der Erfüllung der verwaltungstechnischen Aufgaben und füllt damit das entstandene Vakuum in den „befreiten Zonen“.

15.    Unserer Einschätzung nach kann man davon ausgehen, dass die Al-Nusra Front und andere salafistisch-jihadistische Organisationen in mittel- und langfristiger Zukunft Versuche unternehmen werden, im syrischen Aufstand das Heft in die Hand zu nehmen (falls der Aufstand gelingt) und ihre Vision eines islamischen Kalifats in Groß-Syrien umzusetzen. Unserer Einschätzung nach werden sie bei der Umsetzung ihres Zieles großen Schwierigkeiten gegenüberstehen, die mit Syriens politischem und sozialen Charakter als Staat mit zahlreichen ethnischen Gruppen und Religionen zusammenhängen und mit der regierungstechnischen und ideologischen Tradition des sekulären arabischen Nationalismus. Darüberhinaus gibt es zahlreiche Unterschiede zwischen den in Syrien operierenden islamischen Organisationen; sogar unter den Al-Qaeda angeschlossenen Organisationen bestehen große Unterschiede. Man kann also davon ausgehen, dass die Al-Nusra Front nur geringe Chance besitzt, die syrische Revolution für sich einzunehmen und in Syrien ein Al-Qaeda angeschlossenes Regime einzurichten. Dennoch besitzt unserer Einschätzung nach die Al-Nusra Front die Fähigkeit größeren Einfluss zu gewinnen. Sie könnte sich, eventuell auch am `Morgen danach` zu einem dominanten Teilnehmer auf der Rebellenbühne entwickeln. Eine solche Kraft müsste anerkannt werden und könnte nur unter sehr großen Schwierigkeiten unterdrückt werden.

16.    Gegenwärtig gilt die Al-Nusra Front wegen ihrer militärischen und finanziellen Fähigkeiten, ihrer effektiven Kommandostruktur und Kontrolle und der tiefsitzenden ideologischen Verpflichtung ihrer Aktivisten unter den Rebellenorganisationen als führend. Auch wenn sie nicht in die Führung der syrischen Revolution übernehmen sollte, wird sie unserer Einschätzung nach einen wichigen Faktor in der Gestaltung ihres religiös-sektärischen Charakters darstellen, sie wird Syrien destabilisieren und es jedem syrischen Regime sehr erschweren, die Regierungsfunktionen wahrzunehmen (ob es sich dabei um ein geschwächtes Assad Regime handelt oder ein Regime, das von einer unsoliden Koalition von Rebellenorganisationen getragen wird). Unter Berücksichigung der langfristig zu erwartenden Möglichkeit einer schwachen Regierungsausübung durch das Verwaltungszentrum in Damaskus könnte sich die Al-Nusra Front als stärker erweisen und somit die Ereignisse in Syrien beeinflussen. Sie wird versuchen, ihren Status auszunützen, um ihre (und Al-Qaedas) übergeordnetes Ziel zu erreichen und Syrien in eine Frontbasis der Al-Qaeda im Herzen des Nahen Ostens zu verwandeln, die in unmittelbarer geografischer Nähe zu Israel, Europa und den pro-westlichen arabisch-muslimischen Staaten liegt.

17.    DieStärking der Al-Nusra Front in Syrien (auch wenn sie die Führung Syriens nicht einnehmen sollte) könnte regional und international eine Gefahr darstellen:

A.    Syrien und andere Anrainerstaaten Israels würden in Terrorzentren des Globalen Jihad gegen verwandelt:

1)  Aus der ideologischen Sicht der Al-Nusra Front und anderer, in Syrien operierender salafistisch-jihadistischer Organisationen muss der Staat Israel vernichtet werden. Das in Groß Syrien aufzubauende islamische Kalifat wird Syrien, Jordanien, den Libanon und „Palästina“ umfassen. Auf dem ersten, von der Front nach ihrer Gründung veröffentlichten Video ist ein Bild des Felsendoms in Jerusalem zu sehen, auf dem die Fahne der Al-Nusra Front und des Globalen Jihad weht. Am 12. Februar 2012 erklärte Al-Qaeda Führer Ayman al-Zawahiri, nach dem Fall des syrischen Regimes werde sich Syrien in eine Basis für den Jihad Kampf verwandeln, dessen Ziel es ist, „einen Staat zu gründen, der muslimisches Land verteidigt, den Golan befreit und den Jihad fortführt, bis die Fahnen des Sieges über den Hügeln des besetzten Jerusalem wehen“. Andere Aktivisten der Al-Nusra Front geben ähnliche Erklärungen ab.

2)  Man muss davon ausgehen, dass die Al-Nusra Front auf den Golanhöhen eine operative Terrorinfrastruktur aufbauen wird, eine Fortsetzung der militärischen Instrastruktur, die sie gegenwärtig in Daraa, im Südwesten Syriens aufbaut. Unserer Einschätzung nach können sich die Hisbollah und die palästinensischen Terror Organisationen den Terrorangriffen von den Golanhöhen aus anschließen, trotz der grundsätzlichen ideologischen Unterschiede, die zwischen ihnen, der Al-Nusra Front und andereren Organisationen des Globalen Jihads bestehen. Darüberhinaus wird die Al-Nusra Front unserer Einschätzung nach versuchen, sich jihadistischen Netzwerken und Organisationen in den Anrainerstaaten Israels anzuschließen, um von dort aus anzugreifen (wie z.B. Ansar Bayt al-Maqdis auf der Sinai Halbinsel, die Abdullah Azzam Brigaden im Libanon und der Mujahideen Shura Rat um Umfeld von Jerusalem im Gazastreifen).

Ayman al-Zawahiri in einem am 12. Februar 2012 hochgeladenen Video- er ruft zur Gründung eines Staates in Syrien auf, der die Golanhöhen "befreit" und einen Jihad gegen Israel beginnt (YouTube 2013).
Ayman al-Zawahiri in einem am 12. Februar 2012 hochgeladenen Video- er ruft zur Gründung eines Staates in Syrien auf, der die Golanhöhen "befreit" und einen Jihad gegen Israel beginnt (YouTube 2013).

B.    Übernahme der Kontrolle über fortschrittliche Waffensysteme des syrischen Regimes, darunter auch die chemischen Waffen: die Al-Nusra Front und die anderen Organisationen des Globalen Jihad untenehmen laufende Anstrengungen, die Waffenarsenale des syrischen Regimes einzunehmen. Mit der Schwächung der zentralen Regierung und des Verlustes ihrer Regierungsfähigkeit besteht die wachsende Gefahr, dass die Waffen der syrischen Armee, u. a. auch fortschrittliche Waffensysteme in die Hände der Jihadisten fallen. Sie haben eventuell auch die Möglichkeit, Waffen der Freien Syrischen Armee und anderer Organisationen mit Verbindungen zur westlichen Welt einzunehmen[2]. Mit der Schwächung des syrischen Regimes können die chemischen und biologischen Waffen der syrischen Armee in die Hände der Al-Nusra Front und anderer jihadistischer Organisationen fallen. Sie können sie für Terrorangriffe einsetzen, ohne sich von irgendwelchen Überlegungen eingeschränkt zu werden, die andere Terror Organisationen wie die Hisbollah und die palästinensischen Organisationen zurückhalten. Waffen aus Syrien können auch zu anderen Terroraktivitäten eingesetzt werden, wie es in Libyen geschah (Waffen, die aus den Waffenarsenalen des lybischen Regimes geplündert wurden, fanden sich in Terrorherden wieder, u. a. auch im Gazastreifen).

C.   Export des Terrors in Länder der westlichen Welt: Nachdem sie bei ihren Kampfeinsätzen in Syrien Kampferfahrung und -fähigkeiten gewinnen, können Jihad Aktivisten Terror Infrastrukturen aufbauen, um in ihren Ursprungsländern Terrorangriffe durchzuführen. Sie können auch auf Eigeninitiative handeln oder Anleitungen von der Al-Nusra Front oder anderen jihadistischen Organisationen erhalten (eine Art Rückkehr zum Modell von Afghanistan der achziger und neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts). In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 17. Juni 2013 warnte Bashar Assad die EU und erklärte „falls die Europäer (den Rebellen) Waffen liefern, wird sich Europas Hinterhof in eine Stätte des Terrors verwandeln und Europa wird den Preis dafür zahlen.“

D.   Regionales Zentrum für Terror und Subversion: Ein jihadistisches Zentrum in Syrien wäre eine Gefahr für die pro-westlichen arabisch-muslimischen Länder. Länder wie Jordanien, Saudi Arabien, Qatar und Ägypten, die sich auf die eine oder andere Weise hinter den anti-Assad Aufstand gestellt haben, könnten sich `am Morgen danach´ in ein Ziel für aus Syrien stammende Subversion und Terror verwandeln. Aktivisten des Globalen Jihad in Syrien könnten mit salafistisch-jihadistischen Organisationen in arabisch-muslimischen Ländern zusammenarbeiten, um ihre Regime zu unterwandern. Die Stärkung der Al-Nusra Front und der anderen jihadistischen Organisationen in Syrien und ihrer radikal sunni-muslimischen Ausrichtung machen sich im Libanon schon bemerkbar und führen zu Spannungen und gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Sunnis und Shiiten in der gesamten arabisch-muslimischen Welt.

18.    Die USA sind sich der potentiellen Gefahren, die die syrische Krise in sich birgt, völlig bewusst. Am 6. August 2013 gewährte Michael Morell, der stellvertretende Direktor der CIA dem Wall Street Journal ein Interview. In diesem Interview bezeichnete er die Krise in Syrien als „höchste Gefahr“, denen die USA heute gegenüberstehen; er warnte davor, dass der Fall des syrischen Regimes, das chemische und andere fortschrittliche Waffen besitzt, Syrien in ein neues Al-Qaeda `Paradies´ verwandeln kann, das Pakistan ablösen könnte. Er fügte hinzu, dass die Gewalt in Syrien auf die umliegenden Länder, auf den Libanon, Jordanien und den Irak übergreifen könnte (Wall Street Journal Webseite, 6. August 2013).

Die in dieser Studie eingesetzte Methodologie

19.    Die größte methodologische Schwierigkeit bei der Ausarbeitung dieser Studie liegt in der fehlenden historischen Perspektive zum syrischen Bürgerkrieg. Die Studie wurde im Sommer 2013 abgeschlossen – zu einer Zeit, in der der Krieg noch andauerte und heftige Kämpfe stattfanden – eine Entscheidung zeichnete sich nicht ab. Eine gründlichere Betrachtung der Al-Nusra Front, ihrer Fähigkeiten, Absichten, ihrer Stelle innerhalb der syrischen Realität am `Morgen danach´ und ihr Einfluss auf Israel, die arabisch-muslimische Welt und den Westen muss in der Zukunft, angesichts der Ergebnisse dieses Krieges und der regionalen und internationalen Entwicklungen durchgeführt werden. Allerdings ist es jetzt schon möglich, die Natur dieser Organisation und ihre operationellen Methoden zu beschreiben und den Versuch zu unternehmen, die Vielzahl der potentiellen Gefahren, die sie für den Nahen Osten und die gesamte Welt darstellt, einzuschätzen.

20.    Eine weitere Schwierigkeit liegt darin, dass es keinerlei verläßliche, genaue Informationen über die Organisationen gibt, die Al-Qaeda und dem Globalen Jihad angeschlossen sind und die parallel zu den Rebellenorganisationen in Syrien agieren. Die rivalisierenden Gruppen (die Befürworter und Gegener des Regimes) veröffentlichen regelmäßig einseitige, manipulative Berichte, deren einziges Ziel darin besteht, ihre eigenen Interessen zu fördern. (Jede Seite stellt sich als Sieger dar und jede Seite verleumdet die andere Seite). Eine weitere Schwierigkeit lag in der Natur der Al-Nusra Front und des Islamischen Staates im Irak und Groß Syrien. Es handelt sich in beiden Fällen um geschlossene, dezentralisierte Organisationen mit zahlreichen Rivalen. Beide sind sehr auf Geheimhaltung bedacht und eröffnen nicht einmal ihren eigenen Aktivisten, Einzelheiten über ihre Anführer oder über ihre Vorgehensweisen.

21.    Diese Studie konzentriert sich auf die Al-Nusra Front, die bedeutendste Organisation unter den in Syrien operierenden jihadistischen Organisationen; sie spielt bei den Rebellen ein bedeutende Rolle. Um das Bild zu ergänzen, bezieht sich die Studie auch auf den Islamischen Staat im Irak und Groß-Syrien und andere salafistisch-jihadistische Organiationen, wenn auch auf weniger detaillierte Art und Weise.

22.    Die Studie basiert auf einer Analyse und Querreferenzen von Informationen aus frei zugänglichen Quellen, insbesondere auf Informationen von Al-Nusra Front nahen Quellen (Videos, Ankündigungen, Übernahme von Verantwortung, Interviews mit Aktivsten der Organisation). Darüberhinaus wurden im Internet hochgeladene Informationen und in verschiedenen syrischen, arabischen und westlichen Medien veröffentlichte Angaben verwendet (In diesem Zusammenhang ist `Syria Comment' zu erwähnen; darin erscheinen erscheinen wichtige Artikel über den syrischen Bürgerkrieg und die Rolle, die die jihadistischen Organisationen in diesem Bürgerkrieg spielen). Hilfreiche Informationen fanden sich in Berichten von westlichen und einigen arabischen Korrespondenten, die die unter der Herrschaft der Al-Nusra Front liegenden Gebiete im Norden und Osten Syriens besuchen konnten. Korrespondenten berichteten vor Ort von den verwaltungstechnischen Tätigkeiten der Al-Nusra Front und anderer Rebellenorganisationen und über die Gemütslage der ortsansässigen Bevölkerung, trotz der Beschränkungen, denen jede Berichterstattung unterliegt[3].

23.   Diese Studie basiert auch auf einer Reihe von 2012 / 2013 veröffentlichten Berichten westlicher Forschungsinstitute, die sich auf die Erforschung von Al-Qaeda und anderer radikal islamistischer Bewegung spezialisieren:

a.    Die Quilliam Stiftung, ein in London angesiedelter Think Tank veröffentlichte etwas Mitte 2012 einen Bericht mit dem Titel „Jabhat al-Nusra: Jabhat al-Nusra Ii-Ahl al-Sham min Mujadedi al-Sham fi Sahat al-Jihad, ein strategisches Briefing“ (der Bericht ist nicht datiert und nennt keinen Verfasser).

b.    The International Crisis Group, eine internationale Organisation, die sich die Aufgabe gestellt hat, tödliche Konflikte zu verhindern und zu lösen, veröffentlichte am 12. Oktober 2012 eine Studie mit dem Titel „Tentativer Jihad: Syriens fundamentalistische Opposition“ (der Verfasser wird nicht benannt).

c.    The International Centre for the Study of Radicalisation and Political Violence (ICSR), ein im Kings College, London, angesiedelter britischer Think Tank, veröffentlichte den Artikel von Aaron Y. Zelin über ausländische Kämpfer in Syrien, der uns besondere Einblicke lieferte.

Aufbau der Studie
Übersicht:

1.      Die Al-Qaeda Verschanzung in Syrien.

2.      Einschätzung der militärischen Fähigkeiten der Al-Nusra Front.

3.      Unterstützung der syrischen Bevölkerung.

4.      Einschätzung der Gefahren für Israel, die westliche Welt und pro-westliche arabisch-muslimische Länder.

5.      Die in dieser Studie angewandte Methodologie.

Teil 1: Die Gründung der Al-Nusra Front und ihre Zusammenarbeit mit anderen Rebellenorganisationen

1.      Allgemeine Darstellung des syrischen Bürgerkrieges

2.      Verschanzung der Al-Qaeda Aktivisten in Syrien vor der Gründung der Al-Nusra Front

3.      Gründungserklärung der Al-Nusra Front (24. Januar 2012)

4.      Die Spaltung der Al-Qaeda Flügel in Syrien und im Irak

5.      Die Entstehung des Islamischen Staates im Irak und in Groß-Syrien als Konkurrent der Al-Nusra Front

6.      Kollaboration zwischen der Al-Nusra Front und den islamistischen Rebellenorganisationen:

a.   Übersicht 

b.   Führende islamistische Organisationen, die mit der Al-Nusra Front kollaborieren

c.   Schaffung gemeinsamer militärischer Gefüge für die Al-Nusra Front und andere islamistische Organisationen

7.      Die Beziehungen zwischen der Al-Nusra Front und dem Islamischen Staat im Irak und Groß-Syrien

8.      Die Beziehungen der Al-Nusra Front und des islamischen Staates im Irak und Groß-Syrien mit der Freien Syrischen Armee

9.      Die Konfrontation zwischen der Al-Nusra Front und dem Islamischen Staat im Irak und Groß-Syrien einerseits und den Kurden andererseits

Teil 2: Die Ideologie der Al-Nusra Front

1.      Übersicht 

2.      Die ideologische Identifizierung der Al-Nusra Front mit Al-Qaeda

3.      Die ideologische Verbindung des Islamischen Staates im Irak und Groß-Syrien mit Al-Qaeda

4.      Die Bedeutung des Ausdrucks „Al-Nusra Front“

5.      Groß-Syrien als Austragungsort der der historischen Kämpfe des Islam

6.      Das übergeordnete Ziel der Al-Nusra Front     

7.      Die antiwestliche Ausrichtung der Al-Nusra Front

8.      Feindschaft gegenüber Israel

9.      Das Konzept des Jihad

10.   Die Takfir Weltanschauung der Al-Nusra Front und ihre Umsetzung

a.   Übersicht  

b.   Feindseligkeit gegenüber Shiiten und Alawiten

c.   Angriffe auf Christen und andere Religionen und Sekten, Zerstörung von Statuten und Angriffe auf religiöse Stätten und Symbole

Teil 3: Die Struktur der Al-Nusra Front, ihre Führung und Arbeitsweise

1.      Die Stärke und der Einsatzbereiche der Al-Nusra Front

2.      Die Struktur der Al-Nusra Front

3.      Die Führung der AlNusra Front

4.      Sicherheit und Nachrichtendienst

5.      Fundraising

6.      Waffenkäufe und ihr Einschmuggeln nach Syrien

Teil 4: Der personelle Aufbau der Al-Nusra Front

1.      Eine allgemeine Beschreibung der ausländischen Freiwilligen

2.      Die geschätzte Zahl der ausländischen Freiwilligen

3.      In Syrien getötete ausländische Aktivisten

4.      Aktivisten aus der arabisch-islamischen Welt

5.      Freiwillige aus westlichen Ländern

6.      Rekrutierung und Ausbildung in der Al-Nusra Front

7.      Indoktrinierung/Gehirnwäsche und Militärausbildung für Kinder und Jugendliche

Teil 5: Darstellung der militärischen Aktivitäten der Al-Nusra Front

1.      Allgemeine Darstellung der Kämpfe

2.      Von Selbstmordattentätern ausgelöste Autobomben

3.      Durch Fernbedienung ausgelöste Autobomben

4.      Motorradbomben

5.      Angriffe auf Flughäfen

6.      Angriffe auf syrische Militärbasen im ländlichen Bereich

7.      Einsatz von IEDs (unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtungen)

8.      Angriffe auf Grenzübergänge

9.      Raketenbeschuss

10.   Angriffe auf Straßensperren

11.   Tötung von Gefangenen

12.   Aktivitäten der Al-Nusra Front im Süden Syriens

a.   Im Raum Daraa

b.   Auf den Golanhöhen

13.   Reaktion der Al-Nusra Front auf den Einsatz von chemischen Waffen durch das syrische Regime

Teil 6: Die Al-Nusra Front und andere jihadistische Organisationen füllen das Regierungsvakuum

1.      Übersicht 

2.      Die Zivilverwaltung der Al-Nusra Front in den verschiedenen Landkreisen

a.   Landkreis Al-Raqqa

b.   Landkreis Aleppo

c.   Landkreis Deir ez-Zor

d.   Landkreis Idlib

e.   Landkreis Al-Hasakah

3.      Verwaltung der Erdöl- und Gasfelder in Nord- und Ostsyrien

Teil 7: Der Kampf der Al-Nusra Front um Herz und Gemüt

1.      Übersicht 

2.      Die Medien der Al-Nusra Front

a.   "Das Weiße Minarett” (al-manara al-baydhaa`)

b.   Webseiten

3.      Arbeitsweise der Al-Nusra Front Medien

a.   Übersicht 

b.   Predigten in den Moscheen

c.   Verteilung von CDs

Die gesamte Studie ist in englischer Sprache auf

http://www.terrorism-info.org.il/en/article/20573abzurufen

 

[1] Der volle Name der Organisation lautet Jabhat al-Nusra li-Ahl al-Sham „die Front zur Unterstützung der Bewohner von Groß Syrien“). Der Ausdruck al-Sham bezeichnet sowohl Syrien, als auch „Groß-Syrien“. Aufgrund des globalen islamischen Konzepts der Al-Nusra Front und ihrer Ziele, die weit über den Staat Syrien hinausgehenen, muss die Bedeutung von „Groß Syrien“ als treue Übersetzung dieses Ausdrucks. Die Organisation wird im allgemeinen die Al-Nusra Front genannt – daher wird in dieser Studie diese Bezeichnung verwendet.
[2]Der russische Außenminister Sergei Lavrov äußerte die Besorgnis, dass für Syrien vorgesehene Waffen in die Hände der Al-Nusra Font fallen könnten. Er erklärte, „Habhat al-Nusra ist die bestfundktionierende Struktur der bewaffneten Opposition und ich hege keinerlei Zweifel daran, dass die überragende Mehrheit der Waffen die letzten Endes schon in Syrien eingetroffen sind, sowie diejenigen, die noch in Syrien eintreffen werden, über diese Struktur verteilt werden“. (http://eaworldview.com/2013/06/syria-today-the-war-on-the-economy). Trotz seiner deutlichen Voreingenommheit (ein Echo des Taktik des syrischen Regimes, die jihadistische Bedrohung übertrieben darzustellen), drückt seine Stellungnahme anscheinend eine echte, nicht unbegründete Sorge (u. a. angesichts der tschetschenischen Militäreinheit, die in den Rängen der Al-Nusra Front kämpft).
[3] Dennoch muss man davon ausgehen, dass westliche und arabische Korrespondenten, die die Gebiete unter jihadistischer Herrschaft besuchen, in ihrer Berichterstattung eingeschränkt sind und sich manchmal in wirklicher Lebensgefahr befinden. Am 22. August 2013 erschien ein Artikel in der New York Times über einen amerikanischen Fotografen, der von der Al-Nusra Front gefangengenommen worden war. Er wurde gefoltert, konnte seinen Peinigern jedoch nach etwa sieben Monaten entkommen. Nach Angaben in diesem Artikel gibt es für das Jahr 2013 Angaben über 17 ausländische Staatsangehörige, die in Syrien entführt wurden oder verschwunden sind.