Hamas und weitere Körperschaften kündigten an, dass sie sich energisch gegen die Einbeziehung von Holocaust Studien in den UNRWA-Schulen widersetzen werden.


UNRWA Schule im Flüchtlingslager Jebalia, Gazastreifen (electronicintifada.net)
UNRWA Schule im Flüchtlingslager Jebalia, Gazastreifen (electronicintifada.net)

Im Vorfeld

1.   Am 17. Oktober veröffentlichte die Abteilung für Flüchtlinge der Hamas-Regierung eine Meldung, wonach sie sich energisch gegen die Entscheidung der UNRWA (Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten) widersetzt, das Thema Holocaust erneut in den Lehrplan der von ihr getragenen Schulen in palästinensischen Flüchtlingslagern einzubeziehen. Laut Meldung müsse man diese Entscheidung als "Verbrechen gegen die Flüchtlinge und deren Recht auf Rückkehr" betrachten. Die Meldung fordert die Leitung der UNRWA auf, ihre Entscheidung zurückzuziehen und in Zukunft keinerlei "fragwürdige Entscheidungen" mehr, im Rahmen der Dienstleistungen, die sie den palästinensischen Flüchtlingen anbietet, zu treffen (Safa, 17. Oktober 2012).

2.   Die Meldung der Hamas-Regierung folgte vor dem Hintergrund von Gerüchten, die in Jordanien kursierten, wonach die UNRWA die erneute Einbeziehung der Holocaust Studien im Lehrplan der von ihr betriebenen Schulen in den palästinensischen Flüchtlingslagern plant, und zwar im Rahmen der Studien zu Konfliktlösung. Diese Gerüchte lösten auch den Zorn der jordanischen Lehrer aus, die eine Erklärung veröffentlichten, wonach sie sich weigern würden, Geschichte zu lehren, die "dem palästinensischen Zweck schadet". Auch im Libanon wurde eine ähnliche Verurteilung veröffentlicht. (Siehe im Anhang: Kommentare zur UNRWA-Entscheidung im Gazastreifen und in der arabischen Welt.)

3.   Die UNRWA dementierte zwar inoffiziell die Tatsache, dass sie die Absicht habe, Holocaust Studien im Rahmen des diesjährigen Lehrplans einzuführen. Dennoch war es nicht möglich, die offizielle Stellungnahme des Organisationssprechers zu erhalten (Elad Jordan, 16. Oktober 2012).

4.   Als Teil der Unterstützung betreibt die UNRWA 243 Schulen im Gazastreifen, in denen über 200.000 Schüler ausgebildet werden (UNRWA Site, 17. Oktober 2012). Die UNRWA betreibt auch Schulen in Judäa und Samaria sowie in arabischen Ländern, in denen sich palästinensische Flüchtlingslager befinden. In den letzten Jahren kam immer wieder die Frage bezüglich des Unterrichts der Holocaust Studien in den von der UNRWA betriebenen Schulen auf. Als in den Vorjahren Informationen über die Absicht der Organisation zu diesem Thema durchsickerten, wurde eine Protestaktion gestartet, die die Organisation zur Rücknahme ihrer Entscheidung bewegte. Besonders scharfe Reaktionen wurden im Gazastreifen registriert. Grund dafür war der prinzipielle Widerstand der Hamas, Holocaust Studien einzuführen, die von ihr als "imaginäre, gelogene Geschichte" definiert werden.[1]

5.   Die scharfen Reaktionen der Hamas in der Frage der Holocaust Studien gehören zu den Druckmitteln, die sie auf die UNRWA ausübt. Zweck dieser Druckausübung ist, die Bildungssysteme der UNRWA (Schulen und Sommerlager) in das Bildungssystem der Hamas-Regierung zu integrieren und die Schulen nach dem Lehrplan der Hamas zu betreiben. Oberflächlich betrachtet scheinen diese Maßnahmen zum Teil erfolgreich zu sein. Sie haben u. a. das Sommerlagerprojekt der UNRWA bereits geschädigt[2].

Anhang
Kommentare im Gazastreifen

1.   In der Meldung, die die Abteilung für Flüchtlinge der Hamas Regierung veröffentlichte, wurde erklärt, die Schüler in den UNRWA Schulen benötigten keinerlei Bereicherungsmaterialien über den Holocaust als Basislernprogramm. In der Meldung wurden alle politischen Gruppierungen, zivile Institutionen der palästinensischen Gesellschaft, die Volks- und Zivilkomitees sowie die Mitarbeiter der UNRWA gebeten, gegen diese "dubiose" Entscheidung vorzugehen (Safa, 17. Oktober 2012).

2.   Dr. Azam Radwan, Leiter der Abteilung für Flüchtlingsangelegenheiten der Hamas Regierung, behauptete, die UNRWA unterliege dem Druck Israels und der USA, und dass die USA, gemäß den Forderungen der israelischen Regierung, den Umfang der Unterstützung vom Unterricht der Holocaust Studien abhängig mache. Seinen Worten zufolge, würden sie die Lehrbücher zum Thema Holocaust zerreißen und sie in den Müll schmeißen (Falastin Alyom, 17. Oktober 2012).

3.    Die Organisation der Volkswiderstandskomitees hat eine Warnung an die UNRWA veröffentlicht, wonach diese keine Holocaust Studien betreiben solle. Die Verkündigung besagt, es sei "ein miserabler Versuch, die zionistische Propaganda zu verbreiten", und dass "das palästinensische Volk sich mit allen Mitteln dagegen wehren wird". Des Weiteren wurde gesagt, die UNRWA solle sich eher mit den verschiedenen Lebensfragen der palästinensischen Flüchtlinge beschäftigen, insbesondere mit der Nakba, anstatt den Kindern eine "zionistische Lügengeschichte" zu vermitteln (Falastin Alyom, 17. Oktober 2012).

Kommentare in Jordanien

4.   Als Reaktion auf die Gerüchte erschien am 15. Oktober eine Erklärung des Exekutivausschusses der jordanischen Lehrer von UNRWA,[3] in der er die Entscheidung, "den Mörder mit dem Opfer gleichzustellen", verurteilt. In ihrer Erklärung forderten die Lehrer, anstelle der Holocaust Studien das Thema "Rückkehrrecht und Geschichte des 1948-Krieges" in den Lehrplan einzuführen. Sie argumentieren, Holocaust Studien im Rahmen des breiteren Themas "Menschenrechte" zu unterrichten, würde dem palästinensischen Zweck Schaden zufügen und die Haltungen der Schüler in Bezug auf ihren wirklichen Feind beeinflussen (www.timesofisrael.com, 16. Oktober 2012).

Kommentare im Libanon

5.   Die Thabet Organisation für "Rückkehrrecht" in Beirut, Libanon, verurteilte die UNRWA-Entscheidung und behauptete, dass diese "darauf abziele, den palästinensischen Nationalschatz der kommenden Generationen auszubeuten". Sie rief die UNRWA auf, sich den Zielen zu widmen, zu deren Erfüllung sie gegründet wurde, und die Holocaust Studien durch Studien über die "palästinensische Nakba" zu ersetzen (Maan, 18. Oktober 2012)[4].

[1] In diesem Zusammenhang finden Sie Informationen in unserer Veröffentlichung vom 7. März 2011: "Der Kampf um den Charakter der Bildung im Gazastreifen: Hamas und der islamische Dschihad in Palästina fordern die UNRWA auf, das Thema Holocaust nicht in ihren Schulen zu unterrichten. Dies, da die Holocaust Studien ("diese gefälschte und lügnerische Geschichte") die Seelen der palästinensischen Jugendlichen "vergifte" und damit dem Zweck Israels diene."

[2] Über die Sommerlager sehen Sie die Veröffentlichung des Informationszentrums vom 30. Juli 2012: "Auch in diesem Jahr wurden die Sommerlager im Gazastreifen durch die Hamas und andere terroristische Organisationen im Gazastreifen ausgenutzt, soziale Tätigkeiten mit islamischer und politischer Indoktrination und semi-militärischen Übungen zu integrieren."

[3] UNRWA betreibt in Jordanien 172 Schulen in zehn Flüchtlingslagern, in denen etwa 120.000 Kinder lernen (UNRWA Website, 17. Oktober 2012).

[4] Im Libanon betreibt die UNRWA 68 Schulen in 12 Flüchtlingslagern, in denen etwa 32.000 Kinder studieren (UNRWA Website, 17. Oktober 2012).