Ein von der US amerikanischen Armee im Versteck von Osama Bin Laden in Pakistan beschlagnahmtes Dokument bestätigt die Verbindung zwischen der Al Qaida Führung und der Armee des Islam, einer jihadistisch salafistischen Vereinigung im Gazastreifen

Analyse der Briefe durch die CTC

Analyse der Briefe durch die CTC

Arabische Fassung des Briefes der Armee des Islam, der im Versteck von Bin Laden entdeckt wurde.

Arabische Fassung des Briefes der Armee des Islam, der im Versteck von Bin Laden entdeckt wurde.

Abzeichen der Armee des Islam: Koran und ein Schwert mit einer Fahne mit der Shahada[der Satz: ''es gibt keinen Gott ausser Allah und Mohammed ist sein Gesandter''] auf dem Hintergrund der Weltkarte.

Abzeichen der Armee des Islam: Koran und ein Schwert mit einer Fahne mit der Shahada[der Satz: ''es gibt keinen Gott ausser Allah und Mohammed ist sein Gesandter''] auf dem Hintergrund der Weltkarte.

Aktivisten der ''Armee des Islam'' in Gaza

Aktivisten der ''Armee des Islam'' in Gaza

Mamtaz Doghmush, Gründer und Chef der ''Armee des Islam''  (rechts) mit einem seiner Anhänger

Mamtaz Doghmush, Gründer und Chef der ''Armee des Islam'' (rechts) mit einem seiner Anhänger


Übersicht

1.   Am 3. Mai 2012, ein Jahr nachdem Osama Bin Laden von einer Elitetruppe der amerikanischen Armee getötet worden war, wurden 17, nicht als Verschlussache qualifizierten Dokumente veröffentlicht, die in seinem Versteck in Abottaabad, Pakistan,  entdeckt wurden. Das Zentrum für Terrorbekämpfung (CTC – Combating Terrorism Center) der Militärakademie Westpoint, New York State[1], veröffentlichte die Gesamtheit der in die englische Sprache übersetzten Dokumente, unter Zusatz einer genauen Analyse [unter dem Titel "Letters From Abbottabad: Bin Laden Sidelined?"] .

2.   Die 17veröffentlichten Dokumente bilden lediglich einen kleinen Teil der 6000 Dokumente, die in den Computern und den Festplatten im Versteck von Osama Bin Laden in Abbottabad erbeutet wurden. Die Dokumente umfassen u. a. Briefe und Briefentwürfe von Osama Bin Laden und anderen Al Qaida Anführern.   Der früheste Brief trägt ein Datum aus dem Jahr 2006, der letzte Brief trägt ein Datum im April 2011.

3.   Ein wahrscheinlich aus dem Jahr 2006 stammendes Schriftstück, zeigt einen Briefwechsel zwischen der Armee des Islam, einer Al Qaida nahen Organisation des globalen Jihads im Gazastreifen und der Al Qaida Führung. Im Zentrum des Briefwechsels steht die politisch-ethische Frage der Armee des Islam, ob es ihnen erlaubt sei, für ihre Terroraktivitäten eine Finanzierung von anderen palästinensischen Organisationen anzunehmen (dem palästinensischen Islamischen Jihad, Fatah). Im Hintergrund steht dieselbe Frage im Hinblick auf "ungläubige" Staaten, wie dem shiitischen Iran (der nach Aussagen der Armee des Islam, dem islamischen palästinensischen Jihad eine großzügige finanzielle Unterstützung gewährt). Al Qaida gab eine positive Antwort, d.h. seiner Auffassung nach ist es im Islam möglich, Gelder von anderen Organisationen und von  "ungläubigen" Staaten anzunehmen, um den Jihad durchzuführen ( wie es der Palästinensische Islamische Jihad tut). (Zu Einzelheiten des Briefwechsels siehe Anhang A).

4.   Die Armee des Islam ist eine jihadistische-salafistische Organisation im Gazastreifen. Sie verfügt über bemerkenswerte Einsatzkapazitäten im Vergleich zu ähnlichen Gruppen, die Al Qaida nahestehen. An der Spitze des 2006 gegründeten Organisatin steht Mamtaz Doghmush, Angehöriger eines sehr einflußreichen Clans im Gazastreifen. Zwei Angehörige der Armee des Islam waren an dem Anschlag beteiligt, bei dem Gilad Shalit entführt wurde. Die Organisation charakterisiert sich durch ihre Versuche, von der  Sinai Halbinsel aus Terroranschläge gegen Israel durchzuführen, darüberhinaus führt sie jedoch auch Angriffe auf westliche Ziele in Ägypten durch, nach dem Beispiel des globalen Jihad. In der Vergangenheit beschuldigte der damalige ägyptische Innenminister die Armee des Islams  der Verantwortung für den Terror Anschlag auf die koptische Kirche in Alexandria (Januar 2011) und auf den Khan al-Khalili Markt in Kairo (Februar 2009). Die Armee des Islam unterhält enge Kontakte mit der Hamas, was ihr  eine Bewegungsfreiheit sowohl im Gazastreifen , als auch in Ägypten gerantiert (Einzelheiten siehe Anhang B).

5.   Den "Prüfstein", auf den die Frage der Armee des Islam an Al Qaida sich stützt, bildet  die enge Beziehung zwischen dem palästinensischen Islamischen Jihad und dem Iran.  Dieser Frage nach, wird der Palästinensische Islamische Jihad ( sunnischer Ausrichtung) auf großzügige Art und Weise vom "ungläubigen" shiitischen Iran unterstützt, um seine jihadistischen Aktivitäten weiterzuführen, wobei einige seiner Aktivisten sich der shiitischen Richtung angeschlossen haben ("möge uns Gott davor behüten", steht in der Frage der Armee des Islam). Der Iran gewährt dem islamischen Jihad in militärischer und finanzieller Hinsicht  seine großzüge Unterstützung, was ihn zur zweitstärksten Organisation im Gazastreifen aufsteigen ließ (nach der Hamas). Für diese Unterstützungist die Organisation, die von keinerlei dämpfenden Einflüssen 'belastet' ist (wie etwa die Hamas) bereit, im Konflikt mit Israel und auf der innerpalästinensischen Front die iranischen Interessen zu fördern.

[1] Die Dokumente im Original: http://www.ctc.usma.edu/posts/letters-from-abbottabad-bin-ladin-sidelined, Eine weitere Analyse: http://www.ctc.usma.edu/wp-.content/uploads/2012/05/CTCLtrsFrom Abottabad WEB