Das Hilfswerk UNRWA hat ein weiteres Mal einen Tunnel aufgedeckt, der unter einer Schulen im Gazastreifen verläuftseiner

UNRWA deckt einen weiteren Tunnel unter einer seiner Schulen auf
  • Christopher Guinness, Sprecher des UNRWA-Hilfswerks für die palästinensischen Flüchtlinge, gab am 28. Oktober 2017 eine Erklärung ab, wonach zwei Wochen zuvor, am 15. Oktober 2017, UNRWA etwas unter einer seiner Schulen aufgedeckt habe, was "wie ein Tunnel aussehe". In der Erklärung wurde der Name der Schule, unter der sich der Tunnel befand, nicht genannt. Es wurde berichtet, dass die Schule gemäß dem üblichen Verfahren geschlossen wurde und dass die notwendigen Maßnahmen ergriffen wurden, um die Sicherheit der Schule zu gewährleisten. Die Schule nahm ihren Betrieb erst zehn Tage später, am 25. Oktober 2017, wieder auf, nachdem der offene Raum unterhalb der Schule aufgefüllt und blockiert und die Sicherheit der Schüler gewährleistet wurde (UNRWA Website, 28. Oktober 2017).
  • Es wurde bekannt gegeben, dass sich das UNRWA an "relevante Faktoren" gewandt habe und gegen die Verletzung der Neutralität der UN-Einrichtungen, die die Mitarbeiter und Nutzer des Hilfswerks gefährdete, protestiert habe. Der Erklärung zufolge gefährde die Anwesenheit eines Tunnels unter einer der UNRWA Anlagen die Kinder und das Lehrpersonal (Website des UNRWA-Hilfswerks, 28. Oktober 2017).
  • Die arabische Facebook-Seite des Regierungskoordinators in den Gebieten (COGAT), berichtete, dass der Tunnel unter der Mittelschule für Jungen in Bet Hanun im nördlichen Gazastreifen aufgedeckt wurde (die arabische Facebook-Seite von COGAT, 29. Oktober 2017). Abdel Latif al-Kanua, ein Sprecher im Namen der Hamas, verweigerte jeglichen Kommentar und sagte, dass die zuständigen Stellen im Gazastreifen den Vorfall überprüfen (die amtliche chinesische Nachrichtenagentur, 29. Oktober 2017).

Die UNRWA Mittelschule für Jungen in Bet Hanun, unter der der Tunnel aufgedeckt wurde (die arabische Facebook-Seite von COGAT, 29. Oktober 2017)
Die UNRWA Mittelschule für Jungen in Bet Hanun, unter der der Tunnel aufgedeckt wurde (die arabische Facebook-Seite von COGAT, 29. Oktober 2017)

  • In der Stadt Bet Hanun, in der der Tunnel offensichtlich aufgedeckt wurde, leben etwa 35.000 Einwohner. Sie befindet sich im nördlichen Gazastreifen in der Nähe der Grenze zu Israel. Wegen ihrer Nähe zu Israel diente sie in der Vergangenheit als Abschussort von Raketen. Unserer Einschätzung nach dient die dortige Region als Herd für den Tunnelbau der Terrororganisationen, vor allem der Hamas.

Die Lage von Bet Hanun (Google Maps)
Die Lage von Bet Hanun (Google Maps
)

Eine frühere UNRWA-Aufdeckung eines Tunnels
  • Es sei darauf hingewiesen, dass dies nicht das erste Mal ist, dass ein Tunnel unter einer UNRWA Schule entdeckt wird. Am 9. Juni 2017 berichtete ein Sprecher des UNRWA über die Aufdeckung eines Tunnelabschnitts, der unter zwei Schulen im Flüchtlingslager al-Maghazi (Deir al-Balah) im zentralen Gazastreifen verlief. Auch bei diesem Vorfall beeilte sich die Hamas, die Existenz eines Tunnels unter der UNRWA-Schule zu dementieren und machte deutlich, dass es sich um eine Verletzung des neutralen Status von UN-Einrichtungen handele. Beamte der Hamas verurteilten sogar das UNRWA wegen der Veröffentlichung des Vorfalls und wegen dem Mediensturm, der daraufhin entstand (Webseite der Hamas, 9. Juni 2017). [1]
Frühere Verwendungen von zivilen Einrichtungen durch Terrororganisationen im Gazastreifen
  • Terrororganisationen im Gazastreifen und vor allem die Hamas neigen dazu, einen umfangreichen militärischen Gebrauch von zivilen Einrichtungen, einschließlich die des UNRWA-Hilfswerks, zu machen. Dieses Phänomen wurde bereits in der Vergangenheit, während der Operationen der IDF im Gazastreifen, bekannt. Die Verwendung schließt die Verbergung von Waffen und die Unterbringung von Aktivisten und Militärzentralen in zivilen Einrichtungen, darunter in Schulen, Krankenhäusern und Moscheen. Zudem werden benachbarte Orte von zivilen Einrichtungen für Schießzwecke verwendet. Die Idee, die der militärischen Nutzung ziviler Einrichtungen, einschließlich UNRWA-Schulen, zugrunde liegt, ist der Annnahme der Hamas und anderer Terrororganisationen, dass Israel diese Einrichtungen womöglich nicht angreifen wird. Somit können ihre Gesamtüberlebenschancen und die Erhaltung der Munitionen bzw. das Überleben der Aktivisten erhöht werden.
Zusammenfassung und Bewertung
  • Das UNRWA-Hilfswerk für die palästinensischen Flüchtlinge widersetzt sich dem Prinzip der militärischen Verwendung seiner Schulen durch die Hamas und die anderen Terrororganisationen im Gazastreifen. Allerdings ist die Fähigkeit des UNRWA, dieses Phänomen zu verhindern, äußerst begrenzt. Gründe hierfür ist einerseits die Machtposition, die die Hamas im Gazastreifen genießt, und andererseits die vielen Vorteile, die die Hamas und die anderen Terrororganisationen bei der militärischen Verwendung der UNRWA-Einrichtungen genießen. Daher kann man davon ausgehen, dass das Phänomen trotz vergangener Erklärungen der Hamas, zwischen den militärischen Operationen der Bewegung und den Aktivitäten des UNRWA zu trennen, weiter in Erscheinung treten wird.
  • Im jetzigen Moment ist noch unklar, welche terroristische Vereinigung hinter dem aufgedeckten Tunnel unterhalb der Schule in Bet Hanun steht. Unserer Einschätzung nach ist es entweder die Hamas oder die Organisation Islamischer Dschihad in Palästina (PIJ), da beide Organisationen führend beim Bau von Tunneln, einschließlich der Tunnel zum Eindringen, sind. Diese Eindringtunnel werden von ihnen als wichtigstes Mittel betrachtet, um den Kampf auf das israelische Gebiet zu übertragen, sei es für Entführungszwecke oder Angriffe auf israelische Ziele. Hassan Jusuf, hochrangiges Mitglied der Hamas in Judäa und Samaria, machte diesbezüglich klar, dass Gründe für die Existenz des "Widerstands" im Gazastreifen "unter und über dem Boden" bestehen (Dunia al-Watan, 29 Oktober 2017). Die PIJ, dessen Eindringtunnel von der israelischen Armee am 30. Oktober gesprengt wurde, gab bekannt, dass der Tunnelbau Teil ihrer Abschreckungspolitik gegen Israel sei (Al-Aqsa TV, 30. Oktober 2017).

Die Sprengung des Eindringtunnels der PIJ am 30. Oktober 2017 und die Aufdeckung des Tunnels unterhalb der UNRWA-Schule am 15. Oktober 2017 verdeutlichen die Grenzen der Kraft der Palästinensischen Autonomiebehörde bei den Versöhnungsbemühungen zwischen der Fatah und der Hamas. Die Hamas (und in geringerem Maße auch die PIJ) werden die Infrastruktur für Tunnel voraussichtlich weiter ausbauen, einschließlich der Tunnel, die ins israelische Gebiet eindringen. Somit behält die Hamas die Kontrolle über eine der wichtigsten Fragen, die bei der "nächste Runde" des Konflikts mit Israel auftauchen werden, und neutralisiert Mahmud Abbas von jeder Möglichkeit, bei diesem wichtigen und sensiblen Thema mitwirken zu können.

[1] Für weitere Einzelheiten über Tunnel unter UNRWA-Schulen siehe Publikation des Informationscenters vom 15. Juni 2017: UNRWA berichtet über die Aufdeckung eines Tunnels, der unter zwei Schulen im Gazastreifen verläuft. Die Hamas beeilte sich, die Nachricht zu dementieren. Die militärische Nutzung von terroristischen Organisationen in UNRWA-Schulen ist ein bekanntes Phänomen, das bereits in der Vergangenheit bewiesen wurde" (in englischer Sprache).